Spart euch das blende Gefasel vom „Leben“, wenn ihr nur noch einen Madensack vor euch seht! Es kommt Jahrtausende zu spät. Wenn dem Menschen schon das Leben nicht mehr gelassen wird, denn lasst ihm wenigstens seinen Tod.

Spart euch die träntriefe Heuchelei eurer Trauer! Sie hilft keinem Toten. Und. Noch weniger den Lebenden. Formt Wut aus euren Tränen, und formt Taten aus eurer Wut! Es gibt ein Leben vor dem Tod. Und das. Ist euer einziges Leben. Lasst einfach die Toten ihre Toten begraben!

Erlaubt dem wracken Leib einmal nur, zu sein, was er ist! Wenn ihr Lügen haben wollt, gibt es immernoch das Fernsehen und die Bildzeitung. Dafür. Braucht ihr keine Leiche. Auch keine Pfaffen. Und. Auch nicht die ölglatten Phrasen der professionellen Bestatter.

Verzichtet auf die giere Wertschöpfung! Wäre die Medizin in dieser Gesellschaft ein menschlicher Dienst am Menschen, denn könnten die Ärzte ja gern ausweiden, es täte mir nicht weh. Aber. Dass eines armen Menschen Totleib die Besitzenden gesünder und schöner und die weiße Brut der Ärzte reicher macht, während meine Freunde in unbehandelten Schmerzen vegetieren, das verbitte ich mir. Ausdrücklich. Für. Meine wehrlosen Reste Biomasse.

Sperrt mich nicht im lochen Gefängnis eurer Erinnerungen ein! Wendet euern Geist denen zu, die noch Zuwendung fühlen können, statt mit eures Hirnes Kräfte einen bequemen Zombie zu erschaffen, den ihr bei Bedarf trostsam durch eure Erinnerungen geistern lassen könnt! Ihr seid spätestens jetzt mehr als ich, denn ihr seid noch nicht tot. Lebt das! Damit. Es wirklich wird! Ein Denkmal aus fleischen Taten ist besser denn ein Kultort von Stein.

Grabt keine Grube! Erlaubt einem Menschen, der niemals leben konnte, wenigstens das Totsein! Gönnt meinen blauschwarzen Freunden, den Raben und Krähen, ihr Fresschen! Nehmt den Fliegen ihr Nest nicht weg! Und lasst auch den Bakterien eine dufte Pfütze Jauche zum geselligen Schlürfen! Keiner dieser Aasfresser ist so gierig wie die hochgeehrten Menschen, die sich von den Herzen der Lebenden ernähren. Ökologie. Gibt es nicht in stempeldruckten Klarsichtpackungen bei Edeka und Plus, die von essender Natürlichkeit schwätzeln.

Denkt an die Lebenden, wenn ihr an den Tod denkt! Und. Denkt an euch! Das hilft gegen den niederträchtigen Appell an die jetzige Bequemlichkeit, der in allen Vertröstungen auf ferne Zeiten das mögliche Leben niederknüppelt. Seid ungläubig! Weil. Ihr glaubt, was ihr in jedem bewussten Nerv wisst! Schickt frohen Mutes zur Hölle, die den Lebenden schon die Hölle bereiten!

Und. Wenn ihr dabei wirklich daran denkt: Sendet einen lachen Gruß von mir hinterher!

Das. Ist. Angemessenes. Gedenken.

Das Sonstige ist einfach. Weil. Ich nichts von Marktwert habe. Das lässt die Gier erlöschen und die Vernunft strahlen. Wer etwas als brauchbar erkennt, bediene sich! Es gehört niemandem mehr. Der Rest in die Flammen, in das Nichts. Wo. Mein verlebtes Sein schon angekommen ist.

Und. Wohin euer einst verlebtes Sein noch folgen wird.

Reliquien braucht nur, wer den Tod zum Kult erhebt, um das Leben mit seinen Möglichkeiten einzusperren und beutbar zu machen. Spart euch diesen knasten Schwachfug! Und. Lebt! Endlich!

Und. Heute!

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