Ewiger September — Es ist kein besonderer Jahrestag. Heute vor 2443 Tagen wurde der Terroranschlag auf das World Trade Center in New York durchgeführt, der einen bis heute sehr medienwirksamen Meilenstein der modernen Barbarei darstellt. So sehr es mir immer widerstrebte, etwas dazu zu schreiben, um nicht selbst in den Zynismus der Contentindustrie abzugleiten, so sehr drängt es mich auch, etwas darüber zu schreiben. Weil. Immer wieder auf dieses eine Ereignis Bezug genommen wird und weil ich auch immer darüber sprechen muss. Es ist auch kaum nötig, einen geeigneten Jahrestag abzuwarten, denn der 11. September 2001 ist seit den bewegten und bewegenden Bildern auf allen Kanälen allgegenwärtig geworden. Die damit verbundene affektive Kraft dient zur allgemeinen und sehr handlichen Rechtfertigung des fortschreitenden Abbaues aller Bürgerrechte unter der Angstpeitsche einer möglichen Wiederholung solcher Barbarei. Seit diesem Tag ist gewissermaßen ein ewiger September eingezogen, ein langer langer Herbst für die Idee der Menschenrechte. Der. Den nahenden Winter erahnen lässt.

Deckmäntelchen — Es ist keineswegs der Fall, dass die Anschläge vom 11. September eine besonders opferreiche oder außerordentlich grausame Form des Terrors darstellten. Es handelte sich lediglich um ein Ereignis, dass sich besonders gut für die Verwertung durch die Medien eignete und deshalb die beabsichtigte Aufmerksamkeit fand. Einige tausend Menschen. Sind unter schrecklicher Angst und grausamer Verzweiflung gestorben. Und. Viele Kameras filmten eifrig das zweite Flugzeug, den beeindruckenden Feuerball, den Einsturz der Gebäude und das bloße Entsetzen der Menschen, auf dass sich die Bilder des Schrecklichen mit aller Wucht in das Gedächtnis einprägen und den Zuschauer ob der Einmaligkeit eines solchen Ereignisses vor der Glotze fesseln. Der andere Terror wurde nicht, wird nicht und wird niemals gezeigt, und die hilflosen Gebete, die Flüche und das Weinen seiner Opfer entweichen aus den geschundenen, angstgebrochenen Seelen in ein kaltes, interesseloses Nichts. Niemand, und schon gar kein Poltiker, fordert, diesem Terror etwas entgegenzusetzen, nein, die fortwährende Ausbreitung dieses Terrors wird jeden Tag lautstark gefordert und seine Anführer werden mit Ehrungen überhäuft. Es handelt sich um den Terror des gegenwärtigen Wirtschaftssystemes, das unter anderem zur Folge hat, dass trotz einer Überproduktion von Nahrungsmitteln jeden Tag eine geschätzte sechstellige Anzahl von Namenlosen an der Bedingung permanenten Hungers verreckt — wobei gewiss oft die Überlebenden die Toten beneiden werden. Dieser mörderische Terror findet zurzeit seine nächste Ausbreitung darin, dass fortan unter dem ökonomischen und ökologischen Propagandabegriff des „Biodiesels“ landwirtschaftliche Produkte verbrannt werden sollen, um in den Terrorstaaten die knapp achtzig Kilo Körpermasse der stummen und allzu bewusstlosen Gehilfen dieses Terrors zusammen mit einigen hundert Kilo Stahl und Blech durch die Straßen zu bewegen, auf das sich das Geschäft auch lohne. Die Tatsache, dass ein Motor dann acht Brote auf 100 Kilometer verbraucht, wird wohl kaum als Merkmal in der Werbung auftauchen.

Krieg und Blutrache — Die Wortführer des alltäglichen wirtschaftlichen Terrors haben die Anschläge vom 11. September 2001 niemals als ein Verbrechen betrachtet, das mit angemessenen polizeilichen und juristischen Maßnahmen zu behandeln sei. Sondern. Sie haben sofort die sich bietende Gelegenheit ergriffen, daraus unter aufdringlichen Schlagens auf die Propagandatrommel einen Kriegsgrund zu konstruieren. Den. Sie auch planvoll in allerlei wirtschaftlich nützlichen Weltenbrand umsetzten. Die politische Praxis, die Barbarei jener Mordanschläge durch die Barbarei des Krieges zu beantworten, ist ein Rückfall in die Bedingungen der Blutrache unter dem blutigen biblischen Banner „Auge um Auge, Zahn um Zahn“ (2.Ms 21,24) und sie führt zu einer weltweiten Ausbreitung der Barbarei. Und. Die Bereitschaft, mit der diese politische Gelegenheit so unmittelbar ergriffen wurde, zeigt die Barbarei unter denen, die in den Terrorstaaten der so genannten „ersten Welt“ die Herrschaft inne haben.

Trommeldenken — Wenn in Kriegszeiten überall zur Schlacht geblasen wird, geben die meisten Menschen ihren Verstand an die Pauken ab.

Verschwörung — Es ist eine interessante und viel zu wenig bekannte Tatsache, dass Usama ibn Ladin in den USA zwar wegen vieler schwerer Verbrechen gesucht wird, aber nicht wegen der Anschläge auf das World Trade Center. Die Ermittler haben keinerlei Grundlage, ihn wegen dieser Anschläge beschuldigen zu können. Die offiziell von der US-Regierung verbreitete Version der Anschläge vom 11. September 2001 ist nichts weiter als eine mit großem Einsatz, hohem medialen Aufwand und politischem Nachdruck verbreitete, aber kaum belegte Verschwörungstheorie. In diesem Zusammenhang ist es schon ein interessantes Spiegelbild der seitdem ausgebreiteten Irrationalität, dass die gläubigen Anhänger der offiziellen Theorie nicht müde werden, jeden Kritiker dieser Version als „Verschörungstheoretiker“ zu bezeichnen, während auf der anderen Seite auf der Grundlage einer völlig unbelegten Annahme jeden Tag Menschen im Krieg getötet werden.

Zynismus — Der besondere menschenverachtende Zynismus der Anschläge vom 11. September 2001 hat unter anderem auch offen gelegt, welcher gewöhnliche, ebenfalls das Leben der Menschen verachtende Zynismus sonst im Medienbetrieb herrscht. Der Content der aufwühlenden Live-Übertragungen aus New York wurde praktisch nicht durch Werbung unterbrochen. Da. In diesem Zusammenhang auch noch der Stumpfeste den alltäglichen Zynismus dieser manipulativen Kommunikation hätte erkennen müssen. Für die Content-Industrie war es gewiss ein verlustreicher Tag, aber sie sicherte sich durch diese Verluste ihre zukünftigen Gewinne in ihrem einzigen Geschäft, das nur auf der Grundlage eines gedämpften Bewusstseins möglich ist.

Internet — Eine sehr interessante Randerscheinung ist der unverstummte Widerhall dieser Ereignisse im Internet. Während die etablierten Medien der Content-Industrie beflissen und oft kaum überprüft abschreiben, was ihnen von den Agenturen und den amtlichen Pressestellen so bequem geliefert wird, hat sich im Internet eine ganze, kaum organisierbare Bewegung entwickelt, die alles Unstimmige und Fragliche der offiziellen Darstellung zusammengetragen, überprüft, reflektiert und offen gelegt hat — dass sich in solchen Mühen auch manches Wirre findet, entwertet nicht den grundsätzlichen Wert in solchem Streben. Für jene, die den Massenmord vom 11. September 2001 für ihre wirtschaftlichen und politischen Ziele nutzen, sind etliche Ergebnisse dieser Aufarbeitung eher unbequem. Es entsteht beinahe der Eindruck, dass sich die herrschenden Kasten und ihre im Hintergrund tätigen Zuarbeiter der besonderen Dynamik des Internet gar nicht bewusst waren, ist dieses freie Medium doch noch ein recht neues. Denn. Sonst hätten sie einige Argumentationen etwas „dichter“ gemacht, als dies unter den Bedingungen zentral organisierter und damit prinzipiell leichter kontrollierbarer Massenmedien nötig gewesen wäre. Doch für einen Jubelschrei zum Sieg des „Bürgerjournalismus“ ist es viel zu früh. Denn erstens. Hat die Aufarbeitung im Internet nur einen sehr kleinen Wirkungsradius und erreicht die meisten Menschen nicht. Zweitens. Orientiert sich diese Aufarbeitung an einem medial sehr präsenten Thema und damit an die Vorgaben der etablierten Medien, während die alltägliche Kälte und Barbarisierung der Menschen unter den Bedingungen des gegenwärtig über die Gesellschaften ablaufenden Prozesses weiterhin eher ein marginales Thema ist. Und schließlich. Werden die Profiteure der wieder salonfähig gemachten Barbarei des Terrors bei zukünftigen Taten das Internet besser berücksichtigen, so dass solche Stimmen in Zukunft entweder untergehen oder zensiert werden werden. Die Propaganda für eine zukünftige Unterdrückung der freien Mitteilung im Internet wird bereits betrieben; momentan wird das Wort „Internet“ von Vertretern der herrschenden Kaste immer in konditionierender Absicht in einem Atemzug mit „Terror“ und anderen schweren Formen der Kriminalität in den Mund genommen, um eine entsprechende gedankliche Verknüpfung bei möglichst vielen Menschen herzustellen. Dabei bedient man sich immer noch gern der affektiven Kraft der Bilder vom 11. September 2001 und hält den nützlichen ewigen September aufrecht. So vorbereitet und durchgeführt, während „das Internet“ für die meisten Menschen einfach nur ein anderer Fernsehempfänger und ein Kaufhauskatalog ist, wird es kaum einen Widerstand gegen weit gehende Einschränkungen in der Gewaltform entsprechender Gesetze geben. Dass man relativ zügig vorgehen muss, ist bei denen, die so vorgehen, wohl bekannt.

Irak — Auch ein Staat, der nachweislich nichts mit den Anschlägen vom 11. September 2001 zu tun hatte, kann im Dunstkreis dieser Ereignisse kriegerisch angegriffen werden. Dass die vorgeblichen Kriegsgründe reine Fantasie waren, dass nicht eine Spur von den gefährlichen Waffen im Lande gefunden werden konnte, es spielt nach dem Einmarsch keine Rolle mehr. An dieser Barbarei sind auch Soldaten der BRD beteiligt, und eine Kritik in den etablierten Massenmedien findet entweder nicht statt oder hat eine reine Feigenblattfunktion, um den Betrieb der Contentindustrie nicht gänzlich nackt dastehen zu lassen. Menschen in Deutschland, die durch einen ganzen Ozean von New York getrennt sind, werden durch die affektive Kraft eines gar nicht richtig aufgeklärten Verbrechens und unter dem Banner einer reinen Verschwörungstheorie in einen völkerrechtswidrigen Krieg hineingezogen, der mit ihrem Leben und ihrer Heimat gar nichts zu tun hat. Sondern. Nur einem abstrakten politischen und wirtschaftlichen Ziel dient, das gegenwärtig mit der Angstpeitsche gegen die Menschen durchgesetzt wird. Dieser Krieg wird unter der Federführung eines Staates betrieben, der Konzentrationslager für seine Gefangenen baut, Wahlen fälscht, beinahe ausschließlich Menschen schwarzer Hautfarbe der Todesstrafe zuführt und viele weitere Zeichen eines totalitären und faschistoiden Herrschaftssystemes hat. Wenn im bestehenden, ewigen September nicht immer noch alle Sinne von dem Rauch benebelt wären, der aus den brennenden Türmen und etwas mittelbarer aus den Fernsehern stieg, denn wäre diese Politik wahrscheinlich nicht gegen einen so geringen Widerstand durchsetzbar.

Phobokratie — Wo man die Angst herrschen lässt, da lassen sich die Verängstigten gern beherrschen, wenn sie dabei nur ein bisschen von ihrer schrecklichen Angst besser verdrängen können. Wer unter den Bedingungen der Angstherrschaft ein Fühlender und Denkender sein will, der hört damit auf, seine eigene Angst verdrängen zu wollen und beginnt damit, genau zu untersuchen. Über welche Kanäle ihm von welchen Menschen und Institutionen Angst vermittelt werden soll und zieht in Selbstverantwortung seine Schlüsse daraus, so wenig sie ihm auch gefallen mögen. Denn dies. Verwandelt die diffuse Angst in eine konkrete Furcht und Vorsicht. Und. Ist das einzige Mittel gegen diese Form der Manipulation. Es gibt keine Alternative zum Bewusstsein.