Nein, ich meine nicht den Weltuntergang. Darüber würde ich etwas reißerischer bloggen. Und. Nein, ich meine auch nicht WordPress 2.5, obwohl die Welt darauf wohl auch gewartet hat. Aber vielleicht noch viel wichtiger als eine Software zum Bloggen sind die Inhalte, die der Blogger schließlich bloggt. Und das kann einem Blogger ja schon mal schwer fallen, ein paar Inhalte zum Bloggen zu finden.

Doch. Damit ist jetzt Schluss! Die endgültige Endlösung der Inhaltsfrage ist gekommen, und zwar ganz so, wie man sich das bei einem technischen Medium immer gewünscht hätte, ist sie auf technischem Wege gekommen. Es gibt endlich eine technische Möglichkeit, Vorschläge für mögliche Inhalte beim Schreiben eines Blogbeitrages einblenden zu lassen. (Die folgende, etwas freie Übelsetzung des verlinkten Textes ist von mir.)

Heute morgen gab es einen interessanten Artikel bei TechCrunch über die Alpha-Version eines Produktes namens Zemanta. Zemanta ist eine mit WordPress und Firefox zusammenarbeitende, kontextuelle mechanische Vorrichtung, die dem Blogger Inhalte vorschlägt. Innerhalb des Blogs braucht nichts installiert zu werden, es handelt sich um eine Erweiterung für Firefox. Diese Erweiterung erzeugt einen kleinen AJAX-Bereich an der Seite ihres Beitragseditors in WordPress; und diese Box enthält Vorschläge, worüber sie schreiben können. Diese Information wird von verschiedenen Orten mit Publikationen der Medien und von anderen Blogs abgeholt. […]

(Auch, wenn es so klingt: Es ist noch nicht der 1. April und dieser Text ist echt. Er erschien vor ein paar Tagen als Verweis im WP-Dashboard, damit die Blogger ihn auch bemerken. Er ist auch zutreffend ins Deutsche übertragen worden. Die Welt ist wirklich so weit. Und so. Reif. Zum Pflücken reif.)

Das ist genau die richtige Software für jene armen Seelen, die auch bloggen wollen, obwohl sie eigentlich gar nichts zu bloggen haben. Warum so jemand bloggen soll? Na ja, weil man es eben tut. Oder weiß nicht. Und. Vor. Allem. Wegen der eingeblendeten Werbung, zu der allein noch kein Klicktrottel kommen will — da muss man schon ein bisschen Inhaltssimulation machen. Der automatische Blick in verschiedene, etablierte Medien gibt denn auch gleich das, was der Klicktrottel sehen will. Auch Hinweise auf attraktive Bildchen zum Verfeinern der eigenen Nichtsigkeit mit einem bisschen massenmedial-bildlich dargestellter Politik und einem bisschen Tittitainment vom Boulevard de la turd fehlen nicht im Angebot dieser wegweisenden technischen Lösung. Das ist die Zukunft des Bloggens! Eine riesige Echokammer, in der widerhallt, was die Contentindustrie so täglich ausspeit. Das ist die Zukunft des Bloggens, die keiner Presse mehr gefährlich wird und die auch politisch völlig unbedenklich ist. Die ideale Ergänzung für Mitmensch Dumpfbacke auf dem Weg zum A-Blogger.

Allerdings hat es sich bereits beim Alpha-Test erwiesen, dass das Zielpublikum dieser Software damit überfordert ist, aus den angebotenen, gefilterten Inhalten die richtigen auszuwählen. In den kommenden Versionen wird daher eine technische Lösung erwartet, die interessante und klickfreudige Blogbeiträge vollautomatisch erstellt, damit sich der Blogger endlich wieder auf das Wesentliche konzentrieren kann: Auf „coole“ technische Spielereien und Fluten eingeblendeter Reklame.

Das ist es, worauf die Welt gewartet hat. Endlich ist die Inhaltskrise in den Millionen von Blogs beendet. Eine genial einfache Idee, die das Bloggen revolutionieren wird. Endlich entsteht auch in den Händen privater Autoren Qualitätsjournalismus mit allen Merkmalen des Clipboards sorgfältiger Recherche. Das ist die nächste Stufe, das ist die viel beschworene Konvergenz, das ist das Mitmach-Web, das Web zwei null. Vor allem null.