Die Wahrnehmung eines Menschen ist nicht so leistungsfähig, wie die meisten Menschen zu glauben scheinen; und sie ist schon gar nicht dazu imstande, ein vollständiges Bild von etwas zu gewinnen. Wenn man etwa im folgenden Bild seine Aufmerksamkeit auf den roten Punkt in der Mitte konzentiert, kann man beobachten, wie der unscharfe, kontrastarme Kreis zu verschwinden scheint, so dass nach einiger Zeit der Eindruck entsteht, der rote Punkt liege in einer einheitlich grauen Fläche. Erst durch eine Bewegung der Augen, durch ein Lockerung der Konzentration auf den roten Punkt tritt der umliegende Kreis wieder in die Sichtbarkeit.

Ein Kreis, der unsichtbar werden kann

Hier handelt es sich natürlich um eine physiologisch bedingte optische Täuschung. Aber diese spiegelt die Struktur der menschlichen Wahrnehmung an sich wider. Stellt man einem Menschen einen kontrastreich dargestellten Ausschnitt der Wirklichkeit vor die Augen und erzwingt man eine gewisse Konzentration auf diesen Ausschnitt, so gelangen die weniger grellen Aspekte der Wirklichkeit nicht mehr in die Wahrnehmung und scheinen sogar zu verschwinden. Jedes Urteil, dass über das Gesamtbild gefällt wird, ist von Auslassungen geprägt, obwohl der Urteilende glaubt, das Gesamtbild deutlich vor Augen zu haben.

Dort. Wo man Medien, Reklame und Propaganda macht, ist diese Einschränkung der Wahrnehmung gut bekannt. Und. Man tut alles, um gewisse Dinge sehr kontrastreich und zentriert ins Bild zu rücken, während andere, zum vollständigen Bild gehörige Dinge, in die Peripherie verdrängt und nur mit geringem Kontrast dargestellt werden. Die Motivation dahinter ist klar, sie soll zu unvollständiger und verzerrter Wahrnehmung führen, die dann ihrerseits eine falsche und für die Manipulatoren nützliche Auffassung von der Beschaffenheit der Wirklichkeit hervorbringt, an der wiederum eine so genannte „Meinung“ gebildet wird. Für den Fühlenden und Denkenden zeigt sich in diesem Bestreben, ist es ihm erst einmal bewusst geworden, was die Absicht derer ist, die so handeln. Und. Welche mit verblassendem Kontrast dargestellten Anteile betrachtet werden müssen, um bei diesem Ansinnen ein Abbild der Wirklichkeit in sich selbst zu schaffen, das dieser Tätigkeit die Kraft nimmt. Dazu gehört vor allem. Ein Akt der Defokussierung, eine Gewohnheit, den Blick in die Peripherie des dargebotenen Bildes zu richten, wenn es geht, sogar das Verlassen des Rahmens der Bilder, die von anderen in zentral organisierten Medien dargeboten werden.

Fröhliche Grüße an Herrn E.S.

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