Archive for Januar, 2008


Schneeglöckchen

So scheußlich einem auch als Mensch das momentane Wetter erscheinen mag, das aus Dauerregen bei gar nicht januar-haften 10 Grad Celsius besteht: Einige Schneeglöckchen finden diesen vorzeitigen Frühling sehr öffnend und blühen unverhohlen vor sich hin, dem Kalender zum Spott. Ein ausgesprochen hübscher Anblick. (Wenn es nur nicht so regnen würde dabei…)

Wie ich doch im Moment entsetzt bin, wenn ich meine ganz normale Bloglektüre mache! Wie sehr sich doch alle Blogger auf diesen frischen Ausspruch unseres Heimatschutzministers W. Schäuble stürzen, dass alle grundrechtlich geschützten Bereiche irgendwo enden würden — ein Jurist wie Schäuble sollte eigentlich den Artikel 19, Absatz 2 des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland kennen. (Siehe diesen Auspruch und seinen Kontext bei der Welt.)

Und wie sie es alle zu übersehen scheinen. Wolfgang Schäuble ist verhältnismäßig harmlos. Er ist einfach nur ein Mensch, der sein posttraumatisches Belastungssyndrom in Politik verwandelt. Überhaupt nicht harmlos ist hingegen das ganze lichtscheue Gesindel im Berliner Reichstag, dass diese Gallionsfigur der totalen und totalitären Volksentrechtung zum Innenminister machte und trotz untragbarer Äußerungen seit Jahren in diesem Amte hält. Weil. Die PR-Agenturen der Parteien genau wissen, wie nützlich es ist, wenn sich die Entrüstung auf eine einzelne Person richtet, während unterdessen von allen der Rückbau der Idee des Rechtsstaates weiter getrieben werden kann. Nicht Wolfgang Schäuble ist das Problem, sondern eine politische Kaste, für deren propagandistische Zwecke ein Wolfgang Schäuble so überaus nützlich ist.

So lange alle Schreibenden nur wiederkäuen, was die Schreibtischtäter der Content-Industrie in professioneller Beflissenheit herauswürgen, so lange werden die Strukturen der totalitären Mitte niemals breitenwirksam enthüllt werden. Dabei. Käme es genau darauf an. Denn sonst wird niemals eine Kraft stark werden, die sich entschieden und wirksam einem entstehenden wirtschafts-faschistischen Paranoiastaat entgegen stellt, der seine „Bürger“ immer mehr als Feinde betrachtet und behandelt.

Zum Glück wird immer noch von manchen Bloggern der größere Zusammenhang gesehen, und dort darf man ein Wort wie „Deshalb reichen eigentlich Kritik und politische Bekämpfung von Einzelmaßnahmen und Einzelgesetzen nicht mehr aus“ lesen. Dieser klare Standpunkt muss zum Standard werden, auf dem in jedem Zusammenhang hingewiesen wird!

Das Bewusstsein

Ein Mensch kennt nichts anderes als sein Bewusstsein. Er ist niemals mit etwas anderem als mit seinem Bewusstsein beschäftigt.

Die weniger bewussten Menschen glauben leicht, dass sie sich mit der Wirklichkeit befassen. Aber in Wirklichkeit befassen sie sich nicht mit der Wirklichkeit, sondern in jedem Moment — jetzt und jetzt und jetzt — mit dem Spiegelbild der Wirklichkeit in ihrem Bewusstsein. Alles andere. Ist. Ihnen unbewusstbar und damit unwissenbar. Dieses Spiegelbild der Wirklichkeit im Bewusstsein ist immer unvollkommen, und es ist umso unvollkommener, je trüber der Spiegel ist; um so verzerrter, je verbogener der Spiegel ist.

Wer nur etwas Einsicht hat, der hat Acht auf sein Bewusstsein. Er ahnt, in wie großem Maße der Spiegel des Bewusstseins davon geformt wird, was sich in diesem Spiegel spiegelt, und er versucht, den vielen Möglichkeiten zur Deformation des Bewusstseins aus dem Weg zu gehen. Er ahnt dabei sogar, dass das in Bezug auf die Einsicht in die Wirklichkeit nichts hilft, dass es nur gegen plumpe Versuche der Manipulation abhelfen kann, die von anderen Trägern eines Bewusstseins ausgehen, von solchen, die wenig erfreuliche Ziele verfolgen. Aber das ist ihm mehr als nichts. Und so versucht er, nur an einem einzigen Maßstab messen zu lassen, ob etwas geeignet ist, in seine Sinne zu gelangen: An dem Maßstab, ob es für ihn selbst von unmittelbarer, persönlicher Bedeutung ist. Und nicht. Daran. Ob jemand anders ihm sagt, dass es von Bedeutung ist. Gleich, wie lärmend diese fremde Stimme auch sein mag.

Wer dumm ist, der verwechselt sein Bewusstsein mit der Wirklichkeit. Und. Hält sich in seiner dummen Eitelkeit für unbeeinflussbar, während er jedem argen Täter die Möglichkeit zur Manipulation der Inhalte des Bewusstseins gewährt. Um dieses manipulierte Bewusstsein wiederum für die Wirklichkeit. Zu halten.

Bei einigen Dummköpfen geht die Dummheit so weit, dass die einfachsten Tatsachen nicht mehr in das Bewusstsein dringen. Die Verwechselung des eigenen Bewusstseins mit der Wirklichkeit geht so weit, dass so ein Dummkopf glaubt, dass es die Wirklichkeit verändere, wenn er ein anderes Bewusstsein bekommt; bevorzugt wird versucht, das Bewusstsein an die eigene Lust anzupassen. Hierzu finden vielerlei Dinge Verwendung, die den Sinn verstopfen oder mit Illusion überfluten. Die alten Drogen sind dafür ebenso geeignet wie die neuen Medien. Diese von der Wirklichkeit völlig emanzipierten Form des Bewusstseins wird zuweilen sogar Ewigkeit zugesprochen, sie wird zu einer heilig gesprochenen Illuision, zur Seele, die der schmerzhaften, enttäuschenden, sterblichen Wirklichkeit gegenüber gestellt und ihr gegenüber bevorzugt wird. Diese Dummheit ist der Kern. Jeder. Religion. Und jeder Ideologie, die nur. Ein materialistisch formulierter Ersatz für Religion ist.

Die einfache, aus der physischen Bedingtheit enthüpfende Tatsache, dass schon ein gewöhnlicher Ziegelstein das Bewusstsein ausschalten kann, wird dabei vergessen. Manchmal. Sogar. Bewusst vergessen.

Dennoch ist das Bewusstsein alles, was ein Mensch hat.

Und deshalb sollte jeder Mensch auf sein Bewusstsein. Acht. Haben. Denn er hat nichts anderes.

Auswärtiges Denken (26)

F!XMBR über die aktuelle Kampagne der hessischen CDU:

Wenn es eine Ausländer-raus-Kampagne braucht, um Unterschiede zwischen Union und SPD herauszustellen, dann muss die Frage gestattet sein, wie weit es mit unserer Gesellschaft schon gediegen ist.

Nur ein ganz kurzer Hinweis: Wer — wie ich — das Problem hat, dass nach dem Update auf WordPress 2.3.1 oder 2.3.2 keine Mails mehr versendet werden, wenn ein Kommentar geschrieben wurde, sollte dieses Plugin installieren und aktivieren (Direkter Download-Link).

Bei Blogs, deren Leser sich zum Kommentieren registrieren müssen, erhalten die neu registrierten Leser auch endlich wieder eine Mail mit ihrem Passwort. Natürlich wird auch der Blogbetreiber wieder mit einer Mail über Registrierungen von Lesern unterrichtet.

Die Ursache des Problemes ist ein Fehler in WordPress, die Absender-Adresse der Mail ist ungültig und wird daher vom Mailserver zurückgewisen. Dieses Problem tritt nur bei bestimmten Hostern auf, die Vorkehrungen gegen einen Missbrauch ihrer Angebote durch die Spam-Mafia treffen. Das Plugin korrigiert den Fehler, der seit der WordPress-Version 2.3.1 auftritt. Nach Installation dieses Plugins wird als Absender wieder die administrative Mailadresse aus den allgemeinen Einstellungen im Admin-Bereich verwendet, diese sollte in der Regel funktionieren.

Wer seinen Lesern die Anmeldung ermöglicht (oder die Anmeldung zum Kommentieren erzwingt) und Spam vermeiden will, sollte an dieser Stelle eine spezielle Mailadresse verwenden, da jeder neu registrierte Leser diesen Absender sieht. Eine Anmeldung ist sehr leicht automatisierbar, und Spammer werden sich irgendwann auf diese Möglichkeit stürzen. Ein spezielles Mail-Konto für diesen Zweck bei Google Mail oder einem anderen Anbieter ist schnell eingerichtet und kann einem viel Ärger mit dieser Pest des Internet ersparen.

Sisyphos 2010

Niemand kann den ganzen so mühelos produzierten Unsinn, der einem jeden Menschen jeden Tag ins Auge und ins Ohr drängelt, richtigstellen. Denn. Dazu gehört die Anwendung einer nur beschränkt verfügbaren Kraft, die mühsame Arbeit des Denkens.

Scheuklappen

Den Pferden gab man Scheuklappen, damit sie nicht um sich blickten und auch dort noch als Nutztiere „funktionierten“, wo die Umgebung mancherlei Anlass für eine panische Reaktion, einen Fluchtversuch des Pferdes gewesen wäre. In der heutigen Zeit geht man ganz ähnlich vor, denn man gibt den Menschen Scheuklappen, und dies ebenfalls, damit sie ja nicht die Umstände ihres Daseins wahrnehmen und in Panik vor diesen wenig menschlichen Umständen fliehen. Gut geeignete Scheuklappen für Menschen sind stetige Hast, rastloses Tun und Konsumieren. Und. Die nimmerendende Flut von fernen, fremden, beziehungsfreien Bildern und Worten aus den lichtschnellen Medien der Jetztzeit.

Der Hobel und die Späne

Wer ermessen will, was die großen Ziele, Hoffnungen und Ideale der ganzen Religionen, Ideologien und gesellschaftlichen Entwürfe wirklich bedeuten, der sollte sich in offener, ehrlicher Haltung die Opfer anschauen, die sie von Mensch und Natur verlangen.

WP 2.3.2: WYSIWYG-Editor-Problem

Ich habe ja schon des Öfteren einmal angemerkt, dass ich die momentane Entwicklung von WordPress für eher schädlich halte. Obwohl es sich bei WordPress immer noch um ein gutes Blog-System handelt, setzen die Entwickler in der letzten Zeit völlig falsche Schwerpunkte, treffen oft fragwürdige Entscheidungen und achten dabei nicht mehr darauf, dass den Menschen eine kleine, leicht benutzbare und fehlerfreie Software ausgeliefert wird.

Auf einem anderen Server administriere ich für eine kleine Gruppe, die gemeinschaftlich arbeiten will, ebenfalls ein WordPress-Blog. Meine Aufgaben in dieser Gruppe sind rein technischer Natur. Dort nahm ich vor wenigen Tagen den Update von WP 2.3.1 auf WP 2.3.2 vor, der wegen eines Security-Problemes erforderlich wurde. (Ich bin wirklich nicht immer der schnellste beim Updaten, sondern warte im Allgemeinen ab. Es ist keine gute Idee, ein laufendes System anzufassen, wenn man es nicht wirklich tun muss.) Nach diesem Update gab es ein bemerkenswertes Problem. Der WYSIWYG-Editor für die Beiträge funktionierte plötzlich nicht mehr; an seiner Stelle wurde eine nackte textarea ohne weitere Bedienelemente dargestellt. Eine Blick in die aufgetretenen JavaScript-Fehler zeigte, dass nicht existierende Eigenschaften eines Objektes referenziert wurden.

Zunächst bemerkte ich diesen Fehler aber gar nicht. Auf dem besagten Server erfülle ich eben vor allem technische Aufgaben. Deshalb verzichte ich für meine wenigen Postings auf den aufgeblähten (und deshalb etwas langsamen) Editor, ich schreibe meine wenigen eigenen Beiträge in einem einfachen Textfeld (in WordPress-Sprech: Codeansicht) und formatiere direkt in HTML. Da die Umstellung auf dem Server, der für „Lumiéres dans la nuit“ Verwendung findet, völlig problemlos war, habe ich auch dort keine Probleme erwartet. Dennoch stellte ich nach Lesen einiger Mails anderer Autoren fest, dass dort der WYSIWYG-Editor nicht mehr funktionierte, was für die anderen Autoren nicht zumutbar war. (Sie sind technisch eher unbedarft, und meiner Meinung nach ist Software dazu da, Menschen das Leben zu erleichtern.)

Die Suche nach dieser Problematik im Internet ergab keine Lösung, es scheint sich um ein sehr seltenes Problem zu handeln. Der Vergleich der Server-Konfigurationen zeigte keinen auffälligen Unterschied. Und. Es handelte sich auch nicht um ein „einfaches“ Problem, das auf falsch gesetzte Berechtigungen zurückzuführen wäre. (Manchmal baue auch ich richtigen Mist.) Auch eine Anfrage im englischen Support-Forum von WordPress brachte bis dato keine Lösung oder auch nur eine Idee, was die Ursache für dieses Problem sein könnte. Es ist eben der übliche Mist, mit dem man sich so herumschlägt. Der Fehler trat sowohl mit dem Browser Epiphany (das ist ein Firefox mit einer GNOME-GUI) als auch mit Opera (das ist der von den Autoren meist verwendete Browser) auf, ich vermute allerdings stark, dass es auf dem Internet Explorer fehlerfrei funktioniert und dass es niemand für nötig befunden hat, einmal andere verbreitete Browser zu testen.

Wenn jemand ein ähnliches Problem hat, ich habe hier einen Workaround anzubieten. Für viele mag es sogar eine ganz gute Lösung sein. Wenn man statt des normalen Editors das Plugin TinyMCE Advanced verwendet, hat das Blog wieder einen funktionierenden (und leider stark erweiterten) Editor, der so zu benutzen ist, wie sich das ein „normaler“ Anwender wünscht. Mit dieser Lösung werde ich so lange weiterfahren, bis das Problem einmal behoben ist.

Ein Problem bleibt jedoch auch mit dem erweiterten Editor noch bestehen: Wenn man im Epiphany das Plugin AdBlocker verwendet, um keine Werbung zu sehen, wird das fette JavaScript des erweiterten Editors nicht vollständig geladen und der Editor funktioniert nicht mehr. Es kann sein, dass ein vergleichbares Plugin für den Firefox ähnliche Probleme verursacht; ich habe das einfach deshalb nicht getestet, weil ich mir nicht extra einen Firefox dafür installieren wollte.

Vielleicht ist mit diesem Tipp ja auch jemandem anders in seiner Verzweiflung geholfen. 😉

Fassaden

Auch die kalten Fassaden noch der unpersönlichsten Ausflüsse moderner Architektur geben einen deutlichen Aufschluss darüber, welche Menschen in jener Gegend wohnen, in der man sich gerade befindet. Und. Damit auch über den Zustand des Miteinanders und so auch über die Aussichten, es dort eventuell als Fühlender und Denkender aushalten zu können. So uniformiert die allzu klinischen Gebäude im Stil der Zeit auch sein mögen, so nagt auch dort das gelebte Leben an ihnen und zeigt mit deutlichen Spuren, wie die innere Tristesse hinter der äußeren Tristesse aussehen mag. Stolpert das wandelnde Auge über so einen Anblick wie diesen…

Balkone mit massenhaft angebrachten Sattelitenschüsseln

…so ist angesichts der massenhaft erblühenden Sattelitenschüsseln, die beinahe jeder Wohnung entsprossen sind, sofort klar, dass im Inneren dieses Hauses in der Mehrzahl Menschen wohnen, die viel Aufwand dafür treiben, dass die Produkte der Content-Industrie immerfort in hoher technischer Qualität verfügbar sind, so bescheiden auch die inhaltliche Qualität dieser Machwerke sein mag. Und. Man weiß, dass es den Menschen hinter solcher Fassade recht wichtig sein muss, immerfort die mechanische Reproduktion des content-industriell erstellten Gequassels noch in ihrem persönlichsten Bereich hineinlabern zu lassen. Was man in solcher Umgebung nicht mehr erwartet, ist die Bereitschaft zum wirklichen menschlichen Austausch und damit zu einer Grundlage des menschlichen Miteinanders; auf einen dementsprechend rohen Umgang der Menschen untereinander und auch auf eine große Gleichgültigkeit gegenüber dem gesamten Umfelde ist man vorbereitet.

Nach solchem Einblick verwundert auch die wilde Müllkippe nicht mehr, die sich nur zweihundert Schritte weiter findet und die durch die winterlich entlaubten Büsche entblößt wurde. Ebenso wenig. Wundert man sich darüber, was dort in die wehrlose Landschaft gekippt wurde. Es ist eine handvoll ausgedienter Fernseher und ähnlicher Müll, der auf dem Wege dieses „technologischen Fortschrittes“ nun einmal liegen bleibt, ja, liegen bleiben muss, damit auch immer wieder Neues gekauft werde. Und. Man ist sich darüber gewiss, dass in den Wohnungen derer, die so handeln, nun die aktuellsten Flachbildschirme stehen und jeden Tag ihren quasselnden und flackernden Dienst tun, wenn sie gestochen scharf den Schwachsinn ins Leben tragen.

Ein Dank für dieses Foto geht an Frank.

Wann sterben sie endlich…

Wenn man eine Zeitung in die Hand bekommt und müßig die Seiten mit den Todesanzeigen liest, denn liest man nur von guten, wertvollen, warmen, ehrlichen und lieben Menschen, die völlig unerwartet gestorben sein sollen. Und. Man fragt sich unwillkürlich, wann endlich die ganzen Halunken zu sterben beginnen.

Am Boden und abwärts

Eine Leuchtreklame der Deutschen Bank, die zu Zwecken der Reinigung abgenommen und auf den Boden gelegt wurde, die dabei zusätzlich um 90 Grad gedreht wurde, so dass der wichtige „Erfolgswinkel“ gar nicht mehr steil nach oben zeigen mag, sondern die Abwärtsrichtung eingeschlagen hat…

Das Logo der Deutschen Bank zur Reinigung abgenommen und um 90 Grad gedreht am Boden: Köstlich!

…kann auch im übertragenen Sinn als eine Form der „Reinigung“ empfunden werden. Manchmal liegt die Wahrheit hinter aller Werbung. Vor einem. Auf. Der. Straße.

Vielen Dank für das wunderschöne Foto an Frank.