Sie fragte mich zum zweiten Mal nach der Uhrzeit, und ich machte zum zweiten Male die gleiche Geste, indem ich lächelnd auf die leere Stelle an meinem linken Handgelenk zeigte. Sie wurde sauer. Auf mich. Weil sie meinte, dass ich doch wenigstens schätzen können sollte, wie spät es sei. Und. Sie ließ weder durch meine Anmerkung besänftigen, dass die gesellschaftliche Konvention der Zeitmessung für mein Leben keine besondere Bedeutung habe, noch durch die Randbemerkung, dass sie doch selbst auch die Uhrzeit abschätzen könnte.

Ich war bei ihr. Zu. Hause.

Die Uhrzeit stellten wir fest, indem wir ein Radio einschalteten. Leider blieb es an, nachdem die Uhrzeit durchgegeben wurde. Mir fiel jedoch auf, dass in der Küche zwei Uhren waren, die zwar im Betrieb waren und durch ihr lautes Ticken darauf hinwiesen, die aber erstens zwei verschiedene und zweitens zwei falsche Zeiten anzeigten. Das trieb mich zu der kleinen Eigenmächtigkeit, die beiden Uhren einfach zu stellen, und zum Glück fand sie das Radioprogramm eine gute Stunde später unerträglich genug, dass sie diese Lärmbelästigung abstellte.

Und. Dann. Geschah etwas. Seltsames.

Die beiden Uhren taten genau das gleiche, was sie vorher auch taten. Sie verwandelten die chemisch erzeugte elektrische Spannung in einen mechanischen Ablauf, der unter gleichmäßigem Ticken das Fortschreiten der Zeit auf einem Ziffernblatt sichtbar machte, aber nun zeigten sie dabei auch noch die richtige Zeit an. Und sie fand die Lautstärke dieses Tickens, die sich objektiv nicht verändert hatte, auf einmal unerträglich und sehr störend, wollte sogar die Batterien aus den Uhren rausnehmen, damit dieses Geräusch aufhört. Durch ein Bewusstsein der Tatsache, dass diese Geräte nun die „richtige“ Zeit anzeigen, gewann das physikalisch unveränderte Ticken eine neue sinnliche Qualität, es wurde psychologisch und damit wirklich lauter. Was da als Krach plötzlich in die wahr-genommenen Sinne drang, was das Lärmen der mechanisch gemessenen Zeit, die seit der Industrialisierung als etwas gilt, dem sich alles Seiende unterzuordnen hat. Gleich. Wie groß der dadurch verursachte Schaden im Leben ist. Was sie dort subjektiv als Lärm empfand, war das objektive Stampfen der entmenschten Maschinerie, in der die Menschen der Jetztzeit ihr Dasein fristen müssen.