Archive for November, 2007


Der Eishockey-Zoo

Wenn man einem Eishockey-Fan begegnet, der etwas angeheitert ist und der deshalb ohne Rücksicht auf den jeweiligen Mitmenschen seinem Mitteilungsdrang über seine wesentliche Zeitgestaltung freien Lauf lässt, denn bekommt man als Außenstehender schnell den Eindruck, er spreche von regelmäßigen Zoobesuchen. Seine Erzählungen wimmeln von Skorpionen, Eisbären, Haien, Pinguinen und anderem Getier.

Selten nur spiegelt sich das Tierhafte des Sports und der brüllenden Sportfans so unmittelbar.

Über die Orientierung andernorts

Wenn der Fühlende und Denkende durch eine fremde Stadt geht, wird ihm in der derzeitigen Einheitskultur die Orientierung sehr leicht gemacht. Alles sieht allerorts ähnlich aus, es ist nicht einmal mehr erforderlich, etwas zu lesen, um die zivilisatorischen Hervorbringungen recht zu deuten. Auch ein Stadtplan ist so lange entbehrlich, bis eine bestimmte Anschrift gesucht wird.

Wenn der Fühlende und Denkende beim Weg durch eine fremde Stadt etwa an einem Gebäude vorbei kommt, das die zweckmäßige „Ästhetik“ einer Industrieanlage hat, ohne dass er irgendwelche Hinweise darauf sieht, dass dort materielle Güter produziert werden, so weiß er sofort, dass es sich um eine Schule handelt. Und er weiß. Dass in dieser Fabrik „Menschenmaterial“ produziert wird; gefügiger und würdeloser „Roh-Stoff“, der im täglichen Zerbruch gelernt hat, nicht zu widersprechen und auch noch unausgesprochene Anforderungen zu erraten und zu erfüllen. Und. Der gründlich verlernt hat, dass ein Mensch selbst tätig werden kann. Und. Er weiß, dass somit dort die wichtigste „Substanz“ für jenen kulturellen Zerfall geschaffen wird, der für die Nutznießer der gegenwärtig über die Gesellschaften ablaufenden Prozesses so ein gutes Geschäft ist.

Amok der Killerschulen

Auch wenn es ermüdet, ich muss angesichts solcher Meldungen noch einmal darauf hinweisen:

Fast genau ein Jahr nach der Bluttat von Emsdetten hat die Polizei einen Amoklauf an einer Kölner Schule verhindert. Im Zuge umfangreicher Ermittlungen sei das geplante Attentat an einer Schule im Westen der Stadt vereitelt worden […]

(Angesichts der unerfreulichen Tatsache, dass diese Meldung in etlichen verschiedennamigen Auswürfen der agenturzentral gleichgeschalteten Journaille der Bundesrepublik wörtlich identisch auftaucht, spare ich mir die sinnlos gewordene Quellenangabe.)

Wieder einmal suchte sich ein „Amokläufer“ eine Schule aus. Und. Damit einen Ort, wo Menschen zum ersten Mal soziale Selektion im Rahmen einer Zwangsveranstaltung und die gegen das Individuum gerichtet soziale Gewalt kennenlernen. Und. Zwar als Opfer. Bevor. Sie zum Täter werden.

Wenn einer dieser Mordläufer irgendwelche Spiele gespielt oder irgendeine besondere Musikrichtung gehört hat, betrachte ich das als Zufall. Er hat gewiss auch Döner gegessen und andere Aspekte der gegenwärtigen Massen-„kultur“ mitgemacht. Aber die Tatsache, dass alle diese „Amokläufer“ sich eine Schule aussuchen, um ihrer blinden und hilflosen Wut Ausdruck zu verleihen, die ist überdeutlich. Und sie ist ein deutliches Spiegelbild der schrecklichen psychischen Gewalt, die jungen Menschen jeden Tag unter den Bedingungen der Zwangsbeschulung widerfährt und die nicht das geringste mediale, geschaftliche oder p’litische Interesse findet.

So viel auch entgegen aller Äußerungen von „Amokläufern“ von „Killerspielen“ gefaselt wird, es handelt sich nur um die Auswirkungen der „Killerschulen“ in der BRD und um sonst gar nichts. Da hilft auch alles Tabuisieren nichts.

Die ersten Christen außerhalb der jüdischen Gemeinschaften waren vor allem Rechtlose und Arme; sie waren die Sklaven und besitzlosen Arbeiter Roms, die mit ihrer täglichen Arbeit der besitzenden Schicht ein Leben in Dekadenz und Luxus ermöglichten. Wenn diese Menschen bei ihren heimlichen Zusammenkünften in sinnloser Hoffnung die Bitte des Vaterunsers „Deine Herrschaft komme“ murmelten, hatten sie dabei gewiss eine Vorstellung von einer Veränderung der gesellschaftlichen Zustände, unter deren ihr Leben erstickte.

Das unterscheidet sie von den Pfaffen der späteren christlichen Religion, die zwar gern die schriftliche Überlieferung aus den ersten Tagen benutzen und singselnd vor die Menschen bringen, aber ansonsten nicht an einer Veränderung derjenigen gesellschaftlichen Zustände interessiert sind, denen sie Privilegien und soziale Sicherheit verdanken. Jedesmal, wenn so ein Pfaffe mit feierlicher Geste und weihevollem Mund „Dein Reich komme“ spricht, meint er damit in Wirklichkeit, dass der beklagenswerte gegenwärtige Zustand der menschlichen Gesellschaften für alle Zeiten erhalten bleiben soll — oder doch wenigstens so lange, bis er sein Leben abgeschlossen hat. Was der Pfaffe beim gut bezahlten Zelebrieren seiner gleichermaßen kindischen wie zwangsneurotischen Zauberei ein „Gebet“ nennt, ist in Wirklichkeit ein respektloser Spott auf die Sanften und Zerschlagenen, die diese Worte einst angstvoll sprachen. Der. Gleiche. Zynische Spott. Ist. Die christliche Vertröstung der Menschen in ein Jenseits und die damit verbundene Heiligung der Enteignung ihres diesseitigen Lebens — den Räubern und Ausbeutern zur Freude, den Pfaffen zur Schande.

Fröhliche Grüße an M.K.

Wert

Zu wenig Menschen, die tätig sind, versuchen dabei, etwas von Wert zu schaffen. Ihre Gedanken kreisen mehr um Wertschöpfung.

Müntefering

Zeitgenosse: Warum hast du eigentlich gar nichts über den Rücktritt von Müntefering geschrieben?

Nachtwächter: Weil es ein unwichtiges Thema ist, Bruder.

Zeitgenosse: Aber er war immerhin der „Vizekanzler“…

Nachtwächter: …und er wird durch einen anderen „Vizekanzler“ ausgetauscht werden. Jeder dieser Politdarsteller ist austauschbar. Das steht im interessanten Gegensatz dazu, wie wichtig sich diese Menschen oft selbst nehmen. Der politische Personenkult geht an den Verhältnissen vorbei, er lenkt davon ab, auf welche Weise hier wirklich und wirksam Macht durch die Interessenverbände der Wirtschaft ausgeübt wird. Ich überlasse die Boulevardisierung des Politischen gern der Journaille, die übrigens in den gleichen gierigen Händen ist. Der dumme Starkult, der um irgendwelche Politdarsteller getrieben wird, ist nur ein Spiegelbild des ebenso dummen Starkultes, der um andere, ebenfalls austauschbare Produkte der Content-Industrie getrieben wird, die sich übrigens auch allesamt für wichtiger nehmen, als sie sind.

Zeitgenosse: Aber der Rücktritt Münteferings könnte eine „Wende“ in der SPD einläuten, er könnte dazu führen, dass sich die Partei auf eine andere, wieder dem „sozialen“ Gedanken verpflichtete Politik besinnt.

Nachtwächter: Wieso? Wurde Müntefering etwa auf Druck der Parteibasis zum Rücktritt gedrängt? Das habe ich gar nicht mitbekommen. So lange die Parteibasis der SPD noch die mörderischte Politik hinnimmt, ohne dass es eine Konsequenz für die Darsteller dieser Politik hat, so lange wird der Austausch der Darsteller nichts bedeuten. Außer vielleicht. Dass man mit den Mitteln der Content-Industrie einen neuen Star aufbauen muss. Sollte sich aber die Parteibasis jemals auf die Anliegen der meisten Menschen in Deutschland besinnen und darüber die Anliegen der Besitzenden vergessen, sollte die Parteibasis jemals neben dem Austausch eines Darstellers auch einen Austausch der Politik veranlassen — allein der Gedanke erscheint surreal — so wird die SPD in kürzester Zeit in die Bedeutungslosigkeit versinken. Unterschätze niemals die Kraft derer, die wirklich die Macht haben! So lange man innerhalb eines Systems bleibt, wird man es nicht schaffen, das System zu überwinden.

In diesem Blog verwende ich ja die aktuelle WordPress-Version 2.3.1, und darin scheinen immer noch ein Menge höchst ärgerlicher Fehler zu sein.

Wenn jemand einen Kommentar zu einem Beitrag schreibt, der veröffentlicht wird oder auf Moderation wartet, denn sollte ich eigentlich eine Benachrichtung zugemailt kriegen. Das hat in allen vorhergehenden Versionen mit der gleichen Konfiguration funktioniert, aber seitdem ich dieses Sicherheits-Update 2.3.1 eingespielt habe, funktioniert es nicht mehr. Da ich ganz gern möglichst schnell darüber Bescheid weiß, wenn Kommentare auf Moderation gesetzt wurden, damit ich sie auch schnell freischalten kann, finde ich das recht ärgerlich. Häufig werden Kommentare auf Moderation gesetzt, wenn sie im Verdacht stehen, Spam zu sein — und so ein strunzdummer Spamfilter macht bei dieser Erkennung auch Fehler. Da ich niemanden zum Entziffern eines Captchas bringen will und normale Leseraktionen überhaupt nicht durch die Spamabwehr beeinflussen möchte, aber auch den Wunsch habe, dass Kommentare möglichst unmittelbar erscheinen, ist diese Funktion für mich schon wichtig. Natürlich hat das mit allen früheren Versionen auch funktioniert — es kann ja auch nicht so schwer sein, eine Mail zu versenden.

Für die WordPress-Entwickler war die Funktion offenbar nicht ganz so wichtig, denn sie wurde offenbar nicht getestet, als die neue Version freigegeben wurde. Ich habe mir mal den Spaß erlaubt, nach diesem Problem zu googlen, aber leider nicht viel gefunden, und eine Lösung war nicht dabei. Offenbar bemerken es viele Blogger gar nicht, wenn sie diese Mails nicht mehr bekommen — oder sie lassen die automatische Benachrichtigung ausgechaltet.

Eine mögliche Ursache für das Problem ist das „Feature“, dass neuerdings eine Absenderadresse „wordpress at Domainname“ angegeben wird und nicht die eingestellte Mailadresse für administrative Zwecke. Schließlich weiß WordPress ja genauer, welche Einstellungen wir machen wollen als wir, die wir diese Einstellungen machen. 😐 Es wäre durchaus möglich, dass der Mailserver sich weigert, Mails von nicht-existenten Absendern zu verarbeiten; angesichts der Spamflut wäre es sogar lobenswert. Dieses Feature führte bei anderen WordPress-Bloggern offenbar zu diesem Problem. Mit diesem Hinweis gewappnet richtete ich einfach testweise die als Absender verwendete Mailadresse auf dem Mailserver ein. Aber leider hat sich das Problem damit nicht gelöst, WordPress kriegt nach wie vor keine Mail versandt, wenn ein Kommentar verfasst wurde.

Angesichts meiner bisherigen Erfahrungen mit WP 2.3.1 kann ich jeden, der einen (zurzeit nicht nötigen) Update von 2.2 auf 2.3 beabsichtigt, nur von diesem Vorhaben abraten. Es ist einfach die vielen Kopfschmerzen nicht wert, die man dabei bekommt. Wahrscheinlich braucht der unreife Code noch ein paar Wochen, um zu „reifen“ und endlich wieder so zu funktionieren, wie man es von früheren Versionen gewohnt ist. Die „neuen“ Funktionalitäten fehlen ja völlig, es gibt nur ein rudimentäres „Tag“-System für die Verschlagwortung, das nicht an vorherige Lösungen durch Plugins heranreicht — und die früheren Plugins laufen mit der neuen Version nicht mehr.

Meine kurze Zusammenfassung: WP 2.3? Finger weg, bis es einigermaßen fehlerfrei ist.

Dies ist kein Defacement

Es handelt sich beim jetzigen Aussehen dieses Blogs nicht um ein Defacement. Ich habe das Erscheinungsbild völlig absichtlich umgestellt.

Entwicklungshilfe (die) — Eine Form des politischen Handelns, die das Geld von den Armen in den reichen Ländern nimmt, um es den Reichen in den armen Ländern zu geben. Die Praxis der Entwicklungshilfe folgt der grundsätzlichen Einsicht, dass mit den Armen kein großes Geschäft zu machen ist.

Lösung

Zu viele Menschen scheinen zu glauben, dass der Alkohol, nur weil er ihnen in einem Rausch, der dem Mut entfernt ähnlich und doch sehr unähnlich ist, so schön die Zungen löst, auch ihre Probleme lösen könnte.

Deutsche Sprachdatei für bbPress 0.8.3

Update: Meine Übersetzung Sprachdatei wurde jetzt an die aktuelle Version 0.8.3.1 angepasst. Die ältere Version bleibt unten verfügbar. In gleicher Weise werde ich mit eventuellen weiteren Updates der Sprachdatei umgehen.

Download-Link: Deutsche Sprachdatei für bbPress 0.8.3.1

„Gibt es überhaupt jemanden, der ein Forum mit bbPress betreibt?“, wird sicherlich von manchem gefragt. „Obwohl das eine wirklich unreife Software ist, und obwohl die Benutzerschnittstelle nicht dem Standard der großen Skripte wie PHPbb entspricht?“

Nun, es gibt durchaus Menschen, die bbPress verwenden, obwohl sich dieses Programm noch in einem sehr frühen Stadium seiner Entwicklung befindet. Ich verwende es zum Beispiel, weil ich über den Mangel an eher unnötigen Features hoch erfreut bin, während ich bemerke, dass viele wünschenswerte Features implementiert sind. Zum Beispiel gibt es in bbPress für alles, was irgendwie angezeigt werden kann, auch einen RSS-Feed — so kann ich bequem meine Favoriten abonnieren, während viele größere Foren nicht einmal einen globalen RSS-Feed zur Verfügung stellen.

Dort, wo es in erster Linie auf Kommunikation ankommt, braucht niemand riesige Galerien von Smilies, Signaturen oder ein gar ein PN-System. Da ist eine übersichtliche Grundfunktionalität wesentlich besser geeignet. Und genau diese wird von bbPress geboten. Darüber hinaus finde ich die Idee nicht schlecht, auch in einem Forum „Tags“ zu benutzen.

So entschloss ich mich vor einigen Monaten, für die Homepage der Whitedarkness ein Forum aufzusetzen, für das ich bbPress verwendete. Dass ich es mit einer noch unausgereiften Software zu tun habe, konnte mich nach einigen Tests nicht schrecken, zu reizvoll fand ich diese relativ kleine Lösung, die übrigens ausgezeichnet mit WordPress zusammenarbeiten kann. Wer darüber nachdenkt, sollte allerdings wissen, dass dieses Forum vor Fehlern nur so wimmelt.

Was mir damals auch bei meiner Entscheidung half, war die Tatsache, dass es eine deutsche Sprachdatei gab. Leider wird diese Sprachdatei seit vielen Monaten nicht mehr gepflegt, entspricht deshalb nicht mehr dem aktuellen Stand der Software, und sie wimmelt ebenfalls von kleineren Fehlern, so dass ich heute beschloss, meine eigene Übersetzung und Sprachdatei zu erstellen. Dabei habe ich einige Entscheidungen treffen müssen, die vielleicht nicht jedem gefallen – aber die PO-Datei gehört zum Download und selbstverständlich darf jeder damit anstellen, was immer er will, so lange er mich nicht verklagt (Piratenlizenz). Die Übersetzung ist vollständig und für die aktuelle Version 0.8.3 erstellt.

Meine Entscheidungen, die zur Grundlage der Übersetzung wurden, möchte ich hier kurz anreißen:

Deutsch mit Du-Anrede: Alle Übersetzungen verwenden die „Du“-Form, weil mir dies für die meisten Anwendungen einer Forensoftware angemessener erscheint als das formelle und tendenziell kalte „Sie“ des höflichen Stils. Auch die offizielle Sprachdatei verwendet übrigens die „Du“-Form.

Deutsche Begriffe: Ich habe auf die Kunstsprache moderner Internet-Anwendungen so weit wie möglich verzichtet. In meiner Sprachdatei gibt es kein „Dashboard“, sondern eine „Übersicht“; es gibt keine „Tags“, sondern „Etiketten“ (weil Schlagwörter mir zu lang und unhandlich erschien); es gibt in der Administration eine „Benutzerverwaltung“, eine „Inhaltsverwaltung“ und eine „Seitenverwaltung“. Ich verbinde damit die leise Hoffnung, mir viele Support-Mails vom Hals zu halten, weil die Begriffe unmittelbar einleuchten. Natürlich ist die „Administration“ weiter eine „Administration“ — obwohl das kein richtig deutscher Begriff ist, hat sich dieses Wort genug eingebürgert, um für die meisten Netznutzer verständlich zu sein. Deshalb ist auch von „Mail“, von der „Mailadresse“ und der „Homepage“ die Rede. Leider ist auch vom „RSS-Feed“ die Rede, für den ich kein angemessenes und unmittelbar verständliches deutsches Wort gefunden habe. Auch konnte ich das geläufige Wort „Profil“, obwohl es falsch ist, nicht vermeiden, ohne unverständlich zu werden.

Vermeidung schäbiger Anglizismen: Es gibt in meiner Übersetzung (außer in der Überschrift des Admin-Moduls) keine Inhalte, die durch vorschnelle Übelsetzung des Wortes „contents“ entstehen. Stattdessen gibt es „Themen“, „Beiträge“, „Bretter“. So weit es um die Behandlung eines „user“ als Schreiber eines Beitrages oder Eröffner eines Themas geht, heißt er durchgehend „Autor“. Bei dem Begriff „Brett“ für einen Themenbereich in den Foren habe ich möglicherweise sprachlich daneben gegriffen, aber mir erscheint das Nebeneinander von „Forumssoftware“, „Foren“ (für die Site) und „Forum“ (für das, was ich „Brett“ nenne) als zu verwirrend für einen Menschen, der den englischen Sprachgebrauch nicht kennt und der noch nicht hinreichend durch das Denglisch des Web 2.0 abgestumpft wurde. Deshalb ist die gesamte Site ein „Forum“, was auch den gewöhnlichen deutschen Sprachgebrauch widerspiegelt; einen Themenbereich in diesem „Forum“ habe ich etwas gezwungen „Brett“ genannt. Wer ein besseres und dabei griffiges Wort (also nicht „Themenbereich“) kennt, kann mir gern einen Vorschlag machen oder die Sprachdatei selbst anpassen. Bei allen Texten habe ich versucht, die Wortstellung an die deutschen Konventionen anzupassen, so weit das technisch möglich war.

Ein ganz besonderes Wort: Das moderne, englische Wort „Tag“ für eine kurze Verschlagwortung kann einen Forennutzer wirklich sehr verwirren, da es geschrieben genau so aussieht wie die deutsche Bezeichnung für einen Abschnitt von 24 Stunden. Auch die undeutsche Pluralbildung „Tags“ hilft hier nicht, Missverständnisse zu vermeiden. Nachdem ich jetzt einige Male eine Datumsangabe aus den Tags gelöscht habe, heißen die Tags bei mir „Etiketten“, was ich überall zur Nachahmung empfehle, wo ähnliche Missverständnisse auftauchen.

Gutes Deutsch: Gewisse sprachliche Unterschiede zwischen der deutschen und der englischen Sprache habe ich vermieden, indem ich manchmal kreativ in die Sprachkiste griff. Ein Superlativ von „neu“ in „Neueste Beiträge“ ist schlicht unsinnig, denn wenn etwas wirkich „neu“ ist, denn ist das vielleicht grammatikalisch steigerungsfähig, aber das Ergebnis ist semantisch unsinnig. Der weiteren, schmerzhaften Sprachverpfuschung durch unreflektierte Übernahme englischer Konventionen trete ich entgegen, indem ich mich auf die Ausdruckskraft der deutschen Sprache besinne, wo immer ich sie noch finden kann. Deshalb gibt es zum Beispiel „Jüngste Diskussionen“, aber keine „Neuesten Diskussionen“. Die zeitlich absteigende Liste der Benutzerregistrierungen und der Tätigkeiten von Moderatoren in der Übersicht heißt auch nicht mehr „Aktuelles und Statistik“, da sie keine „statistischen“ Angaben enthält — statt dessen habe ich mich zum recht griffigen „Neues in Kürze“ entschlossen. Ein Wort wie das englische „required“ habe ich immer durch „erforderlich“ übersetzt, niemals durch „notwendig“, wie ich es schon oft gelesen habe. Das „Notwendige“ dient als Substanz elementarer Wichtigkeit zum Wenden einer Not und ist einen kleinen Tick überzogen.

Keine Insider-Sprache: Recht schwierig war es, typische „Insider-Sprache“ zu erkennen und bei der Übersetzung zu vermeiden. Was ein „Troll“ im Zusammenhang eines Forums ist, wissen vielleicht inzwischen die meisten Menschen, aber ich habe dennoch ein anderes deutliches Wort gesucht. Ob meine Entscheidung „Depp“ eine gute Wahl ist, weiß ich selbst nicht genau — aber es ist ungefähr klar, welche Art von Menschen mit diesem harmlosen Schimpfwort gemeint sind. Es sind jene, die eben „trollen“. Da nur Moderatoren und Administratoren diese Übersetzung sehen, sollte der mögliche Fehlgriff kein besonderes Problem sein.

Gezielte Fehlübersetzungen: Zum Teil enthalten die englischen Texte noch Hinweise auf Features, die in der aktuellen Version nicht richtig funktionieren. Ich habe solche Hinweistexte durch allgemeine und hoffentlich hilfreiche Hinweise ersetzt.

Unvollkommenheiten

Trotz aller Bemühungen sind ein paar Ecken und Kanten in der Übersetzung verblieben. Das liegt zum Teil daran, dass der gegenwärtige Kern des Forensystemes nicht auf die Verwendung mit einer stark flektierenden Sprache vorbereitet ist. Ich kann nur eine Übersetzung für den Plural von „Monat“ definieren, nehme natürlich „Monate“ und sehe denn leider auch Wendungen wie „vor 3 Monate“ an Stelle von „vor 3 Monaten“. Hier hat mir die Technik in die Sprache gepfuscht, und ich kann nichts dagegen tun. Zum Glück wird dieser Darstellungsfehler für normale Benutzer nicht sichtbar.

Auch sind einige englische Texte des Kernsystemes nicht für eine Übersetzung vorgesehen. Sie bleiben als englische Sprachreste in einer sehr weit gehenden Eindeutschung bestehen. Bis auf eine Ausnahme ist die Ansicht für normale Benutzer davon nicht betroffen. Diese Ausnahme sind die Ansichten, die im Standard-Design unterhalb der Brettliste angeboten werden; die englischen Texte sind hier nicht ohne Eingriff in das Kernsystem übersetzbar. (Das ist übrigens ein Bug.) Ich habe mir beholfen, indem ich die praktisch unbenutzte Möglichkeit in meinem leicht angepassten Design nicht mehr anbiete — es ist immer noch leichter, etwas zu löschen als etwas zu schreiben.

Ich habe die meisten Texte „mit der Brechstange“ übersetzt, bin also relativ schnell durchgegangen. Dann habe ich mir die Gesamtwirkung in einer lokalen Installation angeschaut, um einen Eindruck zu bekommen, wie einzelne Entscheidungen im Kontext wirken. Daraufhin habe ich weitere Anpassungen gemacht und letzte Unstimmigkeiten behoben. Der ganze Vorgang hat mich nur wenige Stunden meiner Lebenszeit gekostet. Ich bin mir sicher, dass ich noch ein paar Rechtschreibfehler übersehen habe, von daher mag meine schnelle Veröffentlichung auch zu den Schwächen gehören. Ich hoffe aber, dass die kleine Gemeinschaft der deutschen bbPress-Nutzer mit dieser Schwäche besser leben kann als mit einer veralteten Sprachdatei.

Wer mit meinen Entscheidungen zufrieden ist und mit den Unvollkommenheiten der Übersetzung leben kann, der bediene sich. Einen Eindruck von der sprachlichen Wirkung aus normaler Benutzersicht bekommt man im Forum der Whitedarkness.

Installation

  • Download: Deutsche Sprachdatei für bbPress 0.8.3.1
  • Das ZIP-Archiv entpacken.
  • Im Verzeichnis bb-includes einen Ordner languages anlegen, falls er noch nicht existiert.
  • In diesen Ordner die Datei de.mo kopieren.
  • Falls noch nicht geschehen, die Zeile define ('BB_LANG', 'de'); in die config.php einfügen.
  • Und schon gibt es ein deutsches bbPress mit nahezu vollständiger Übersetzung.

Viel Spaß damit 😉

Ältere Versionen

Macht und Charakter

Aus aktuellem Anlass ein Zitat von Abraham Lincoln:

Willst du den Charakter eines Menschen erkennen, gib ihm Macht.