Was wäre unser aller Leben doch nur ohne die Werber, die sich immer wieder etwas „Neues“ ausdenken, das wir dann alle zu unserem Leben hinzufügen sollen. (Auch für das älteste Produkt denken die sich beständig etwas „Neues“ aus, und wenn es nur „verbessert“ wurde.) Wahrscheinlich wäre unser aller Leben etwas entspannter, weil wir nicht allerorts von Werbung angeplärrt würden und deshalb mehr Zeit fänden, uns auf das zu besinnen, was wir wirklich und gern tun wollen. Aber so ist unser Leben nun einmal nicht, es gibt Werbung und die liefert uns immer wieder die gleichen alten Produkte, die uns mit den neuen Gehirnwäsche-Ideen der Werber angedreht werden.

Tütensuppe ist etwa so ein altes Produkt. An sich ist eine Tütensuppe ein Inbegriff des wertlosen, industriell erstellten junk food; eine völlig denaturierte Nahrung, die man beim besten Willen nicht mehr „Lebensmittel“ nennen mag. Damit Menschen so eine Tütensuppe überhaupt runter kriegen, müssen hoch bezahlte Food-Ingenieure ganze Arbeit leisten, um mit geeigneter chemischer Behandlung der Inhaltsstoffe und mit reichlichem Zusatz diverser Geschmacksstoffe einen sinnlichen Eindruck zu erwecken, welcher der wirklichen „Qualität“ dieses Fraßes widerspricht.

Solche wertfreien Produkte sind das richtige Schlachtfeld für einen Werber in seinem steten Kampf gegen den Verstand. Da können sie sich austoben, die Werber, um den verschiedenen Marken, deren Inhalt gar nicht so verschieden ist, doch wenigstens noch unterschiedliche images zu verpassen. Diese sorgen dann für affektmächtige Eindrücke, die wiederum zum Kauf und anschließend beim Verzehr zur Einbildung eines Genusses führen. Die Werbung für Tütensuppen ist auch meist recht blumig und aufwändig, sie zeigt gern die Ekstase des Genusses, der ohne Mühe zu erlangen ist.

Knorr Iss farbenfroh Suppen, versch. Sorten, jede Packung 1,19Die neueste, kranke Idee der Werber in der Anpreisung einer Tütensuppe heißt jetzt offenbar „Iss farbenfroh“. Wo man im Einerlei der gebieterischen Wirklichkeit mit den geschmacklichen Reizen nicht mehr recht werben kann, da muss doch wenigstens ein bisschen Farbe auf den Teller — gut, dass es auch bewährte Farbstoffe gibt, die ungiftig sind.

Aber der Fühlende und Denkende sieht angesichts dieses Hirnpfluges nur eine Farbe vor Augen, und die ist braun. Und er fragt sich leise, ob das braune Verdauungsendprodukt nicht eine ähnliche Eignung als Nahrungsmittel hätte, wenn man sich mit der geeigneten Technik seiner annähme. Dass die verlogene, einseitige und dumme Kommunikationsform der Werbung Scheiße ist, das weiß er hingegen schon lange. Dafür brauchte er ja nur hinzuschauen.

Quelle des Scans ist eine aktuelle Postwurfsendung von real.