Hannover, Zusammenfluss von Ihme und Leine bei Linden, Strand, November

Da, wo in Hannover die trüben, braunen Fluten der Ihme in die trüben, braunen Fluten der Leine fließen, haben sich des Sommers immer schon Menschen an das trübe, braune Wasser ins Gras gesetzt, um dort zu grillen, zu liegen oder einfach nur ihre Zeit miteinander zu verbringen. In der heutigen Zeit ist so etwas ein Ansporn für gewisse Geschäftemacher, gewisse Geschäfte zu machen, und seien sie auch noch so trübe. Und da sagten diese trüben Macher sich, dass dort, wo sich einst eine gewisse Szene traf, nun ein „Szene-Treff“ hinmüsste — kann ja nicht sein, dass da nicht noch ein wenig Gewinnschöpfung betrieben wird. Die Kreativität dieser trüben Macher war immens, sie sagten sich, dass dort, wo Wasser sei, ja der Gedanke an einen Strand aufkomme, egal, wie trüb und braun und wesig duftend das Wasser auch sein mag. Und wo der Gedanke an einen Strand aufkommt, da denkt Mitmensch Konsumtrottel nicht nur an eimerweis Sangria, sondern auch an Sand. Also flugs etwas Sand auf das unschuldige Gras gekippt, und schon ist der „Stand“ fertig und man kann hier etwas Gewinnschöpfung treiben, wo allerlei Treibgut vorbeitreibt. Und das ganze menschliche „Treibgut“, das da sonst einfach nur herumsaß und das nahm, was es bei schönem Wetter überreich und kostenlos gibt, das kann sich auch andernorts herumtreiben. Eine ganz tolle Idee, und den Rest besorgte die Journaille, die lobend und schönklingend und mit bunten Bildern darüber berichtete, bis sich auch wirklich eine gewisse „Szene“ im so geschaffenen „Szene-Treff“ einfand — und zwar eine andere als vorher.

Am sympathischsten finde ich den Anblick dieser merkantil gewiss lohnenden Verwüstung noch im November. Da wirkt der Container mit der Aufschrift „Strandleben“ so surreal traurig, wie er es eigentlich das ganze Jahr über ist, wie es aber nie wahr genommen wird, da der Wahrnehmungsapparat mit Bier und Lärmmusik und Grillgut beschäftigt wird. Der Sand mit dem rot getünchten Kasten zeigt sich im Mangel ablenkender Eindrücke durch einfaches Hinschauen als synthetisches „Paradies“, als geradezu typische Wüste des Konsumismus. Und — vielleicht geht es nur mir so — der prolle rote Container erinnert in seiner plastikhaften Künstlichkeit aufdringlich an ein Behältnis für Abfall, an eine überdimensionierte Mülltonne. Und. Zeigt damit klar, welche Art von „Gütern“ durch den Prozess, der gegenwärtig über den Gesellschaften abläuft, letztlich erzeugt werden. Auch. Da. Wo sie niemals hingehörten. Auch. Noch. In den letzten Winkel. Alles. Voller. Müll.

Ein Dank für das Foto an Frank. Fröhliche Grüße an Claudia.

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