Archive for Oktober, 2007


Zweierlei Maß

Während Arcor jetzt gerichtlich verpflichtet wurde, als Internet-Provider gewisse pornografische Angebote einfach zu blockieren, damit auch ja dem „Jugendschutz“ Rechnung getragen werde, sind die Videotext-Dienste sämtlicher privatwirtschaftlich betriebenen Fernsehanstalten voll mit offener und sehr aufdringlicher Werbung für allerlei Wichszeug. In der Regel reicht es, die jeweiligen Startseiten für ein paar Sekunden zu betrachten, um auf die Fülle dieses „Informationsangebotes“ hingewiesen zu werden.

Ob Kinder und Jugendliche wohl wesentlich mehr Zeit mit dem Fernsehempfänger als mit dem Computer verbringen werden? Solche Fragen interessieren die weltfremden Richter nicht. Das Internet ist an sich „böse“, allein schon, weil die älteren Richter es niemals richtig kennen gelernt haben und sich in ihrem zu Recht werdenden Eindruck einzig auf die einseitigen und reißerischen Artikel in der Journaille verlassen. Da wird denn auch schnell ein Urteil gefällt, das Zweifel an der Urteilsfähigkeit des Urteilenden nicht zu zerstreuen vermag.

In den zunehmenden Bestrebungen verschiedener Staaten, die Aktivitäten der in diesen Staaten lebenden Menschen immer lückenloser überwachen zu wollen, spiegelt sich die Angst der in diesen Staaten Herrschenden vor der eigenen Bevölkerung wider. Allein darin zeigt sich der Verlust jeder demokratischen Idee, an seine Stelle tritt die irrationale Herrschaft der Angst, die Phobokratie.

Die Gesetze für Mail und Foren

Für „moderne“ Webforen lassen sich die folgenden Gesetze aufstellen:

  1. Die Länge einer Signatur verhält sich reziprok proportional zur inhaltlichen Qualität der Mitteilungen, unter denen diese Signatur erscheint.
  2. Bunte, grafiklastige Signaturen in Webforen gehören zu jenen Menschen, die ihre Beiträge nicht mit der Tastatur, sondern mit der Maus schreiben — indem sie in die Smiley-Galerie klicken.
  3. In Foren mit unbegrenzter Signaturlänge strebt die Mehrzahl der Mitglieder nicht danach, gute Beiträge zu verfassen. Statt dessen wird nach langen Signaturen gestrebt. In der Folge besteht der typische Thread zu mindestens sechzig Prozent seiner „Text“-Länge aus Signaturen.
  4. Wer schlichte Foren aufsetzt und betreibt, in denen es keine Signaturen, PNs, Smiley-Galerien und Avatare gibt, der bleibt mit diesen Foren allein. Die typische Reaktion der User ist, dass sie ein solches Forum als „vollkommen unbrauchbar“ empfinden. Das liegt daran, dass niemand ein Webforum als Grundlage eines wirklichen Meinungsaustausches haben will.

Guten Morgen

Morgenstund hat Gold im Mund. Und. Blei im Arsch.

Sportler mit Herz

Die INSM ist eine Veranstaltung der Arbeitgeber aus der Metall- und Elektroindustrie, die sich zum Ziel gesetzt hat, den Bürgern neoliberale und wirtschaftsfreundliche Reformen als Allheilmittel für die Probleme in Deutschland zu verkaufen. Sie hat es sich als Ziel gesetzt, den deutschen Sozialstaat wie er jetzt ist, komplett zu demontieren. So sprechen sich die INSM-Mitglieder gegen Arbeitslosenhilfe, gesetzliche Krankenversicherung und Kündigungsschutz aus. Universitäten sollen Studiengebühren erheben und untereinander konkurrieren. Überhaupt möchte die INSM den “Wettbewerb? als universellen Grundwert einführen – selbst wenn es um den Zusammenhalt unter Bürgern geht. Deutschland soll ein Arbeitgeberparadies werden. Arbeitnehmer sollen möglichst dumm, rechtlos und arbeitswillig gehalten werden, die Einnahmen der Unternehmen sollen möglichst groß ausfallen. Ein INSM-Mitglied, Peter Oberender, will sogar den Organhandel legalisieren, damit Arbeitslose sich so ihren Lebensunterhalt finanzieren können. Da sie als Arbeitgeberorganisation über sehr viel Geld verfügt ist es der INSM möglich, sehr viele Fürsprecher für ihre Ziele zu kaufen. Sie finanziert mittlerweile eine Journalistenschule in Köln und bezahlte der Serie “Marienhof? viel Geld dafür, damit in den Dialogen für die Ziele der INSM geworben wird. Auch viele Einzelpersonen werden bezahlt. Dazu gehören Wissenschaftler, Politiker und prominente Sportler. Letztere soll der bald verliehene Preis überzeugen, für die Ziele der INSM einzutreten. Selbst der Handball-Nationaltrainer Heiner Brand wird dafür bezahlt, INSM-Propaganda abzulesen. Wir, ein Netzwerk kritisch denkender Blogger, wollen die Nominierten dazu bewegen, den Preis nicht anzunehmen und dadurch ein öffentliches und deutliches Zeichen gegen den radikalen Neoliberalismus, sprich Sozial- und Bildungsabbau, zu setzen! Daher sind eure Unterschriften gefragt!

Hier geht es zur Online-Petition

via 6und8zig

Die Liebe zum Entfernten

Religiöser Zeitgenosse: Wir lieben unseren Profeten über alles andere. Wir lieben ihn mehr als unsere Kinder. Wir lieben ihn mehr als unsere Eltern.

Nachtwächter:  Bruder, ich glaube, das liegt daran, dass der Profet viel weiter von dir entfernt ist als dein Vater und deine Kinder.

Wahre Worte über die Journaille

Das wären doch mal ein paar wahre Worte über die gesamte Content-Industrie, die ich angesichts des allgemeinen und unreflektierten Abschreibens von zentral erstellten Agenturmeldungen, der Neigung zum Ignorieren der Marginalisierten der Globalisierung und die aufdringlichen Bejubelung der Wirtschaft und der hündischen Hofberichterstattung gern einmal aus dem Munde eines Journalisten hören würde: „Leute, die für Presse und Medien schreiben, sind zum Teil antidemokratisch. (…) Ein Großteil [der journalistischen Produkte], den ich lese, ist zynisch, ist verachtend, ist böse, ist gegen jedermann.“ Die meisten besäßen eine Form, „die von der Vorverachtung lebt“.

Aber leider — der gewählte grammatikalische Modus des Konjunktivs deutet es ja schon an — habe ich diese Aussage etwas anders von Hans Leyendecker gehört:

„Leute, die in Blogs schreiben, sind zum Teil antidemokratisch. (…) Ein Großteil [von Blogs], den ich lese, ist zynisch, ist verachtend, ist böse, ist gegen jedermann.“ Die meisten besäßen eine Form, „die von der Vorverachtung lebt“.

Das mag stimmen, es gibt solche Blogs. Doch selbst diese spiegeln darin nur einen sozialkämpferischen Zug wider, der ihnen von den etablierten Medien jeden Tag aufgestempelt wird. Demokratie als Grundlage des Miteinanders setzt etwas voraus, was bei den Profiteuren des Prozesses, der gegenwärtig über die Gesellschaften abläuft, nicht vorhanden ist: Bereitschaft zum Leben im Frieden. Was der Denkende und Fühlende jeden Tag an Zynismus, Verachtung, Bosheit, Feindseligkeit und Kälte aus politischen Beglückungsideen, wirtschaftlichen Standpunkten und an pseudo-objektiver Spiegelung dieser Machenschaften in der Journaille ertragen muss, zeigt ihm, dass die Auswürfe der Content-Industrie zu einem sehr großen Teil antidemokratisch und wirtschaftsfaschistisch sind — und zwar in einem Maß der Gleichschaltung, die beim Überfliegen mehrerer, vorgeblich „unabhängiger“ Meldungsquellen durchaus aufdringlich an die Zustände in autoritären Regimes erinnert.

Dass ein durchaus erträglicher Vertreter der Journalismus hier einen „demokratischen Stil“ einfordert, der auch noch unter antidemokratischen Zuständen aufrecht erhalten werden soll, zeigt vor allem die intellektuelle Erstickung, die wohl in seiner eigenen Bedingtheit als Journalist wurzelt. Und. Damit die Gefährlichkeit des gesamten Apparates auch noch für die Seele mit den besten Absichten.

Innerhalb eines Systemes kann es keinen Systemwechsel geben. Dafür muss das System verlassen werden.

Idealbilder

Die Werbung gefällt sich — genau wie die bildende Kunst vor der Industrialisierung, deren später Nachhall jetzt als Kitsch die Haushalt der Fühllosen schmückt — darin, Idealbilder des menschlichen Körpers zu transportieren. Sie stellt diese jedoch nicht in den Kontext des exquisit Heldischen, Heiligen oder Göttlichen, sondern macht diese Ideale in ihrer einseitigen Kommunikation zu einem für jedermann und jederfrau durch Konsum erlangbarem Zustand. Diese Massenstanze hat eine schlimme gesellschaftliche Auswirkung, da sich zu viele Menschen an diesen „televisionär“ erreichbar gemachten Idealbildern orientieren.

Dass der Handvoll von weiblichen Top-Models Milliarden ganz gewöhnlicher Frauen gegenüber stehen, gerät in  breites Vergessen. Absurd wird der Anspruch von Männern an den weiblichen Körper, absurd aber auch der Anspruch von Frauen an ihrem eigenen Körper. Die immer häufiger zu sehenden, geradezu verhungerten und Bulimie-Frauen, die jeden Liebreiz an das sehr künstliche Ideal des Schlankseins abgetreten haben, sie sind das Spiegelbild des Wahnsinnes der Werbung in der Gesellschaft. Ihre mit großem persönlichen Leiden verbundene Krankheit zeigt deutlich das Pathogene des Prozesses, der gegenwärtig über die Gesellschaften abläuft.

Die Fliege

Wie viele von den Menschen, die keiner Fliege etwas zu Leide tun könnten, geraten durch bloße Unfähigkeit in diese Haltung? Wer die Fliege nicht kriegt, der tut ihr auch nichts.

Blend-a-med

Es kann kaum ein besseres Spiegelbild der verbreiteten Angst vor dem Zahnarzt geben als diese gut eingeführte Marke für Produkte zur Zahnpflege. Die Marke fordert nur notdürftig verborgen dazu auf: „Verblende einen Mediziner!“ — auf dass er auch schön verblendet und damit blind sei, auf dass er ja nichts im Munde finde.

Der Markterfolg gibt diesem Marketing recht.

Der anbringende Zauberer

Heute einmal etwas Heiteres. Wer eine Software in eine andere Sprache übertragen will, der sollte diese Sprache auch so weit beherrschen, dass er zum allgemein verständlichen Ausdruck in der Lage ist. Kleine Fehler stören in der Regel nicht, wenn die Übersetzung verständlich bleibt. Schließlich haben wir Computer-Benutzer uns alle an kleinere Fehler gewöhnt, und das nicht nur in der Sprache.

Leider fertigen zuweilen auch Menschen (auch bei kommerziell orientierten Unternehmen) eine Übersetzung an, denen selbst diese minimale sprachliche Qualifikation abgeht. Sie glauben stattdessen blind und fest an die tolle Technik und lassen deshalb die Texte von einem Computer übersetzen. So ein Computer hat nun einmal keine Einsicht in den situativen Kontext des Sprachgebrauches. Deshalb entsteht eine Übel-Setzung, die beim Lesen irgendetwas zwischen Kopfschütteln und Lachkrampf verursacht, ohne dass dies mit einem Verständnis einher ginge. Es bleibt nur zu hoffen, dass man da nicht die Zukunft der deutschen Sprache vor sich hat.

Die folgenden Screenshots mit stümmeldeutschen Texten stammen aus der Netztelefonie-Software Gootec für Microsoft Windows, sie seien hier als abschreckendes Beispiel für Softwarehäuser, die es sich zu leicht machen wollen, wiedergegeben.

Um die Bilder in voller Größe bewundern zu können, einfach auf die kleinen Vorschaubildchen klicken. Es lohnt sich…

Dieser Zauberer bringt Gootec auf deinen Computer an…

Das nicht recht deutsche, aber durch die Benennungspraxis der Software-Unternehmen gut eingebürgerte Wort „Wizard“ für einen mehrstufigen Dialog wurde hier völlig zutreffend mit „Zauberer“ übersetzt. Tröstlich, dass die deutsche Sprache „German“ heißt, da weiß der Leser gleich, dass es so richtig deutsch nicht werden kann…

Gootec wird in dieses Heft angebracht…

Wer wollte nicht immer schon einmal ein Heft für die Anbringung einer Software auswählen? Vor allem, wenn man danach „grasen“ muss — eine lieblich-dadaistische Übersetzung des englischen Wortes „Browse“ (wörtlich etwa „Stöbern“, übliches deutsches Wort ist „Durchsuchen“). Wer es sich an dieser Stelle schon anders überlegt und das Programm doch lieber in Englisch oder Suaheli bedienen möchte, damit er etwas versteht… es gibt auch keine Schaltfläche für „Zurück“, die heißt hier „Abgelegen“. Das ist eine doch eher etwas abgelegene Übersetzung des englischen Wortes „Back“, aber immerhin ist kein „Rücken“ daraus geworden. 🙂

Als ich diesen Dialog sah, hatte ich einen Schluck Kaffee im Mund. Danach musste ich die Sauerei wegwischen. 😆

Übrigens wurde nicht nur der Installations-Wizard auf diese Weise übel-setzt, sondern das ganze Programm erfreut in der deutschen Version mit einer Form der sprachlichen Dummheit, wie sie nur von einem Computer produziert werden kann. (Nein, ein Mensch schafft das nicht. Auch nicht, wenn er nur ein kleines bisschen Deutsch kann.)

Das Verursachen eines neuen Kontos…

Hier erfreut das Nebeneinander zweier Bezeichnungen für den gleichen Vorgang. In der Titelzeile des Fensters steht der übliche Ausdruck „Konto erstellen“, aber im Text findet sich die Möglichkeit, ein neues Konto zu verursachen. Ehrlich gesagt, das finde ich fast gelungen. Es klingt, als verursache man einen Schaden… 😉

Alles fängt auf, ausgenommen mittlerer Name angefordert werden…

So sieht es denn aus, wenn man seine Benutzerdaten eingegeben soll. Sehr schön ist das Nebeneinander der Hände, die vor elegantem, gelbem Hintergrund auf eine im Nichts schwebende, durch Transparenz ätherisch gemachte Tastatur tippen und des hilflosen Ausdruckes „Alles fängt auf, ausgenommen mittlerer Name angefordert werden“ — das Streben nach grafischer Exzellenz wird hier durch die dümmlichen Texte so gründlich entwertet, dass es wie eine unfreiwillige Satire wirkt.

Wer ohne Blick in die englischen Texte auf die Idee kommt, dass hier „Mit Ausnahme des mittleren Namens sind alle Angaben erforderlich“ gemeint ist, der hat richtig geraten. Da vergisst man auch schnell mal, sich selbst danach zu fragen, wozu hier eigentlich das Geburtsdatum erforderlich sein soll.

Automatisch zusammen mit Windows-System betätigen

Ob wohl jedem klar ist, was die möglichen Häkchen unter „Diverses“ bedeuten sollen? „Automatisch zusammen mit Windowssystem betätigen“ ist im Rahmen einer Telefonie-Software so missverständlich, dass wohl kaum jemand auf die Idee kommen wird, dass hier einfach das Programm beim Hochfahren von Windows gestartet werden soll. (Ich habe dafür übrigens die Sprache auf Englisch umgeschaltet, sonst wäre ich auch nicht darauf gekommen.) Aber hier muss der Benutzer erstmal „schalten“… 😀

Die Fensterhäute

Jetzt geht es aber wirklich an die Haut. Hier können nämlich die Fensterhäute eingestellt werden. 😎

Start Klangeinstellungskreator

Zum Glück ist das Programm nicht vollständig übersetzt, die englischen Texte sind durchgehend verständlicher. In diesem nur teilweise übersetzten Dialog kann man sogar das versteckte Wortmonster übersehen. Es befindet sich auf der Schaltfläche und trägt den schönen Text „Start Klangeinstellungskreator“. Was für ein Wort!

Die grüßend wählen

Wer mögen sie wohl sein, die, die da grüßend wählen? Ob es wohl jene sind, die sich zum Transmittieren ihrer ID entschlossen haben? Und wie soll eine Anrufumleitung funktionieren, wenn die Software „außer Betrieb“ ist? Fragen über Fragen, die sich hier nicht aufklären wollen, wenn jemand nicht auf die Idee kommt, einfach in die englische Sprache umzuschalten.

Selbst das Beenden des Programmes erfordert kombinatorisches Talent. Nach dem Schließen des Fensters läuft das Programm weiter, es zeigt sein Piktogramm im Systembereich an. Natürlich gibt es dort ein Kontextmenü, …

Zu schnippsen! Endlich weg damit!

…aber das „Zu Schnipsen“ der Ausdruck für „Programm beenden“ sein könnte, erschließt sich bestenfalls aus der Lage dieses Menüpunktes.

Erwartungsgemäß

Hat dieser Kerner, der nach Meinung aller Denkenden und Fühlenden in meiner Umgebung ungefähr so viel menschliche Qualifikation wie eine Bohrmaschine hat, wirklich etwas anderes von der recht dummen und eher unprofessionellen Eva Herman erwartet? Oder wollte der (oder seine Arbeitgeber) diese Inszenierung; dieses Medienspektakel? Das ist ja ganz gut für den Marktwert, so ein Spektakel — und der in Einschaltquoten gemessene Marktwert ist alles, worauf es im Betrieb der Medien noch ankommt. Zumal, wenn er sich mit so edel wirkenden Merkmalen wie „Antifaschismus“ verkaufen lässt. Im. Modernen. Marktfaschismus. Dem jedes menschliche Streben untergeordnet werden soll.

Auch der Marktwert von Frau Herman macht sich so langsam:mrgreen: