Immer wieder fragt sich der fühlende und denkende Mensch, wie diese ganzen Consulting- und Wirtschafts-„Wissenschafts“-Institute auf ihre recht weltfremden und Menschen verachtenden Ideen zur Umgestaltung der betrieblichen Abläufe und der ganzen Gesellschaft kommen. Das liegt daran, dass der fühlende und denkende Mensch zunächst einmal davon ausgeht, dass es sich beim Wirtschaften nicht um einen Selbstzweck handelt, sondern um eine kulturelle Leistung, die dem Menschen dienen sollte, indem sie — wie jede kulturelle Leistung — den Menschen aus den Unwägbarkeiten seiner natürlichen Bedingtheit herausnimmt.

Dass dies nicht mehr der Fall ist, bemerken mittlerweile — trotz massiver Wirtschafts-Propaganda im täglichen Auswurf der Content-Industrie — selbst stumpfere Seelen. Wirtschaft ist längst schon ein technokratischer Selbstzweck geworden, dem alles andere untergeordnet wird. Koste es, was es wolle, solange die Zahlen gut sind und die Gewinne sprudeln. Ein Mensch wird im Zuge dieser Haltung in erster Linie als eine Batterie im betrieblichen Produktionsprozess behandelt, die verbraucht und am Ende weggeworfen wird — und sogar das so genannte „Gesundheitswesen“ hat Züge eines Recycling-Hofes, dessen Priorität vor allem wirtschaftlich ist.

Ich habe einen Verdacht, woran das liegen könnte, und ich bekomme diesen Verdacht nicht mehr aus meinen Gedanken.

Heute verbringe ich lebensstilbedingt keine Zeit mehr mit Computer-Spielen, aber das war nicht immer so. Als ich jünger war und mir die Zeit endlos erschien, habe ich manche müßige Stunde damit zugebracht, in Welten abzutauchen, die nur mittels eines Computers simuliert wurden. Ein Spiel, das ich als recht interessant empfand, war SimCity, von dem ich vor allem die älteren Versionen kennen gelernt habe.

Es gab in den alten Versionen von SimCity eine recht einfache Strategie, erfolgreich zu spielen. Vielleicht geht das auch noch in neuen Versionen, ich weiß es nicht. Früher ging es, und wer noch ältere Versionen hat, sollte das ruhig einmal ausprobieren. Die Strategie beruht auf einer Schwäche in der Simulation, die bemerkenswert ist und gruselig viel über das Denken derer verrät, die diese Simulation entworfen und programmiert haben.

Diese Stategie ist ganz einfach. Man streife seine letzten moralischen Skrupel gegenüber den simulierten Leben ab und lasse, sobald sich eine einigermaßen moderne Wirtschaft gebildet hat, alle Menschen verhungern. Das Herstellen entsprechender Lebensbedingungen ist relativ einfach. Im Fortlauf der Simulation kann man dann schön beobachten, wie die ganze simulierte Stadt ohne Menschen weiterläuft, als rein wirtschaftliches Gebilde. Die Kraftwerke erzeugen Energie, die Fabriken produzieren Güter, die Straßen sind voller Transport, es entsteht Müll und mit dem Müll ein großer wirtschaftlicher Aufschwung und stetiger Fortschritt, alles wie von allein, ganz, ohne dass ein Mensch dabei zugegen wäre oder davon profitierte. Die angezeigten Zahlen werden besser als bei jeder anderen Strategie, mit der man es in SimCity versuchen kann. Und dabei kommt es überhaupt nicht zu den anderen Problemen, gegen die man sonst als absoluter Herrscher dieses simulierten Gebildes zu kämpfen hat, es gibt keine Slumbildung mehr und auf aufwändige medizinische Versorgung kann verzichtet werden. Das Geld sprudelt nur so!

Jedes Mal, wenn ich die kranken, technokratischen Beglückungsideen der wirtschaftlichen Lobbyverbände, der neoliberalen Denkfabriken und der diesem Abschaum allzu hörigen politischen Kaste mitbekomme, erinnere ich mich daran. Und. Ich denke, dass diese vor Gier kranken Menschen zu häufig so etwas Ähnliches wie SimCity gespielt haben müssen. Dass sie sich in ihren Gedankenspielen ausschließlich mit einer simulierten Gesellschaft befassen, in der Menschen als Individuuen in der Objektivität ihres subjektiven Seins keine Rolle spielen. Und. Dass sie das Ergebnis solcher Simulation — natürlich in seriös wirkender, aber letztlich blind gläubiger wissenschaftlicher Sprache gekleidet — an wirkliche Gesellschaften voller Menschen anlegen. Es erklärte so vieles von dem, was der Denkende und Fühlende zurzeit jeden Tag ertragen muss.