Der folgende Hinweis wurde von arte vor einer Sendung eingeblendet:

Die folgende Sendung enthält Szenen, die das sittliche Empfinden verletzen können

Er kam nicht auf 9live vor einer dieser Shows, in denen Menschen ihr Geld loswerden können, indem sie bei etwas schwer durchschaubaren Telefon-Glücksspielen mitmachen. Er kam nicht auf Super RTL vor einer Show wie Upps, wo man sehen kann, wie sich Menschen zu eingespielten Tonbandlachern weh tun. Er kam nicht vor einer dieser vielen Gerichtssendungen, die bei der Auswahl der „Fälle“ einen besonderen Hang zum Skurillen und Abstoßenden an den Tag legen. Er kam nicht vor einer Talkshow, in der schäbige Laienschauspieler ebenso schäbige, affektgeladene und empörende Konflikte austragen. Er kam nicht vor diesen billigen US-amerikanischen Kriminal-Filmen und -Filmchen, in denen alle Konflikte mit explizit gezeigter Gewalt „gelöst“ werden. Er kam auch nicht vor den Nachrichten, in deren Videobeiträgen überwiegend fragwürdigen Gestalten eine Plattform gegeben wird. Er kam nicht, als das staatliche Fernsehen in Deutschland so genannte „Sportberichterstattung“ in die Haushalte trug, in denen vor allem die Umgestaltung von Menschen in hastende, von Drogen beflügelte Litfasssäulen verherrlicht wird. Er kam nicht vor einer der vielen Sendungen, in denen so genannte „Schlager“ oder so genannte „Volksmusik“ transportiert werden, eine Musik, in deren Texten besonders gern der verantwortungslose Geschlechtsakt im volltrunkenen Schädel abgefeiert wird. Er kam übrigens auch nicht vor einem Werbeblock, obwohl er dort sicherlich noch am angemessensten gewesen wäre.

Nein, er kam auf arte. Dort gibt es solche Exzesse der gegenwärtigen Content-Industrie — so wird mir von regelmäßigen Zuschauern immer wieder glaubhaft versichert — kaum.

Ich weiß nicht, vor welcher Sendung auf arte dieser Hinweis eingeblendet wurde. Wahrscheinlich ging es darin um sexuelle Lust. Denn diese an sich kostenlose Lustquelle ist das einzige, was den Menschen immer wieder als anstößig, peinlich und verwerfenswert vermittelt wird. Alles, was der Fühlende und Denkende wirklich als empörend empfinden muss, wird dort aber tendenziell in den höchsten Tönen gelobt.

Vielen Dank für das Standbild an Frank.

Advertisements