Und Judas Ischarioth, einer von den Zwölfen, ging hin zu den Hohenpriestern, daß er ihn [Jesus aus Nazaret, Anmerkung von mir] an sie verriete. Das sie das hörten, wurden sie froh und verhießen, ihm Geld zu geben. ( Mk. 14, 10-11, zitiert aus der Luther-Übelsetzung)

Warum eigentlich haben die christlichen Glaubensgemeinschaften aus Judas keinen Heiligen gemacht? Wenn man — wie jeder Anhänger der christlichen Religion — daran glaubt, dass für das persönliche „Heil“ ein staatlich sanktionierter Mord an Jesus aus Nazaret geschehen musste, denn ist Judas doch die eine Gestalt, die dieses „Heil“ erst möglich gemacht hat; ganz offenbar war der hochverehrte Christusgötze weder dazu im Stande, sich einfach tot gebären zu lassen, noch hat er den Mumm zum Freitod gefunden.

Wie keine andere Gestalt des Neuen Testamentes steht Judas für die christliche Religion. Ihm hat der lebende Jesus aus Nazaret nicht gereicht, er wollte lieber einen toten — ganz genau, wie die Gesamtheit der institutionalisierten christlichen Religion. Und ebenso wie diese lichtverneinende und lebensverachtende Institution der Kirche(n) hat er Jesus einfach verkauft, für richtig gutes Geld verkauft. Was Jesus aus Nazaret gesagt hat, war für ihn völlig unwichtig, allein auf seine Auslieferung und seinen Tod kam es an, allein das war und ist das lohnende, heilsame Geschäft. Für die institutionaliserte Religion ist das bis heute so.

Man möchte Judas Iskariot als den Vater der Kirchen bezeichnen. In seinem Verrat hat er die gesamte Geschichte der christlichen Religion vorweg genommen. Es ist weder ein Zufall, dass ausgerechnet das Abbild eines Galgens zum Symbol dieser Religion geworden ist, noch ist es ein Zufall, dass eine seltsame Zentrierung der gesamten Religion um den Tod und die Todesangst dem Christentum eigentümlich ist, noch ist es ein Zufall, dass durch die gesamte Geschichte der Kirchen die Interessen der Sanftmütigen und Zerschlagenen an jene verkauft wurden, die das Geld hatten und klimpern ließen. Es handelt sich bei der christlichen Religion um den Glauben des Judas Iskariot. Wo Jesus aus Nazaret, dieser humorvolle und überaus ätzende Kritiker des Gottgeschäftes und der frommen Elite seiner Zeit wollte, dass die Menschen es ihm nachtun, da folgen die Christen lieber ihrem Judas.

Deshalb: SANCTO SUBITO!

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