Archive for März, 2007


Psychischer Standort

Wie schlimm die psychischen Auswirkungen der totalen Automobilmachung wirklich sind, kann man erfahren, wenn man den Menschen zuhört. Es zeigt sich in diesen Alltagsszenen. Da steht ein Mann neben einem anderen Mann und fragt ihn allen Ernstes: „Wo stehst Du?“ — er meint damit natürlich sein Auto

Frühlingsanfang

Gestern, am 21. März um 1:07 mitteleuropäischer Zeit war der astronomische Frühlingsanfang. Nur der astronomische. Es hat gerade angefangen zu schneien. Der Schnee bleibt im Moment sogar liegen. Und das in Hannover!

Das ist bei aller Kälte sehr angenehm, weil es den Verkehrslärm dämpft. Eine sonderbare Vorsicht zeigt sich bei den Autofahrern. Unter diesem einen Aspekt könnte von mir aus immer Schnee liegen.

Sein und Haben

Zeig mir deinen Grabstein, und ich sage dir, wer du warst.

Sofort! Weltweit!

Nein, ich bin kein Befürworter der Kernenergie, jedenfalls nicht unter den Bedingungen des Prozesses, der gegenwärtig über den Gesellschaften abläuft. So lange die Energieerzeugung unter ausschließlich wirtschaftlichen Aspekten betrachtet und behandelt wird, so lange wird man auch versuchen, an der Sicherheit der Kraftwerke zu sparen. Ob das legal ist oder nicht, spielt keine große Rolle, wenn es sich nur kaufmännisch rechnet. Und so lange den Verantwortlichen für das Problem der Lagerung hochgiftiger und über tausende von Generationen gefährlicher Abfälle keine bessere Idee einfällt, als dieses Problem auf kommende Generationen zu verlagern, so lange ist die Nutzung der Kernenergie für jeden Fühlenden und Denkenden nur eine verantwortungslose Arschlochnummer. Das bestehende Verbrennungszeitalter hinterlässt den kommenden Generationen wirklich genug schwere Probleme.

Um so schlimmer ist es, wenn sich die Gegner der Kernenergie scheinbar nur in protzigen Worten und eingefahrenen Schienen der Propaganda bewegen:

Sofortige Stilllegung aller Atomanlagen weltweit!

Klar, die Stilllegung muss sofort sein, egal, ob das in einer bestimmten Region Folgen für die Energieversorgung hat. Und es reicht keineswegs hin, wenn nur ein paar Kraftwerke in der Nähe oder doch wenigstens erstmal die schlimmsten Harsardspiele der gegenwärtigen Kernkraftnutzung stillgelegt werden, nein, sie müssen auf der ganzen Welt abgeschaltet werden. In dieser prallen, pubertären Protzigkeit unerfüllbarer Forderungen aus der Situation eines eh schon hoffnungslos schweren Zieles heraus zeigt sich klar der unreife Charakter dieser Gegner. Diese Unreife und die mit ihr verbundene Verantwortungslosigkeit ist ein treffliches Spiegelbild der Verantwortungslosigkeit jener Menschen, die unter den gegenwärtigen gesellschaftlichen Zuständen Kernkraft nutzen wollen. Und deshalb fehlt es diesen Protesten auch an jeder Kraft.

Aber bei der Betrachtung der Dummheit solcher Forderungen kann schon einmal der Eindruck entstehen, das genau diese Kraftlosigkeit den Gegnern egal ist. Sie genügen sich in der pubertären Zurschaustellung kraftvoller Posen und Ausdrücke. Es geht ihnen nicht um die Sache. Es ist eine Show.

Und das kann die andere Seite besser. Wirklich.

Ideen

Weisheit zeigt sich darin, dass man Ideen besitzt. Wer keine Weisheit hat, ist von seinen Ideen besessen.

Kiffen macht doof

Ich bin immer wieder darüber erstaunt, wie viele Cannabis konsumierende Menschen bei allem krampfhaften alternativ- und anders-Sein-Wollen einen ganz bestimmten deutschen Schlager unangemessen wertschätzen. Gemeint ist natürlich Am Tag Als Conny Kramer Starb“ von Juliane Werding.

Als regelmäßige Konsumenten einer beliebten Droge sollten diese Menschen doch leicht erkennen können, dass der Text eine Ansammlung spießbürgerlicher Vorstellungen über den Drogenrausch ist, ein Spiegelbild der allgemein kultivierten Angst — etwas, was man gut im Hintergrund hören kann, während man am Stammtisch seine Leber in Alkohol einlegt.

Um welche Droge es Frau Werding geht, wird schon in der ersten Strophe deutlich. „[…] Doch der Rauch schmeckte bitter […]“ — ganz offenbar meinte sie einen Joint. Dass dieser Text keinerlei Erfahrung mit der Droge THC reflektiert, wird allerdings sofort sichtbar: „[…]Aber Conny sagte mir, was er sah: Ein Meer von Licht und Farben […]“. Nun, ich habe in meinem Leben schon so manche lustige Zigarette eingesogen, aber solche visuellen Irritationen habe ich dabei nicht erlebt. Vielmehr könnte ich von einem veränderten Zeitempfinden, gewissen Schwierigkeiten bei der Konzentration auf ein Thema, einer gewissen Bewegungsunlust, einem gesenkten Bewusstsein, einem gesteigerten Empfinden für Klänge, Gerüche und Geschmäcker und einer oft durchaus angenehmen Form der Müdigkeit berichten — und die meisten Kiffer würden mir darin zustimmen. Niemals habe ich visuelle Halluzinationen gehabt oder auch nur gehört, dass jemand anders so etwas erlebt hätte.

Nach dieser Fehlcharakerisierung der Droge THC folgt im Text unmittelbar das, was das versoffene Spießerherz höher schlagen lässt: Die wortreiche Beschwörung der Strafe für diesen kleinen Genuss. Conny Kramer muss sterben, dumpf und deprimierend bimmeln die Glocken vor sich hin und alle sind ganz schrecklich am Flennen.

Natürlich steigt Conny in der zweiten Strophe auf eine andere Droge, auf LSD, um. Hier wird das Klischee von der „Einstiegsdroge“ THC mit großem Genuss aufgeführt. „Doch aus den Joints da wurden Trips, es gab keinen Halt auf der schiefen Bahn.“ Nicht nur, dass der „Einstiegscharakter“ der legalen und überall leicht verfügbaren Volksdrogen Alkohol und Nikotin hier völlig verschwiegen wird. Es werden im gesamten Songtext keine anderen Rauschmittel erwähnt. Alles, was dort besungen wird, ist also lediglich auf den Konsum der Substanzen THC und LSD zurückzuführen. Ich will diese beiden Substanzen keineswegs als „harmlos“ bezeichnen oder gar jemandem zur leichtfertigen Benutzung auffordern, aber direkt toxisch sind sie nicht.

Frau Werding kümmert sich in ihrem Liedchen aber kaum um solche Tatsachen, sondern beschreibt einen schmerzhaften Abschied und den Tod Connys. „[…] Beim letzten Mal sagte er; Nun kann ich den Himmel sehn. […]“ Nicht, dass ich solche Realtitätsverluste unter LSD-Einfluss völlig ausschließen könnte, aber der Realitätsverlust dieses Schlagertextes nimmt beinahe die gleichen Dimensionen an. Aus einem Menschen, der des Sommers im Grase lag und Joints qualmend spinnerten Ideen folgte, ist ein unansprechbares Wrack geworden, und am Ende bleiben „[…] nur noch die Blumen auf seinem Grab […]“. Und die Glocken sagen dumpf „bimm bimm bimm“ dazu.

Das alles reflektierte keine Drogenerfahrungen, nicht einmal indirekte im Freundeskreis. Das alles reflektiert nur jene spießbürgerliche Vorstellung vom und Angst vor dem Rausch und der mit seinem Genuss einher gehenden tödlichen Gefahr, die sich schließlich in einer restriktiven Verbotspolitik vieler „westlicher“ Staaten niederschlägt. Es ist übrigens oft diese Drogenpolitik, die den Tod eines Süchtigen hervorruft, da sich dieser mit überteuerten und minderwertigen Substanzen von einem unkontrollierten und skrupellosen Schwarzmarkt zufrieden geben muss. Mittelbar leistet die gegenwärtige gesetzliche Situation einen Beitrag dazu, dass Menschen in jene Verwahrlosung und Kriminalität geraten, die schließlich den frühen Tod mitverursacht.

Jeder gewohnheitsmäßige Kiffer, der sonst gern für die Legalisierung seiner Droge eintritt, aber mit Begeisterung und Verklärung diesen dummen Schlager hört, belegt darin nur eines: Kiffen macht doof.

anfrage

sag mir wohin trägst du dein herz
um es zu begraben? und in welcher gruft
glaubst du die nacht zu sättigen? wem nur
weihst du deinen untergang zur nahrung? sag
worin willst du dich auflösen? in welchem gift
läßt dich der geheime traum schwimmen? wie ist
dein stickgas beschaffen? sag es mir
wo kann ich dich finden?

von welcher farbe sind deine augen durchflossen?
welcher klang drängelt sich an dein trommelfell?
wie nur zergeht deine zeit? und welcher geselle
legt axt an deine wurzeln? und sag mir
wie kannst du leben?

Brüder

Alle Menschen sind Brüder. Genau, wie Kain und Abel.

Einfach verbieten

Bei der „Studentenplattform“ StudiVZ hat man jetzt ein besonders gutes Mittel gegen die vielen Sicherheitslücken in der verwendeten Software gefunden. Man verbietet einfach alle „Angriffe“ auf das verwendete Software-System in den neuen AGB. Wenn dieses Beispiel erfolgreich ist, werden wir demnächst alle in einer viel besseren Welt leben. Die Banken verbieten einfach in ihren AGB, dass sie überfallen werden, die Kaufhäuser verbieten einfach das Klauen, die Verkehrsunternehmen das Schwarzfahren. Schließlich wird die Weltgemeinschaft einfach der ganzen Erde die globale Erwärmung in einer Art AGB verbieten. Mit solchen Maßnahmen lässt sich ganz bestimmt die Wirklichkeit verändern. Eine großartige Idee, die kaum noch zu stoppen ist. Wer würde daran zweifeln, dass schon in Kürze keine Polizei und keine Gerichte mehr benötigt werden? :mrgreen:

Bei StudiVZ geht man offenbar ferner davon aus, dass ein Großteil der Studenten nicht weiß, dass Crackerangriffe auf Computer in der BRD strafbar sind. Und wenn ich manches Mal so mithören darf, wie und worüber Studenten sich unterhalten, denn muss ich feststellen, dass auch das eine korrekte Einschätzung ist.

Ach ja, wer glaubt, das seien Hohlköpfe, die es nicht besser wissen. Die wissen es besser. Die Juristen bei Holtzbrinck wissen wahrscheinlich sogar ganz genau, dass ein Großteil der Vereinbarungen dieser AGB unwirksam ist. Aber bei Holtzbrinck, einen Vertreter der modernen Content-Industrie, wissen sie eben auch, was Werbung ist. Nachdem immer mehr offenbar wird, dass die dort verwendete Software voller Probleme und stümperhafter Fehler steckt, muss eben eine „positive“ Nachricht in den Rachen der Journaille geworfen werden. Nachrichten zu generieren fällt solchen Firmen leicht.

Ein kleines Quiz

Und heute zur guten Nacht ein kleines, dummes Quiz. Welche bekannte Persönlichkeit hat die folgenden Worte gesagt?

Ich habe nicht die leiseste Idee davon, was ich über die internationale Politik, die Außenpolitik, denke.

Die Auflösung gibt es hier (es handelt sich um Zitat Nummer 50). Aber die anderen Zitate lohnen sich teilweise auch.

Blume

Eine verblühte Blume

Die Menschen schneiden den Pflanzen ihre hübsch gestalteten Geschlechtsorgane ab, um sie sich in Vasen zu stellen. Sie zeigen damit ihre „Liebe“ zur Natur und zum Leben. Sie nennen das „Blumen“. Wenn die auf diese Weise nutzlos gemachten Organe der Pflanze schlaff machen, landen sie im Müll. Manchmal schenken Menschen einander „Blumen“ als Zeichen ihrer Liebe und Verbundenheit. Was für eine passende Metapher. Für die Liebe und Verbundenheit. Im real existierenden Konsumismus.

Sick Brother

Und immer stellt sich die Frage, was Menschen dazu bringt, anderen Menschen beim Wohnen zuzuschauen.