Ich fahre nicht gern mit einer Straßenbahn, und ich bin wirklich dankbar für mein Fahrrad. Aber manchmal ist das Wetter nicht kompatibel zum Rad fahren. So war es zum Beispiel heute, nieselkalt und windig und gar nicht wie der Vorfrühling, den so mancher gelbe Strauch und so manche frühe Blüte verhieß.

Und während ich eine der Straßenbahnen in Hannover verwendete, durfte ich wieder einmal erleben, was ich an diesem Verkehrsmittel so hasse. Sicher, da ist vieles. Zum Beispiel der Geräuschpegel im Fahrgastraum, in Hannover so laut, dass nur die Hamburger S-Bahnen noch scheußlicher sind. Oder das so genannte „Fahrgastfernsehen“, das in einem Display vor sich hin flackert und aller Menschen Blicke an sich reißt, um sie mit unwichtigen Kurzmeldungen und jeder Menge Werbung zu füllen. Oder die bedrückende Kameraüberwachung in den meisten Straßenbahnen.

Alles nichts, was einen Menschen fröhlich machen könnte.

Aber das Schlimmste ist die Form, in der sich diese Umstände in der Psyche und damit im Sein der Menschen widerspiegeln. Die Form gewordene Verneinung der Menschlichkeit dieser „Beförderungsfälle“, die jede hannöversche Straßenbahn geworden ist, sie führt dazu, dass die Menschen wirklich zu vergessen scheinen, dass sie (und andere) Menschen sind. Ihr Blick bekommt etwas Leeres, da sind nur noch these staring sick eyes everywhere. Und ihr Verhalten bekommt ebenfalls etwas Leeres.

Ich musste umsteigen, und da ich ein Fahrrad dabei hatte, tat ich das am Aegi. Dort kann man auf der gleichen Ebene umsteigen, man muss einfach nur zum gegenüber liegenden Gleis gehen. Deshalb wird dort häufig umgestiegen, und der Fahrplan reflektiert diese Tatsache, indem bei planmäßigem Verlauf die beiden Bahnen gleichzeitig kommen und eine Aufenthaltsdauer haben, die das bequeme, hastlose Umsteigen möglich macht.

Nun, als ich am Aegi ausstieg, war die andere Bahn noch nicht da. Aber dafür standen dort viele Menschen, die auf ihre Bahn warteten, die Umsteigewilligen kamen gerade dazu. Es dauerte nur zwei Minuten, bis die Bahn kam, und sie war schon recht gut gefüllt. Ich schaute auf eine der großen Anzeigetafeln und sah, dass die nächste Bahn nur vier Minuten später kommen würde, deshalb hatte ich kein Verlangen, mich mit einem Fahrrad in eine inzwischen übervolle Bahn zu drängeln und trat ein paar Schritte zurück. Ich halte das für ein vernünftiges Verhalten, aber die Vernunft ist selten geworden in Hannover und besonders selten im hannöverschen Nahverkehr. Alle Wartenden außer mir drängelten sich in diese eine Bahn, sie stopften auch noch ihre prallen Einkaufstaschen und Kinderwagen in einen Raum hinein, der gewiss unangenehm eng geworden war. Als die Bahn abfuhr, schaute ich mich um. Ich war wirklich der Einzige, der auf die Idee gekommen war, einfach noch ein paar Minuten zu warten. Alle waren eingestiegen.

Schon nach zwei Minuten kam eine nicht planmäßige Bahn, die auch auf der Tafel nicht angekündigt war. Wahrscheinlich ein kurzfristig eingesetzter Verstärkungswagen wegen des hohen Aufkommens an „Beförderungsfällen“. Es saßen zwei Menschen darin. Ich stieg mit meinem Fahrrad dazu und fragte mich die ganze Zeit, warum die Menschen hier so stur und stumpfsinnig wie eben wieder beobachtet sind.