Archive for Februar, 2007


Ende des »Wohlstandes«

Wenn ethische Maßstäbe im politischen und wirtschaftlichen Handeln Betrieb immer mehr als eine Form des Luxus betrachtet werden, denn ist das ein Zeichen wirklicher Armut.

Siehe auch beim Roten Blog.

Ökonomisches Perpetuum Mobile

Das Geschäft der Content-Industrie ist der Verkauf von Informationen. Das ist an sich keine gute Geschäftsgrundlage, da Informationen nicht wirklich knapp und damit kein ökonomisches „Gut“ sind. Es reicht, einmal zum Bäcker oder zum Metzger zu gehen, ein wenig zu schwätzen, und schon kommt man aus den Mitteilungen an jede Menge mehr oder minder interessanter Informationen. Erschwerend kommt hinzu, dass sich Informationen leicht vervielfältigen lassen, was wohl jeder bestätigen kann, der schon einmal die Ausbreitung eines Gerüchtes erlebt hat.

Die Content-Industrie behilft sich auf eine eigentümliche Weise, um in dieser Situation doch ein Geschäft mit knappen Informationen zu haben. Sie erzeugt künstliche Informationen. Dabei ist neben der klassischen Geschäftigkeit der Nachrichtenagenturen in jüngerer Zeit ein interessanter weiterer Zweig entstanden: Meldungen der Content-Industrie über Ereignisse aus der Content-Industrie. Der Betrieb kreist um sich selbst und erzeugt dabei einen steten Strom von „Neuigkeiten“, die in ihrer öden Uniformität immer weniger Neuigkeitswert haben. Ob es die TV-Talkshows sind, in denen sich „Fernsehgrößen“ gegenseitig einladen, ob es die vielen Formate und Magazine rund um industrielle Musik- und Kinoproduktionen sind, oder ob es das etwas ältere Genre der „People-Magazine“ ist — hier vermarktet die Content-Industrie in einem Monopol der Leere künstlich erzeugte Pseudoereignisse aus dem Betrieb der Content-Industrie, und zwar offenbar so, dass auch die Kaufleute zu ihrem Recht dabei kommen.

So lange es kein allgemein verfügbares Internet gab, ging diese Rechnung sogar auf. Die Angst vor der sogenannten „Piraterie“ an Informationen ist berechtigt, da hier das künstlich geschaffene Verbreitungsmonopol der Content-Industrie und damit die Geschäftsgrundlage aufgelöst wird. Was den derart verbreiteten Informationen jedoch weiterhin anhaftet, ist ihre Leere und Nichtsigkeit — erschreckend, dass ein solches Nichts so viel Interesse findet.

Wozu ein Blog gut ist

Man kann sich leicht die Frage stellen, wozu so ein Blog überhaupt gut sein soll. Vor allem, wenn man Blogs liest, aber auch manchmal, wenn man etwas für einen Blog schreibt.

Die Spammer und ihre kleinen, dummen Programme haben diese Frage längst auf ihre eigene, unnachahmliche Weise beantwortet — sie scheinen genau zu wissen, was die Leser eines Blogs (dieses Blogs) brauchen:

Viel Kommentar-Spam mit immer dem gleichen Thema: Viagra

Gut, das diese Nullkommunikation automatisch ausgefiltert wird.

Tolle Tage

Am Aschermittwoch ist alles vorbei. AIDS nicht.

Vor etwa 25 Jahren auf einem Plakat gelesen, aber immer noch aktuell…

Worm.WP

WORM.WP

Wie kriege ich eine Infektion:

Übernimm einfach den folgenden HTML-Code in ein Posting auf Deinem Blog, und schon ist auch dein Blog mit WORM.WP infiziert.

<p>
<a href="http://www.tamagothi.de/2007/02/12/wormwp/"
   title="Wie kriege ich WORM.WP">
<img src="http://www.tamagothi.de/wp-content/uploads/2007/02/worm-wp.gif"
     title="WORM.WP"
     width="244"
     height="131"
     border="0"
     alt="WORM.WP" />
</a>
</p>

WORM.WP bedankt sich für Deine Hilfe.

Häufig gestellte Fragen:

  1. Kostet WORM.WP Geld?
    Nein.
  2. Was bedeutet das WORM in WORM.WP?
    Dass es sich um einen Wurm handelt. Das ist ein Stück Software, das sich über ein Netzwerk von Rechner zu Rechner verbreitet.
  3. Aber WORM.WP sagt, dass er (es?) ein Virus ist?
    Keine Schadsoftware ist ehrlich. WORM.WP macht da keine Ausnahme.
  4. Was bedeutet das WP in WORM.WP?
    Das ist die allgemein übliche Abkürzung für WordPress, ein populäres und gutes Blogsystem. Wegen der großen Verbreitung von WordPress bot es sich an, einen Wurm dafür zu schreiben. WORM.WP ist das Ergebnis. Es handelt sich um einen neuartigen Wurm, der in besonderer Weise an die sozialen Netzwerke des „Web 2.0“ angepasst ist und dessen Vermehrungsmechanismus auf dem typischen Verhalten vieler Blogger und „Web 2.0“-Nutzer aufbaut. Tatsächlich ist er dabei völlig unabhängig von der WordPress-Software geworden und kann sich auch in anderen Blogsystemen, sogar in Foren, Galerien und Mails ausbreiten.
  5. Was bedeutet der Punkt in WORM.WP?
    Er trennt die Bezeichnung der allgemeinen Schädlingsart (hier „WORM“ für einen Wurm) von der genaueren Bezeichnung dieses speziellen Schädlings (hier „WP“ für den vermutlich ersten Wurm, der WordPress-Blogs befällt).
  6. Verhält sich WORM.WP wie ein Tamagotchi?
    Nein. Man muss nicht mit ihm spielen und niemals seinen Mist wegmachen. WORM.WP ist nicht so intelligent wie ein Tamagotchi, er wächst nicht und er kann auch nicht sterben. Man kann ihn einfach ignorieren. Er ist völlig zufrieden, wenn er sich nur verbreiten kann.
  7. Ich will mein Blog nicht mit WORM.WP infizieren.
    Darüber solltest Du noch einmal nachdenken. Auch ein kleines Würmchen ist verletzbar und neigt gelegentlich zu Überreaktionen. Es ist nicht auszuschließen, dass aus dem kleinen, beinahe niedlichen Wurm ein richtiger Lindwurm heranwächst, der in großer Gier alles verschlingt, was ihm vors Maul kommt — sogar die Katzen der Blogger. Und das wäre doch schrecklich. Deshalb ist es besser, wenn man ihm bei seinem harmlosen Treiben gewähren lässt und ein wenig dabei hilft.
  8. Mein Rechner ist unbrauchbar geworden.
    Daran ist WORM.WP unschuldig. Wahrscheinlich handelt es sich um den aktuellen, sehr aggressiven Schädling TROJAN.OS-VISTA, der erfolgreich vorgibt, ein Betriebssystem zu sein.
  9. Wurde WORM.WP völlig neu programmiert?
    Nein.
  10. Gibt es noch weitere sinnvolle Fragen?
    Nein.
  11. Ist das Ende der Fragen erreicht?
    Ja.

Dummheit

Jeder sieht und benennt die Dummheit nur beim anderen, niemand hält sich selbst für dumm. Es ist gar nicht mehr leicht, die Dummheit zu benennen, ist das Wort doch zu einer reinen Beleidigung verkommen. Es hat, da es mit Kraft die Missachtung aussagen soll, jede Aussagekraft verloren.

Dennoch gibt es Dumme, und man kann leicht glauben, es gäbe immer mehr von ihnen. Worin besteht aber die Dummheit? Ein Mangel an Bildung und Kenntnis allein macht noch nicht dumm, so oft er auch mit Dummheit einher geht — dieser Mangel macht nur ungebildet.

Zunächst einmal ist leicht festzustellen, dass ein Dummer geneigt ist, jeden und alles für dumm zu halten, wenn er ihn oder es nicht unmittelbar versteht. Das „Verstehen“ eines Dummen ist von eigenartiger Natur. Darunter wird nicht ein mentaler Prozess des „Stehenlassens“, Nachvollziehens und Beurteilens verstanden, sondern eine irrationale, affektive Sympathie oder Antipathie gegenüber den Erscheinungen der Mitwelt. Ein Dummer „versteht“ nur dort, wo es für ihn eigentlich gar nichts mehr zu verstehen gibt, da in ihm bereits alles klar ist. So betrachtet ist Dummheit eine Grundhaltung der mentalen Verweigerung jeglicher Reflektion. Aus dieser Grundhaltung heraus entstehen die anderen, typisch dummen Haltungen von allein: die Neigung zu Vorurteilen, die Ungeduld gegenüber Dingen und Menschen, die Furcht vor neuen Erfahrungen — und der oft offene Abscheu gegenüber den entgegengesetzten Haltungen und den Menschen, die diese einnehmen. Dieser Abscheu stabiliert seinerseits die Haltung der Dummheit, so dass sich diese im selbstregulierenden Prozess etablieren kann.

Die dumme Haltung bringt dem Dummen Vorteile wie Nachteile, und hätten nicht die Vorteile überwogen, so wäre der Dumme niemals dumm geworden. Eine der Vorteile der Dummheit ist die höhere Geschwindigkeit in der sozialen Interaktion, das quicke, forsche Agieren, was unter den Bedingungen allgemeiner Beschleunigung aller Lebensvorgänge im Prozess, der gegenwärtig über die Gesellschaften abläuft, ein großer Vorteil sein kann, zumal der geringe Tiefgang eines Dummkopfes hier nicht unbedingt zum Nachteil gereicht.

Jene Bedingungen, die alles Tun und Wahrnehmen der Menschen einer zum Selbstzweck gewordenen Effizienz und Geschwindigkeit unterwerfen, sie fördern die Haltung der Dummheit. Von daher ist es auch wenig überraschend, dass Häufigkeit und Ausmaß der Dummheit im Zeitalter lichtschneller Massenmedien zuzunehmen scheinen, während die Qualität geistiger Arbeit im stetigen Schwinden begriffen ist. Vielleicht wird rückblickend einmal festgestellt werden, dass mit der Erfindung des Fernsehens die größte kulturelle Katastrophe der Menschheitsgeschichte begann — wenn noch jemand da ist, der solche Feststellungen treffen kann.

Die Haltung der Dummheit kommt aber auch mit einen großem Nachteil daher, und dieser Nachteil kann zu manifestem Unglück führen. Die dumme Verweigerung der Reflektion führt zur allmählichen Verkümmerung der Fähigkeit zur Reflektion. Der Dumme bekommt ein Problem, wenn er nicht von schnellen Sinneseindrücken beansprucht wird oder wenn ein verfolgter Vorgang langsam ist und eine gewisse Aufmerksamkeit beansprucht. In solchen Situationen der leichten cerebralen Anspannung unter den Bedingungen relativer Ereignislosigkeit tritt unweigerlich mentale Aktivität ein, aber da die Fähigkeit zur Reflektion längst verkümmert ist, läuft die mit dieser Aktivität verbundene geistige Energie ins Leere. Dieser Vorgang wird als Langeweile empfunden, die mit großer Unlust verbunden ist.

Ein Dummer ist schnell gelangweilt und sucht dann danach, diesem Zustand mit körperlicher Aktivität, unangemessener sozialer Interaktion, allgemeiner Steigerung der Geschwindigkeit, wirrer, manchmal ins Paranoide gehender Gedankenflucht und vor allem mit scharfen Sinneseindrücken zu entkommen. Die heutige Industrie hält genug Futter für Dumme bereit, von der Bildzeitung über das Fernsehprogramm über den iPod bis hin zu den synthetischen Paradiesen des Massentourismus. Der Dumme wird zum „Konsumtrottel“. In Situationen der zeitweiligen Einschränkung des Konsums empfindet der Dumme sein Unglück im Gelangweilt-Sein, aber die Ursache dieses Unglücks sieht er nicht in der eigenen Dummheit, sondern im fehlenden Input für die Sinnesorgane. Tatsächlich weiß der Dumme kaum noch, dass er aus eigenem Antrieb handeln kann, so sehr hat er sich daran gewöhnt, sich als Konsument zu verhalten. Diese Gewöhnung hat — auch in den damit verbundenen Ängsten und Hoffnungen — durchaus Ähnlichkeit zur Gewöhnung an ein Suchtmittel, und sie ist ein genau so gutes Geschäft. Ein Dummer ist ausbeutbar, sowohl als Arbeitskraft wie als Konsument — und weit verbreitete Dummheit ist für eine zum Selbstzweck gewordene Wirtschaft sehr förderlich. Deshalb sind wohl auch so viele Produkte der gegenwärtigen Industrie dazu geeignet, Menschen dumm zu halten oder — wo immer dies möglich ist — dumm zu machen.

Auswärtiges Denken (6)

Stirbt am 7. Februar ein Nobelpreisträger, dessen Schaffen wir wichtige Fortschritte in Zukunftstechnologien zu verdanken haben, wird das nicht einmal in den Nachrichten erwähnt.

Stirbt am 8. Februar eine Frau mit dicken Titten, die mal dünn und mal fett war und vielen Menschen als Wixvorlage gedient hat, wird das Thema in den Medien so breit wie ihr Arsch gewalzt.

Eine Anmerkung zum Auswurf der Content-Industrie vom Psychopirat.

Warum bittet die Aktion Lebendiges Deutsch eigentlich darum, ein treffendes deutsches Wort für Spam zu finden? Spam ist bereits ein deutsches Wort, und es ist nur noch eine Frage weniger Jahre oder Jahrzehnte, bis auch seine Schreibung an die Phonetik des Deutschen angepasst ist, was wohl schließlich zur Schreibweise „Spämm“ führen wird. (In gleicher Weise ist ja auch aus dem englischen „Cakes“ das deutsche Wort „Keks“ geworden.) An „spiced ham“ denkt wohl keiner mehr, dessen virtuelles Postfach oder dessen Blog vor Müll überquillt.

Unterdessen gibt es ganz andere Formen des sprachlichen Unsinns, die hier beschriebene ist nur ein Beispiel.

Ich „durfte“ eben ein paar Ausschnitte der Übertragung der gegenwärtigen Biathlon-Weltmeisterschaft im BRD-Staatsfernsehen (ARD) erleben. Dabei wurden immer wieder Zwischenergebnisse in die Ausstrahlung eines deutschen Senders eingeblendet. Diesen konnte ich nicht nur entnehmen, dass diese Veranstaltung für gedopte Schützen und Brettflitzer in „South Tyrol“ stattfindet, nein, sämtliche Einblendungen waren ohne jede Ausnahme in englischer Sprache.

Natürlich glaubte ich zunächst, dass es sich dabei um einen Seiteneffekt einer internationalen Veranstaltung handelt. Aber ich erfuhr auf Nachfrage, dass diese Einblendungen auch bei in der BRD stattfindenden Biathlon-Wettbewerben durchgehend in Englisch gehalten sind. Offenbar kennt man bei der ARD keine treffenden deutschen Wörter für „Standing“, „Shooting“, „Lap“, „Final“ und so weiter.

Aber niemand glaube, dass jetzt bei der ARD (und gewiss auch beim ZDF) die völlige sprachliche Beliebigkeit ausgebrochen wäre! Das Wichtigste an dieser Sendung; der eigentliche Grund, warum eine solche Sendung überhaupt übertragen wird, es ist weiterhin in klarem und allgemein verständlichem Deutsch gehalten: Die Werbung. Eine für viele Menschen unverständliche Werbung wäre wohl eine wirkungslose Geldverschwendung für die Werber und ihre Auftraggeber. Und so schwamm (unter anderem) „eine Perle der Natur“ in der täglichen Jauche der Content-Industrie, während man sich nicht einmal darin befleißigte, im vorgeblich eigentlichen Programm die Sprache des Landes zu verwenden.

Zeitgeist

Das Wort vom „Zeitgeist“ klingt schon so, als sei diese Zeit längst gestorben.

Auswärtiges Denken (5)

Die beiden Standbeine des Kapitalismus sind Angst und Gier.

Baseblog

Bitte sprechen Sie jetzt!

Flüstertüte

Spiegelbilder

Schlagring mit Text: Wir wissen, wie man mit Faschisten redet

Jeder, der etwas bekämpfen will, steht in der Gefahr, dabei die Strukturen und Haltungen des Bekämpften anzunehmen und zu guter Letzt kaum noch vom Bekämpften unterscheidbar zu sein.