Wenn der Intendant des Zweiten Deutschen Fernsehens, Markus Schächter, die folgenden Worte in den Raum wirft…

Das Fernsehen droht, seine publizistische Seele zu verlieren […] Es verlässt seinen gesellschaftlichen Auftrag und hat nicht mehr das Ziel, das Gespräch der Gesellschaft anzustacheln.

…dann muss sich der gleiche Schächter ernsthaft fragen lassen, ob er mit solchen Worten das Programm des von ihm vertretenen Senders meinen kann. Dieses Programm besteht nämlich in der Hauptsache aus

  • Soap-Operas der schlechtesten Sorte (so etwas nennt sich ja neuerdings „Telenovela“: die Namen der fiktiven Frauen in surrealen Welten ändern sich, sonst ändert sich nichts);
  • schlechten und irreführenden Dokumentationen, über deren mangelhafte Substanz auch nicht minutenlange Sequenzen von Computergrafik und seierndes bis aufwühlendes Psychogeklimper als Hintergrundklang hinwegtäuschen können;
  • reißerisch gestalteten Pseudo-Dokumentationen, die offenbar dort im Trüben fischen sollen, wo sich schon die Netze der irationalen Esoterik-Szene mit reichem, geldwerten Fang gefüllt haben;
  • ausführlichen Verherrlichungen aller gerade so greifbaren Adelsgeschlechter, die mindestens zwei Mal im Monat den Menschen als Alternative zur mittlerweile erkämpften Freiheit angeboten werden;
  • endlosen Sportübertragungen, in denen eine allgegenwärtige Werbung transportiert wird, für die dieser Sender auch noch große Mengen Geldes bezahlt, anstatt dass er Geld für diese Ausstrahlung bekäme; und nicht zu vergessen
  • den vielen Dampfern, Festen, Palästen und was es sonst an Namen noch gibt, wenn schlichteste volkstümelnde Schlager wie zum Hohn auch noch als „Volksmusik“ verkauft werden und von einer himmelblau heilen Welt im Bierzelt an den warmen Brüsten der Lederhose erzählen.

Da kann auch so ein journalistisches Feigenblatt wie Frontal 21 nicht mehr den trüben Eindruck auf der Leuchtschicht der Bildröhre verbessern. Es ist nun einmal leicht möglich, eine Kanne Milch mit ein paar Tropfen Jauche unbrauchbar und ekelhaft zu machen; umgekehrt kann aber nicht eine Kanne Jauche mit ein paar Tropfen Milch genießbar gemacht werden. Immerhin, ohne dieses Feigenblatt stünde der tägliche Wahnsinn im ZDF ganz nackt da — das kann sich keiner wünschen.

Das Programm des Zweiten Deutschen Fernsehens stachelt nicht etwa, wie dieser wortgewandte Schächter in seiner skrupellosen Rede zur allgemeinen Volksverdummung meint, das Gespräch der Gesellschaft an. Nein, es ist vielmehr geeignet, bei den Menschen in der Gesellschaft die kognitiven Grundbefähigungen, die für jede interessante Mitteilung erforderlich wären, zu zerstören. „Das Fernsehen“ droht nicht etwa, seine publizistische Seele zu verlieren, es hat seine Seele schon längst an die Interessen der Werbewirtschaft verkauft, und es liefert folglich jenen industriellen Content, der durch seine hypnotische und verdummende Wirkung so sehr geeignet ist, die an allen nur denkbaren Stellen zwischengeschaltete Werbung in ihrer schrecklichen Wirksamkeit zu verstärken. Das wird auch gewiss gut bezahlt von den Werbekunden.

Ich habe übrigens Verständnis für jeden, der es angesichts dieser Zumutungen nicht hinnehmen will, den Betrieb des halbstaatlichen Fernsehens der Bundesrepublik Deutschland mit seiner Tätigkeit im Internet querzufinanzieren. Die publizistischen Seelen, deren Stimmen im Internet wegen des manifesten Wahnsinns der zwangsweisen Erhebung von Rundfunkgebühren auf Computerbesitz schon in wenigen Wochen im Internet verstummen werden, sind durchaus einer offenen Träne würdig. Dass hingegen ein Apparatschik des bundesdeutschen halbstaatlichen Fernsehens zum Zwecke seiner Lobbyarbeit den Begriff der Seele in den Dreck zieht, kann bei einem fühlenden Menschen nur Hass erwecken.

Ein übles, lichtscheues Gesindel ist, wer so redet. Ja, Herr Markus Schächter, genau sie sind hier gemeint, sie Lichtverneiner. 👿

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