Tag Archive: Web 2.0


Die postmoderne Lüge “Ich”

Ein Musterbeispiel für das Management kognitiver Dissonanzen, zumal sich damit obendrein stumpfes Desinteresse, wahlweise völlige Inkompetenz, als fortschrittliche Einstellung zu Markte tragen lässt. Dass es gleich mit “Ich bin” eingeläutet werden muss, spricht Bände: Die postmoderne Lüge ist das “Ich”, weiter kommt das Subjekt gar nicht mehr, um sich vollständig in seinen marktkonformen Untergang einzukuscheln. Früher nannte man das “Verdinglichung”, heute wäre selbst das eine Verharmlosung. Wofür Generationen gekämpft haben – den Schutz der Privatsphäre vor der Macht des Staates – das opfern die Zombies des Kapitalismus willig der Markenbindung.

Quelle: Feynsinn — Ich bin post privacy

Schwarmintelligenz

Diese “Schwarmintelligenz”, von der dieser Zeitgenosse sprach, als er über das Internet zu reden vorgab, gibt es in der Natur nur unter Lebewesen, die als Individuen nicht besonders intelligent sind — und der Zeitgenosse macht im Spiegel dieses Wortes recht deutlich, das er die Möglichkeit der individuellen Intelligenz beim Menschen verachtet; mutmaßlich, weil er sie auch nicht aus eigener Erfahrung kennt. Was allerdings geschehen kann, wenn sich ein Schwarm enthirnter Wesen aufmacht, einem zu folgen, der sich dafür anbietet, indem er eine psychische genehme Richtung vorgibt; wie mörderisch die mit diesem Konzept verbundene Verneinung des Individuums unter der Idee des “Volkskörpers” geraten kann, das zeigt ein Blick in jedes Geschichtsbuch.

Facebooks Börsengang

Es ist schon bei schummrigsten Lichte betrachtet kaum zu fassen, dass für einen aufgeblähten, mit Reklame vergällten und in seiner technischen Konzeption — “Anwendung im Webbrowser” — eher ungeeigneten und zudem für Anwender bewusst nachteilig gestalteten Chat so viel “Wert” an der Börse erzielt werden sollte…

2012, A Data Odyssey — fiktionaler Kurzdialog

Sie: Du bist doch ein Arschloch! Was soll das?! Gedächtnisprotokolle unserer ganzen Treffen und Gespräche im Internet?! Offen für jeden?! Mit Datum, Uhrzeit und Koordinaten?! Was kommt als nächstes, du Schwein? Die Nacktfotos? Du bist einfach nur widerlich!

Er: Wieso? Ich habe doch nur genau das gleiche gemacht, was du auch jeden Tag tust. Du hast dein smart phone mit den ganzen apps von “Facebook”, “Foursquare”, “Twitter”, “Instagramm” und wie sie alle heißen. Du twitterst, wenn du auf dem Weg zu mir bist und wenn du bei mir bist, natürlich mit Geotag; du überträgst die Bilder, meine persönlich genutzte Mailadresse und vielleicht sogar den Mailverkehr zu Unternehmungen mit unseriösem Geschäftsmodell; du stellst mit diesen Trojanern der Web-Zwo-Nulldienste das Wissen über dein gesamte menschliche Miteinander irgendwelchen anonym bleibenden Dritten zur Verfügung. Ohne jemanden zu fragen. Und dann nennst du mich Arschloch, nur weil ich genau das bewusst und offen betreibe, was du in jeder Sekunde deines Daseins unbewusst und verdeckt machst?

Web Zwo Null

Twitter-Revolutionen?

Never a revolution will be twittered again - ZENSOR

Twitter-Revolutionen? Nein, so etwas wird es niemals mehr geben

Social

Die Kälte des menschlichen Miteinanders spiegelt sich auch darin, wie häufig die Entwicklung “social media” von irgendwelchen “Experten” als reines Marketinginstrument betrachtet wird.

Placebo 2.0

Der Vorübergehende sagte zu seinem hinterm Rechner sitzenden Zeitgenossen: Deine hohe Follower-Zahl auf Twitter ist nichts weiter als ein Breitband-Placebo gegen das heilsame Bewusstsein deiner völligen Bedeutungslosigkeit. #soistdas

Richtung und Garheit

Wie könnten Narren müde werden!

“Kinder auf der Landstraße”, Franz Kafka

Schutz! — Datenschutz ist ein Schutzrecht, keine Verpflichtung. So wie das Briefgeheimnis niemanden daran hindern kann, Postkarten zu schreiben, so wie das Fernmeldegeheimnis es (manchmal leider) nicht untersagt, seine persönlichen Telefongespräche lautstark vor dem gesamten Fahrgastraum einer Straßenbahn als unfreiwilligem Auditorium zu führen, so kann (oder sollte) auch der Datenschutz niemanden daran hindern, noch intimste Daten öffentlich oder in einem möglicherweise zum Tratsch neigenden Kreis von Mitmenschen preiszugeben. Es ist nicht verboten, so etwas zu tun. Und es will auch niemand verbieten. Doch selbst die mit ihren Daten freigiebigsten Menschen wären wohl eher unangenehm berührt, hörte jemand ihr Telefon ab oder öffnete und läse jemand ihre persönliche Briefpost. Im “materiellen” Leben ist den meisten Menschen bewusst, welche Angelegenheiten nicht auf eine Postkarte gehören und niemanden anders etwas angehen; im “virtuellen” Leben scheint das vielen nicht bewusst zu sein¹.

Schutz? — Ja, wovor schützt denn der Datenschutz? Er schützt die Menschen davor, dass ihre Daten eine unerwünschte Verwendung finden. Diese ist nicht nur darin zu sehen, dass jemand mit besser gezielten Werbelügen bombadiert würde und auch nicht darin, dass Kriminelle in die Lage versetzt würden, die Identität eines anderen Menschen für wenig erfreuliche Machenschaften zu missbrauchen, sondern auch. Dass andere aufgrund eines Einblickes in die leicht und automatisch verarbeitbaren Daten eine Deutungshoheit über diejenige Person bekommen könnten, aus deren Leben diese Daten herausragten. Ein Vermieter könnte anhand eines bloßen Einblickes in (möglicherweise jahrealte) Daten entscheiden, an welche Personen er eine Wohnung vermietet; ein Versandhaus könnte Entscheidungen über die Bonität fällen; ein Personaler könnte seine Entscheidungen über einen Arbeitsvertrag von den (vom betroffenen Menschen längst vergessenen) Daten abhängig machen. Dies kann losgelöst von der Komplexität der realen Person und ihrer derzeitigen Lebenssituation getan werden und auf wenigen, für den Entscheider in seiner Machtposition bequem quantisierbaren Merkmalen basieren. Schon heute führt das data mining dazu, dass Banken und Versandhäuser die einem Menschen zugeordnete Bonität unter anderem nach seiner Wohnadresse bewerten; dass sie die viel komplexeren Lebensräume von Menschen mit datenmäßig erfassten sozialen Mauern abstecken und Menschen danach beurteilen, auf welcher Seite der Mauer sie leben, ohne dass das den meisten Menschen bewusst wäre. Die Daten. Haben in solchen Punkten schon längst ihr “Eigenleben” entwickelt und lassen auch immer wieder einmal die davon betroffenen und durch die Datenbrille betrachteten Menschen in kafkaesken Situationen zurück. Die unkontrolliert zirkulierenden Daten führen zur Ohn-Macht der Person, aus deren Leben Abrieb diese Daten einst einmal entstanden.

Asymmetrie — Die Websites, die man unter dem irreführenden Begriff social web zusammenfasst — es gibt neben Facebook, Google Plus und Twitter noch viele eher unbedeutende Angebote dieser Art — sind für die Idee des Datenschutzes problematisch. Dies nicht, weil sich Menschen darüber mitteilen und dies in einer gewissen Öffentlichkeit geschähe, sondern weil in einem bislang ungekannten Maß die Summe solchen Mitteilens vieler Menschen als Datensammlung weniger Unternehmen mit eher ungewissem Geschäftsmodell anfällt. Diese Sammlung ist keineswegs öffentlich. Und sie enthält vieles, woran die darin datenmäßig erfassten Menschen gar nicht mehr denken. Eine Website, die das monströse Ausmaß der Datensammlung durch Facebook dokumentiert hat…

Die Domain www.europe-v-facebook.org wurde gesperrt

…ist gerade erst unter mir nicht näher bekannten Umständen aus dem Internet entschwunden, nachdem viele Medien über die beachtenswerten Ergebnisse dieser Bemühung berichtet haben². Der zugehörige Channel bei YouTube existiert noch, aber leider ist die Website (noch) nicht bei archive.org verfügbar und somit fürs erste verloren gegangen. Den vielen Menschen, die nur einen geringen Einblick in die Datensammlung haben, indem sie mit anderen Menschen über eine zentralistisch organisierte Struktur im Web kommunizieren, ihnen stehen wenige Menschen gegenüber, die einen vollständigen und automatisch verarbeitbaren Einblick über alles Kommunizieren, Surfen, Liken, Betrachten erlangen und diesen Einblick als Herrschaftswissen beliebig auswerten und benutzen können. Angesichts des fragwürdigen Geschäftsmodelles der unter Gewinnerzielungsabsicht auftretenden Unternehmung Facebook ist es eher wahrscheinlich, dass diese Datensammlung einmal ein für viele davon betroffene Menschen unerwünschtes “Eigenleben” entwickeln wird. Das Internet, das dem Individuum einmal Freiheit und Möglichkeit zur Entfaltung versprach, entwickelt durch die künstliche Zentralisierung seiner kommunikativen Funktionen in wenige Anbieter ein Instrumentarium, den von einer herrschenden und besitzenden Elite gehegten Wunsch nach Konformität und Berechenbarkeit der Menschen zu erfüllen. Und somit neue Knechtschaft und verhinderte Entfaltung der Mehrzahl von Menschen zu schaffen, durchzusetzen und zu zementieren. (Ein aktueller Nachtrag: Die Website Europe versus Facebook ist inzwischen wieder verfügbar. Zum Glück.)

Silberscheibe — Wie monströs die Datensammlung auf Seiten Facebooks in Wirklichkeit ist, zeigt sich darin, in welcher Form Facebook die Daten auf Nachfrage (und keineswegs freiwillig) übermittelt: Es geschieht in Form einer CD. In einem Fall mit 1200 DIN-A4-Seiten gesammelten Daten zu einer einzigen Person. Und dies waren keineswegs alle von Facebook gespeicherten Daten zu dieser Person. Beim Einblick in diese Daten wurde deutlich, dass Facebook das wichtigste Prinzip des Datenschutzes, die möglichst große Sparsamkeit in der Datenhaltung, systematisch missachtet hat. Auch Beiträge, die der Nutzer gelöscht hat, bleiben in der Sammlung künftigen Herrschaftswissens erhalten und sind nur “als gelöscht markiert”. Selbst bei einer Löschung des Accounts ist davon auszugehen, dass Facebook alle Daten behalten wird — und im Regelfall eine beachtliche Zeit dazu imstande sein wird, den vollständig identifizierten ehemaligen Nutzer weiter auf seinem Weg durch das Internet zu verfolgen.

Das Sparen erzwingen — Wenn Unternehmungen wie Facebook (aber keineswegs nur dieses) nicht willens sind, Daten sparsam zu erheben und vorzuhalten, gibt es nur eine Möglichkeit, dem zu begegnen, um auch von solchen Unternehmungen Datenschutz zu erzwingen: Man muss mit der Preisgabe seiner Daten so sparsam sein, wie es gerade noch möglich ist; und man muss diese Haltung mit allen verfügbaren technischen Mitteln unterstützen. Kein echter Name, keine persönliche Mailadresse, kein zutreffendes Geburtsdatum, kein wirklicher Wohnort… so sollte die Grundhaltung sein, wenn man nicht einen besonderen Grund hat, einem bestimmten Anbieter zu vertrauen oder wenn nicht bestimmte dieser Angaben für ein wirklich wünschenswertes Angebot erforderlich sind. (Ein Versandhandel kann nur liefern, wenn er einen Empfänger und eine Lieferadresse kennt.) Die Datenskandale nach den erfolgreichen Crackerangriffen der letzten Monate sollten auch dem Letzten deutlich gemacht haben, dass man in Bezug auf Datensparsamkeit keinem einzigen Unternehmen pauschal trauen kann. Tatsächlich werden immer wieder so leicht missbrauchbare Daten wie Konto- und Kreditkarteninformationen ohne besondere Not auf einen über das Internet zugänglichen Server abgelegt, also einem Opferrechner, der vielfachen Angriffen aller Art ausgesetzt ist. Wo die Unternehmen bis zur Inkompetenz verantwortungslos sind, ist jedes Vertrauen fehl am Platze, wenn es keinen guten Grund dafür gibt.

Mauern und Tore — Es ist erstaunlich, wie häufig mir Links auf Inhalte zugesteckt werden, die ich nur betrachten kann, wenn ich einen Account bei Facebook habe. Dieser Account. Wird von vielen (meist jüngeren) Menschen beim anderen Menschen einfach vorausgesetzt. Für mich als jemanden, der ich nicht einmal dazu bereit bin, mich in pseudonymer Form von Facebook tracken und verdaten zu lassen, ist eine Mauer um viele Inhalte geschaffen, die ich nur durch die von Facebook vorgesehene Türe betreten kann — mit persönlichen Daten als Eintrittsgeld. Ich muss davon ausgehen, dass derartige Zustecksel bei anderen Menschen noch häufiger sind, so dass für viele Menschen ein spürbarer sozialer Druck aufgebaut wird, ihre Daten an Facebook zu geben, damit ihnen das Internet für ihre persönlichen Absichten überhaupt erst nützlich wird. Auch ist es immer häufiger zu sehen, dass eine Authentifizierung vermittels Facebook ersatzlos an die Stelle dezentraler, site-spezifischer Registrierungsprodzeduren gesetzt wird, so dass Menschen ohne Facebook-Account auch von der aktiven Teilnahme in Bereichen des Internet ausgeschlossen werden, die gar nicht zu Facebook gehören. Was für ein sonderbarer eiserner Datenvorhang das doch ist, und wie bereitwillig sich Leute zur Zollstelle irgendwelcher Unternehmungen machen!

Zwei? Null. — That so called “social web” is an ignorant, pubertal, irresponsible part of the web, and a growing one too. Growing? No, rampant.

Zeitachse — Wie viel mehr die Menschen doch englisch lesen und sprechen, als sie es verstehen. Dass Facebook sich künftig als “Timeline” verstehen will und von anderen so verstanden werden soll, ist schon als Begriff etwas, was tief blicken lässt. Es soll dort eine Zeitachse abgebildet werden, auf der sich das Leben der dort datenliefernden Menschen in vielen automatisch auswertbaren Spuren niederschlägt. Ob die gleichen Menschen, die im Internet so bedenkenlos freigiebig werden, das alles wohl auch in ihren Lebenslauf schreiben würden?

Erzwungene Entdatung — Wie eingangs gesagt, Datenschutz ist ein Schutzrecht, und es sollte niemanden behindern, der “mutig” genug ist, ohne diesen Schutz zu leben. Wer sich vor zentralen Anbietern mit fragwürdigen Geschäftsmodell hemmunglos datenmäßig entkleiden — oder meinethalben: entdatenschützen — möchte, der soll das tun! Für den Außenstehenden ist es oft schwierig, “Mut” von Dummheit zu unterscheiden, aber das halte niemanden ab! Doch eine Sache ist widerwärtig, bei allem Faseln vom social web geradezu antisozial und verachtenswert: Dass ein so genannter “Button”, der nichts weiter ist als eine in Javascript implementierte Tracking-Wanze eines datensammelnden Unternehmens mit fragwürdigem Geschäftsmodell, die auf fremden Websites eingebettet werden kann³; dass so ein so genannter “Button” auch Menschen zugemutet wird, die diesen wie wahnsinnig dumm wirkenden “Mut” nicht aufbringen wollen. Dass von dieser versteckten Spionage vor allem weniger technikaffine Nutzer betroffen sind, die sich nicht mit geeigneten Plugins wie NoScript zur Wehr zu setzen wissen und in der Regel nicht einmal das mögliche Problem erfassen können, macht die ganze Sache nur noch überrumpelnder und widerwärtiger.

Dummheit unter Kieler Brise — Dass das Kieler “Unabhängige” Landeszentrum für Datenschutz Schleswig-Holstein angekündigt hat, demnächst wegen der Einbettung eines “Buttons” von Facebook empfindliche Ordnungsgelder gegen Websitebetreiber zu verhängen, um geltendes Recht durchzusetzen, hat für teilweise heftige Empörung gesorgt. Die Datenschützer mögen sich doch — so sagten es die eifrigen Einbetter der Trackingwanzen in ihre Websites und damit die Schergen eines Datensammlers und Trackers — sie mögen sich doch gefälligst nicht an die armen Websitebetreiber, sondern direkt an Facebook wenden, diese blöden, weltfremden Datenschützer! Obwohl dafür keinerlei juristische Handhabe besteht. Was für eine idiotische Forderung! Und wie sehr sich diese Forderung mit einer Ablehnung jeder eigenen Verantwortung für den Zustand kombiniert, der ein solches Eingreifen von Datenschützern erst erforderlich macht! Ganz so, als wäre es unmöglich, eine Website zu betreiben, ohne diese verkappte Tracking-Wanze darin einzubauen; ganz so, als habe ein Sitebetreiber nach der Einbettung dieser Tracking-Wanze keinerlei Verantwortung dafür, dass seine eigene Website in eine Tracking-Vorrichtung für Facebook umgewandelt ist. Man stelle sich diesen unfassbaren Schwachdenk nur einmal mit anderen Rechtsverstößen vor! Zum Beispiel stelle man sich einmal vor, Menschen würden ein extern gehostetes Bild auf ihre Website einbetten und für das so entstehende Ergebnis die Verantwortung ablehnen! Zum Beispiel ein Bild, das in vielen ferneren Kulturkreisen als problemlos benutzbar, ja, sogar. Als heilsam und glücksbringend gilt: Eine Swastika. Das aber unter deutschem Recht nicht ohne einen besonderen Kontext benutzbar ist. Und diese Bildeinbetter. Würden jede Verantwortung dafür. Zurückweisen. Und fordern, dass stattdessen auf den Bildhoster im Auslande zurückgegriffen werden möge, der doch ein in seinem Rechtsraume völlig zulässiges Bild verwendet, so dass juristisch gar keine Handhabe besteht. Und sie würden “argumentieren”, dass die Einbettung dieses Bildes ja in vielen anderen Ländern auch problemlos möglich sei. Und. Sie würden sagen, dass ein Vorgehen gegen diese Praxis dem “Geist des Internet” zuwider liefe. Oh, was würden gewisse Leute diesen Freiraum gern nutzen, wenn es ihn nur gäbe! Aber: Dass es diesen Freiraum nicht gibt, ist beinahe jedem Menschen klar und in seiner Motivation einsichtig. Seltsamerweise beginnen viele Menschen aber zu glauben, dass es Freiräume für Rechtsverstöße gibt, wenn diese Rechtsverstöße nur nicht sofort offensichtlich sind, wenn sie nur fein abstrakt und technisch sind. In diesem dummen Glauben spiegelt sich die technische Unwissenheit dieser Menschen wider. Und. Es ist genau diese selbstverschuldete Dummheit und aus Unwillen ersprossene Unwissenheit, die das Geschäft von netzvampiristischen Websites wie Facebook überhaupt erst ermöglicht.

Alternative — Die Cholera ist keine gute Alternative zur Pest, sondern Gesundheit ist die gute Alternative. Google Plus ist keine gute Alternative zu Facebook, sondern genau so mies und schlimm. Das freie, möglichst dezentrale Internet ist eine gute Alternative zum so genannten social web, sonst nichts.

Lenken und ablenken — Vielleicht wären die Datenschützer in ihrem Bemühen etwas überzeugender, wenn ihr Blick nicht so einseitig wäre; wenn sich ihr Blick etwa mit der angemessenen Strenge und Unerbittlichkeit auf staatliches Datensammeln in der Bundesrepublik legte. Wer geht mit Aufklärung der Menschen und den gegebenen juristischen Möglichkeiten gegen überflüssige polizeiliche Überwachungskameras im öffentlichen Raum vor? Wer geht gegen die Weitergabe von Bankdaten in die USA vor? Wer hat beim Internetzensurgesetz einer Ursula von der Leyen davon gesprochen, dass die unkontrollierte Manipulation der Namensauflösung dem BKA die Möglichkeit gewährt, unbemerkbar E-Mails mitzulesen? Wer sprach oder spricht vom Missbrauchspotenzial der poltisch gewünschten Vorratsdatenspeicherung? Wer nimmt Stellung zum Wunsch vieler Mitglieder der classe politique nach einem möglichst gläsernen Bürger? Es waren und sind keine Datenschutzbeauftragten. Im einseitigen Vorgehen gegen Unternehmungen und Websitebetreiber verbleibt ein unangenehmer Nachgeschmack beim Genuss, ein Eindruck von Aktionismus und von der Ablenkung der öffentlichen Aufmerksamkeit von einem anderen, eher noch größeren Problemkreis, ganz so, als sollte sich unter einer Wolke nur gefühlten Datenschutzes ein allgegenwärtiger Blick eines anonymen, großen Bruders auf das Leben aller Menschen richten. Wenn sich dies auch noch mit einer einseitigen Ausrichtung auf ausländische Unternehmen richtet (ich habe noch nie ein kritisches oder aufklärerisches Wort zu den deutschen VZ-Sites gehört), ist zusätzlich der Eindruck nicht leicht abzuschütteln, dass zu diesem Zweck auch nationale Empfindungen instrumentalisiert werden sollen, um eine möglichst breite Wirkung der Ablenkung zu erzielen. Die Kritik am staatlichen Datenschutz ist also durchaus berechtigt, sie hat nur die falsche Richtung. Und dokumentiert damit, dass die Ablenkung hervorragend funktioniert.

Bundestrojaner 2.0 — Es hätte vielleicht keinen Widerstand gegen den so genannten “Bundestrojaner” gegeben, nein, viele Menschen hätten ihn sich sogar freiwillig installiert, wenn ein solches Schnüffelprogramm unter dem Banner des social web unter die Leute gebracht worden wäre; als eine Möglichkeit, mit seinen “Freunden” in Kontakt zu treten und interessante “Dinge” zu “teilen”; als eine Vorrichtung, die zusätzliche Besucher auf die eigene Website bringen kann (und somit vielleicht auch etwas Geld über Werbebanner einbringt) und einem ein Auditorium und Aufmerksamkeit bei anderen Menschen verschafft. Gern hätten sich die gleichen Menschen dafür datenmäßig nackig gemacht, die es jetzt für Facebook und Google Plus tun — und jedem, der ihnen sagt, welche Gefahren damit verbunden sind, hätten sie einen Vogel gezeigt und ihn als “rückständig” beschimpft. Gut, dass in Deutschland niemand auf diese naheliegende Idee gekommen ist.

¹Ich hoffe, dass “materiell” und “virtuell” ein besseres Gegensatzpaar ist als der so übliche Polit- und Pressesprech von “virtueller” und “wirklicher” Welt. Denn das Internet hat und ist in der Welt geformte Wirklichkeit, und der unterschwellige Versuch, ihm diese Wirklichkeit mit solchem Wortblendwerk abzusprechen, ist angesichts der Bedeutung, die dem Netze von den Absprechenden dann doch wieder zugemessen wird, wenn es nur um die Durchsetzung von Restriktion geht, lächerlich. Aber auch meine beiden Wörter treffen es nicht. Ich kann gar keine guten Wörter finden, um einen Unterschied auszudrücken, was vielleicht daran liegt, dass ich einen solchen Unterschied nicht empfinde. Was unterscheidet denn eine “virtuell” gepflegte Freundschaft von einer althergebrachten Freundschaft, die über Briefe und Telefon gepflegt wird und die niemand mit einem so unsinnigen Wort wie “virtuell” benennte?

²Das Verschwinden dieser Website ist der Grund, der mich zum Schreiben anregte. Ich will nicht, dass es ins Schweigen fällt. Wenn jemand eine archivierte Version der Website hat, wäre ich dankbar, wenn diese irgendwo im Internet verfügbar gemacht würde. Es kann völlig banale Gründe haben, dass diese Website verschwunden ist, etwa eine nicht bezahlte Rechnung. Es kann aber auch auf juristische Winkelzüge von Facebook zurückzuführen sein; immerhin behauptet Facebook beispielsweise, das “geistige Eigentum” an den gesammelten Daten zu haben und könnte über diesen absurden Anspruch versuchen, die Veröffentlichungen des Ausmaßes der Datensammlung und der Struktur der gesammelten Daten zu unterbinden. Ob letzteres der Fall ist oder nicht: Die bloße Inanspruchnahme eines “geistigen Eigentums” über die Daten anderer Menschen ist bereits für die vom Datensammeln betroffenen Menschen kafkaesk genug, um das Gruseln zu bekommen.

³Der Begriff “Button” ist für diesen IFRAME, in dem eine JavaScript-Anwendung läuft, im höchsten Maße irreführend. Es ist etwas fundamental anderes als eine Schaltfläche, wenn es auch auf dem ersten Blick ähnlich aussieht. Selbst abgemeldete Nutzer sind damit noch bei ihrer Bewegung durch das Internet verfolgbar. Dass Facebook dies gern tut, zeigt sich schon darin, dass es Facebook nicht gefällt, wenn für die Funktionalität “Like” andere Implementationen verwendet werden. Die irreführende Sprache aus der Reklameabteilung von Facebook sollte besser nicht ohne Anführungszeichen verwendet werden. Es ist kein “Button”. Es ist eine Tracking-Wanze, die den Leuten hinterhältig mit dem irreführenden Wort “Button” untergeschoben wird. Die wenigsten Menschen scheinen sich darüber im Klaren zu sein, dass selbst ohne gesetzte Cookies und ohne IP-Adresse mit einem Schnipsel JavaScript eine eindeutige Identifikation des Browsers (und damit in der Regel des Nutzers) beinahe immer möglich ist. Diese fließt leicht mit anderen, persönlicheren Daten zusammen oder kann gar im Zuge einer späteren Facebook-Registrierung zu einer konkreten Person zugeordnet werden.

Love

Screenshot von Lockerz. Bild von den Folgen eines Pfeffersprayeinsatzes (vermutlich auch CS). Darüber ein Button zum Anklicken mit der Bezeichnung 'Love'

Google Doppelplusgut!

In Ermangelung eines namentlichen Ansprechpartners bei Google Plus spreche ich im Folgenden eine Website wie einen Menschen an. Das ist im Stil verrückt, aber es ermöglicht mir, das zu Sagende auch zu sagen. Gemeint sind natürlich die Menschen, die auf der angesprochenen Website — übrigens betont anonym und wie eine höhere Gewalt unpersönlich — Googles Agenda für Google Plus mit allen Mitteln der Technokratie durchsetzen.

Meinst du eigentlich wirklich, dass du gerade ein gutes Umfeld für ein virtuelles soziales Miteinander schaffst? Meinst du, dass es die Motivation erhöht, dein neues Datensammel-Vehikel — dass übrigens zudem recht überflüssig ist — zu nutzen, wenn man sehen muss, dass ein Großteil der Leute, deren Äußerungen man folgt, von dir weggelöscht werden? Meinst du, dass die fühlenden Wesen, die sich von deinem Angebot einen persönlichen Vorteil versprochen haben und deshalb zurzeit für dich einen kostenlosen Betatest machen, auf dass du hinterher um so besser die gesammelten Daten vermarkten kannst, Lust auf die so sicher Verbleibenden haben: auf diese ganzen ausgehungerten Kaufleute an der Web-Zwo-Nullfront; auf diese Spammer, die sich wegen des weniger unfeinen Klanges dieses Aküwortes SEO nennen; auf diese so emsig und wahllos andere Leute in ihre Kreise ziehenden Gestalten aus dem Affiliate-Lumpenproletariat?

Nun, Google Plus, es herrscht ja Meinungsfreiheit. Du darfst das also meinen. Und du darfst auch feinwortige Erklärungen dazu abgeben und dich mit fröhlichem Gruß aus Alzheim darauf verlassen, dass den meisten Menschen dein Geschwätz von gestern nicht mehr so bewusst ist. Du kannst dich in der Pose des Felses in der Brandung in den wohlverdienten shit storm stellen, und du kannst dabei Wörter wie “Hausrecht” und “Spamschutz” in den Mund nehmen. Das ist alles dein Recht. Das Internet, Google Plus, es ist verdammt groß, da ist für jede Spinnerei Platz, sogar für meine marginalisierte. Es sei dir völlig unbestritten.

Selbst weniger nachdenklichen Menschen ist klar, dass dein Gefasel vom Spamschutz die mieseste Ausrede seit Erfindung des world wide wasteland ist, und dass es dir nur ums Geldmachen geht, wenn du einen gewichteten Graphen der sozialen Beziehungen von persönlich identifizierbaren Menschen eines beachtlichen Teiles der Weltbevölkerung aufzubauen gedenkst. Die Form, in der du, Google Plus, deine Ausreden anbringst und deine Agenda mit technokratischer Gewalt durchziehst, sie verrät allerdings einen Charakter, der gar nicht so unpassend zu dem oben kurz umrissenen Pack ist, welches das von dir geschaffene virtuelle Umfeld recht attraktiv zu finden scheint.

Ja, das ganze ist ein business. Und zwar ein ganz beschissnes.

Aber eines möchte ich dir, der du vor lauter Dollarzeichen auf den Augen nicht mehr zu sehen scheinst, was dieses Internet ist, in Erinnerung rufen:

Anonymität und die Verwendung von Pseudonymen sind ein wichtiger, vielleicht sogar unverzichtbarer Bestandteil der Internet-Kultur.

Es gibt sehr viele gute Gründe, in einem Internet, das nichts vergisst, anonym aufzutreten.

Natürlich gibt es auch schlechte. Einer dieser Gründe ist, dass man spammen will, und ein anderer ist, dass man mit provokanten Beiträgen andere Menschen verärgern will, um sein darbendes Selbstbewusstsein an den erbosten Reaktionen aufzurichten. Wer das will, wird sich wohl kaum davon abschrecken lassen, wenn er sich dafür einen realistisch klingenden Namen ausdenken muss, zumal es dafür einfach zu verwendende Hilfsmittel gibt. Die Barbarei der Spam und die psychologisch interessante Kommunikationsform des trollings lässt sich auf derart einfache Weise nicht bearbeiten, schon gar nicht technisch. Sie erfordert den Blick und die Tat wertender Menschen, die einen klaren, kommunizierbaren und nachvollziehbaren Maßstab für das haben, was sie dulden und was nicht. Übrigens kommt die Mehrzahl meiner Spammails und ein größerer Teil meiner Kommentarspam von “Menschen” mit realistisch klingenden Namen. Als Betreiber eines populären Freemail-Dienstes und nicht minder populären freien Bloghostings sollte die Wirklichkeit der Spam bei Google wohlbekannt sein, was das Reden vom angeblichen “Spamschutz durch Pflicht zum Realnamen” mit nur geringer Denkanstrengung als Lüge entlarvt.

Nach diesen schlechten Gründen nun die guten…

Und der beste aller guten Gründe ist, dass das Internet nichts vergisst.

Jeder, der sich irgendwo im Internet in einem Akt menschlicher Kommunikation mitteilt, muss damit rechnen, dass diese Mitteilung rezipiert wird — dafür macht man es ja — dass sie referenziert wird und auch nach vielen Jahren noch auffindbar ist. Da in solcher Mitteilung — wenn es nicht gerade um den Hinweis auf lustige Videos und die Veröffentlichung niedlicher Katzenfotos geht — immer auch, so sie echt ist, ein Stück persönlicher Wertung und Meinung einfließt, kann die spätere Auffindbarkeit des Mitgeteilten persönlich gefährlich oder sogar unmittelbar existenzbedrohend sein. Für Letzteres muss man gar nicht erst an bis zum Mord offen repressive Staatsgebilde wie die Volksrepublik China oder das Königreich Saudi-Arabien denken, politische und gesellschaftliche Verhältnisse sind überall instabil. Selbst unsere gegenwärtige Bundeskanzlerin Angela Merkel hat dies einmal in einer sehr unglücklich formulierten Form von sich gegeben — die übrigens auch wegen eines Internet, das nichts vergisst noch in vielen Jahren in einer gewissen Erinnerung sein wird und dann hoffentlich eher für Lacher als für Grauen sorgen wird. Äußerungen oder auch nur Details in der Äußerung, die heute harmlos und legal sind, können einen Menschen vielleicht schon nächstes Jahr ins Gefängnis oder gar in etwas Schlimmeres bringen¹. Die Entwicklung auch nur der nächsten Monate ist etwas, was Spinner gern in astrologischen Aufstellungen, Tarotkarten und Kristallkugeln lesen, während sich ernsthaftere Menschen eingestehen müssen, dass sie nichts darüber wissen.

Aber selbst, wenn es nicht so übel kommt, kann es übel genug sein, wenn jemand bei der Bewerbung um einen Job mit seinem persönlichen record konfrontiert wird, der sich bei der Nutzung des Internet angesammelt hat. Ein mögliches Leben in Erwerbslosigkeit und Armut wegen einiger persönlicher Äußerungen, die den im Internet recherchierenden, meist recht konservativ gestrickten Personalern nicht gefallen, ist für “normale” Menschen bedrohlich genug.

Vor diesen keineswegs abstrakten Gefahren kann sich ein Mensch nur schützen, indem er darauf achtet, dass eine direkte Zuordnung seiner Äußerungen zu seiner Person erschwert wird. Die Verwendung von Pseudonymen oder völlig anonymes Publizieren sind das einzige zur Verfügung stehende Mittel, um eine solche Zuordnung zu erschweren.

Wer dennoch den Mut hat, mit seiner identifizierbaren Person hinter seinen Äußerungen zu stehen, soll ihn — wenn er nicht eh schon alles verloren hat und aus dieser Einsicht heraus auftritt — haben; es sei niemanden genommen. Allerdings ist es von außen manchmal etwas schwierig, Mut von Dummheit zu unterscheiden.

Wer aber — wie du, Google Plus — meint, diesen “Mut” durch eine Richtlinie erzwingen zu können und wer — wie du, Google Plus — diese Richtlinie durch konsequentes Löschen in einer so genannten “social website” durchzusetzen trachtet, bewirkt damit nur dreierlei: Erstens, dass viele bewusstere Menschen, die wirklich etwas von sich mitteilen wollen, sich hierfür eine andere Plattform suchen, das Netz ist ja groß und immer noch nicht mit Google identisch. Zweitens, dass die leider auch nicht wenigen Menschen, die ob der großen Medienpräsenz von dir, Google Plus, glauben, dass sie auf dich nicht verzichten können und die dennoch genügend Verstand haben, um die mit der Identifizierbarkeit verbundenen Gefahren zu sehen oder auch nur zu ahnen, mit einer Schere im Kopf schreiben, was ihre Mitteilungen beschädigt und entwertet. Und drittens, dass das weiter oben in zugegebenermaßen rauen Worten zusammengefasste Pack davon am wenigsten beeinträchtigt wird, weil es bei Lichte betrachtet gar keinen Ruf zu verlieren hat.

Kurz, Google Plus: Was da übrigbleibt, ist auch für deine Idee vom Marketing kein so gutes Umfeld.

Unabhängig von den geradezu imperativ guten Gründen, ein Pseudonym zu benutzen, gibt es noch einen weiteren, zwar weniger guten, aber dennoch berechtigten Grund.

Wer im anonymen, virtuellen Medium Internet unter einem Pseudonym auftritt, kann sich auf diesem Wege eine gewisse Freiheit aus seiner sonstigen gesellschaftlichen Bedingtheit verschaffen — und dies keineswegs nur, um sich “unmöglich aufzuführen”. Es wird möglich, Gedanken und Ideen zu äußern, die in der direkten Lebenswirklichkeit unangemessen erschienen, wenn sie geäußert würden. Es ist kein Geheimnis, dass Menschen nicht nur gern lachen, sondern auch gern andere Menschen auslachen (und später ausgrenzen und im schlimmsten Fall mit Gewalt bedrohen), vor allem, wenn diese Gedanken und Ideen äußern, die im ersten, unreflektierten Moment absurd, offensichtlich oder kindisch erscheinen. Schon das “normale” menschliche Miteinander führt zur Selbstzensur, einfach wegen des normativen Zwanges einer Gesellschaft aus Menschen mit beschädigtem Dasein, deren Individuen alles für die Verdrängung ihrer eigenen misslichen, ausgelieferten, begrenzten, beziehungsvermeidenden und unfreien Situation tun und darin zu einem bedrückenden überpersonalen Prozess beitragen, in dem sich der Einzelne nicht mehr entfalten kann. Schon im sozialwissenschaftlichen Begriff der “Rolle” — der direkt dem Theater entnommen ist — und in den vielen davon abgeleiteten Begriffen schwingt allzu fühlbar die Einsicht mit, dass Menschen im Allgemeinen nicht ihr eigenes Leben leben können. Die Larve der Anonymität oder der Pseudonymität schafft einen Freiraum; hinter ihr kann der schützende Panzer um das eigene Selbst kontrolliert abgelegt werden, was von vielen Menschen als Erleichterung empfunden wird. Wer den Menschen diesen Freiraum zu nehmen sucht, der nimmt ihnen eine recht starke Motivation, ein ansonsten eher unerfreuliches und technisches Medium für die Entfaltung des eigenen Selbstes zu nutzen, der führt die überpersonalen Marionettenfäden, an denen die Menschen in oft bedrückend empfundener Weise hängen, ohne Not in ein unpersönliches Medium fort und zementiert damit das Unpersönliche dieses Mediums.

Tja, wer mag das Ergebnis solchen Strebens dann noch seinem Leben hinzufügen, weil er in der gewünschten Enge des so geschaffenen Raumes einen Mehrwert sieht? Siehe oben: Spammer, Kaufleute des Elends und das Lumpenproletariat zwielichtiger Affiliate-Geschäftemachereien.

Aber es kommt noch ein bisschen dicker für dich, Google Plus.

Denn viele Menschen sind im Internet unter ihrem Pseudonym wohlbekannt, während ihr bürgerlicher Name nahezu unbekannt ist. Sie werden “dank” deiner technokratisch durchgesetzten Pflicht zum bürgerlichen Namen bei dir unidentifizierbar und unauffindbar. Sie haben so etwas wie einen treuen Leserstamm, der bei dir nach ihnen sucht und nichts finden kann. Wer weiß schon spontan, wie etwa Don Alphonso wirklich heißt?

Dieses Problem allerdings, das hast du, Google Plus, erkannt. Deshalb hast du einigen sehr populären Bloggern mit einer gewissen Reichweite aufgrund deiner technokratischen Herrlichkeit voller Gnade das Privileg eingeräumt, unter ihrem Netzpseudonym bei dir aufzutreten, wohl auch in der Spekulation darauf, dass sie dich, Google Plus, reichlich besprechen und verlinken und damit in die Aufmerksamkeit größerer Kreise tragen. Das ist ja eine gute und kostenlose Reklame.

Dies ging und geht einher mit Löschungen weniger bekannter und reichweitenstarker, aber keineswegs unbekannter Gestalten aus der Twitteria und Bloggeria. Der Eindruck, der sich für einen neutralen Betrachter ob deines Verhaltens, Google Plus, aufdrängt, ist der Eindruck gutherrschaftlicher Willkür. Wie gesagt, Google Plus, das Internet ist groß und bietet Raum für jeden, und natürlich darfst du das und darfst auch diesen Eindruck erwecken, aber du solltest doch einmal bedenken, ob das der von dir gewünschte Eindruck ist und ob dieser Eindruck deine geschäftlichen Pläne befördert.

Du bist mit einem großen Vertrauensvorschuss gegenüber dem zuletzt immer übleren Anbieter “Facebook” in deine “geschlossene” Betaphase gegangen². Du bist gerade auf dem besten Weg, dieses Vertrauen wieder zu verspielen. Unfassbar, wie blind Gier machen kann!

¹Von den Unwägbarkeiten, die mit dem für die Bundesrepublik Deutschland so typischen Erscheinungen des Abmahnwesens und Rechtsmissbrauches jetzt schon einher gehen, will ich gar nicht erst anfangen.

²So “geschlossen” ist die Betaphase auch nicht gewesen, es war selbst mir möglich, ohne besondere Anstrengung einen “invite” zu bekommen, um mir Google Plus einmal anzuschauen. Sie war so geschlossen wie eine Tür, an der ein Schild “Eintritt nur mit Karte” “aufgedruckt” ist, während überall Automaten aufgestellt sind, an denen man mühelos eine kostenlose Karte ziehen kann. Oder kurz, dieses Gerede von “geschlossen” ist eine reine Werbelüge, und eine besonders kindische und durchschaubare obendrein. Ob du damit interessante Menschen anlocken kannst? Für die emsigen Schreiber aus der Journaille hat es ja gereicht, die haben deine Presseerklärungen genau so “sachlich” wiedergegeben, wie sie anderen Bullshit wiedergeben, auf dass sich viele nach diesen Nachrichten richten.

Emotion

Hey bekomm ich eine emotion von dir, oder ein Geschenk, ... ??? lieb anschau und süß frag -- PS: darfst auch noch mein fan werden

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