Der größte Arbeitgeber für junge Amerikaner ist inzwischen McDonald’s.
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Vergegenwärtigt man sich, welcher mechanisierte Mord der eigentliche Beruf eines Piloten der US-amerikanischen Streitkräfte ist und vergisst dabei nicht, was solche Piloten schon an allen Ecken der Erde auf Befehl der großen Geldbesitzer hin angerichtet haben und weiterhin anrichten, dann ist der Hüpfer auf den Mond, den Neil Amstrong vor ein paar Jahrzehnten machte, vielleicht noch das erfreulichste, was sich mit solchen Menschen anfangen lässt.
Jeder Mensch, der jetzt wegen der Anfertigung und Verteilung von Kopien urheberrechtlich geschützter Werke in einem Gefängnis der Vereinigten Staaten von Amerika sitzt, blockiert damit nur den Gefängnisplatz für einen der vielen Soldaten, die völlig grundlos Zivilisten abgeknallt oder ausgebombt haben.
Wie doch ein Video empören kann! Ganz so, als wäre es das größte Problem des Krieges, dass ein paar in Propaganda und täglichem Kampf aufgeheizte Soldaten vor einer Kamera posieren, wenn sie auf die Leichen toter Gegner urinieren; ja, ganz so, als träte dahinter die ganze als völlig normal hingenommene, Menschen verachtende, mörderische Barbarei des Krieges zurück.
Pass and Stow¹
Es ist schon erstaunlich, dass in den Vereinigten Staaten einer kaputten Glocke so viel Aufmerksamkeit geschenkt wird. Hat sich schon einmal jemand gefragt, wie es wohl klingt, wenn noch einmal jemand diese Glocke läutet?
¹Das ist ein (weniger bekannter) Teil der Inschrift der Glocke. Wer hier aber vorschnell “geh weiter und verstau sie” liest, hat sich geirrt. Es handelt sich um die Nachnamen der beiden Glockengießer. Manchmal schreibt die Wirklichkeit die besten Satiren.
Wer in seinem entflammten Kopf die hirnverbrannte Idee entwickelt, dass öffentliche Bücherverbrennungen eine akzeptable Form der “Auseinandersetzung” seien, belegt damit nur sein archaisches Weltbild und seine glücklicherweise noch im Harmlosen verweilende Lust an der Zerstörung. Wie gern sich der Hass doch als Religion verkleidet, und wie austauschbar dabei doch der Name der Religion ist!
π ≈ 3,141 592 653 589 793 238 462 643 383 279 502 884 197 169 399 375 105 820 974 944 592 307 816 406 286 208 998 628 034 825 342 117 067 …
Am 18. Januar des Jahres 1897 wurde dem Repräsentantenhaus des US-Bundesstaates Indiana ein Gesetzentwurf vorgelegt, und diese Vorlage wurde ohne Gegenstimme angenommen. Inhaltlich ging dieses Gesetz auf die Arbeiten von Edward Johnston Goodwin zurück, aus denen sich ein exakter und verblüffend einfacher Wert für die mathematische Konstante π ergeben sollte — Johnston selbst meinte hierzu, dass er das exakte Maß des Kreises auf übernatürliche Weise erfahren habe. Obwohl Johnstons verschiedene Arbeiten keineswegs auf den gleichen Wert für π kamen, sollten sie zur Grundlage einer gesetzlichen Festlegung der Konstante gemacht werden. Die bisher gebrauchten Werte für π wurden in der Gesetzesvorlage als völlig fehlerhaft und in praktischen Anwendungen irreführend bezeichnet, an ihre Stelle trat die im Alltag recht handliche Festlegung π = 3,2, die ja auch schönen, glatten Ergebnissen beim Rechnen führt. Auf die naheliegende Idee, dass mathematische Wahrheiten nicht durch einen Gesetzgebungsvorgang geschaffen würden, scheint kein Beteiligter gekommen zu sein.
Dass dieses Gesetz niemals in Kraft trat, ist der Tatsache gedankt, dass zufällig ein Mathematikprofessor als Gast an der Sitzung teilnahm und nach der Verabschiedung im Repräsentantenhaus die Parlamentarier im Senat aufklärte. (In Indiana müssen beide Kammern des Parlamentes, das Repräsentantenhaus und der Senat, einem Gesetze zustimmen.) Nach seiner Aufklärungsarbeit wurde die weitere Beratung der Vorlage am 12. Februar 1897 im Senat auf unbestimmte Zeit vertagt, und in diesem Zustand ist das Gesetz bis heute.
An diese Geschichte von der faktenschaffenden Dummheit eines parlamentarischen Betriebes sollte sich jeder Denkende jedes Mal erinnern, wenn angesichts der Anzahl der offenen Arbeitsstellen und der viel größeren Anzahl der Menschen ohne Arbeit irgendwelche weltfremden Angehörigen der classe politique — nur geringfügig durch das Propagandawort von den “Anreizen” — verklausuliert davon sprechen, dass die Arbeitslosigkeit ihre Ursache in den Menschen ohne Arbeit hat und dass diese Menschen deshalb nur stark genug zu eigenen Bemühungen gedrängt werden müssten, damit sich das Problem der Arbeitslosigkeit von allein erledige. Denn auch die Wahrheit, dass den [Stand: Januar 2010] 4.758.953 “offiziellen” Arbeitslosen, die mindestens um die 1.543.888 Menschen in meist sinnfreien und unter Teilnahmezwang stehenden Maßnahmen zum Bewerbungstraining und optimierten Selbstverkauf zu ergänzen wären, lediglich [Stand: Februar 2010] 942.000 offene Stellen gegenüber stehen, ändert sich nicht schon dadurch, dass Parlamentarier vom “Fordern und Fördern” faseln und ansonsten auf den Weihnachtsmann zu hoffen scheinen, der den Menschen in der BRD ganz viel Arbeit bescheren soll, ganz so, als sei Arbeit ein seliges Geschenk und nicht eine Last und als sei die Übernahme vieler leidiger Tätigkeiten durch Maschinen etwas anderes als ein glückvoller Segen. Der beständig von den Fakten abgewandte Blick deutscher Parlamentarier und ihre Zuwendung zu zwar handlichen, aber offenkundig absurden Theorien des “Arbeitsmarktes” als Grundlage für gesetzliche Regelungen ist keinen Deut weniger dumm als der Versuch, die mathematische Konstante π durch ein Gesetz auf den Wert 3,2 festlegen zu wollen.
Wenn der Faschismus nach Amerika kommt, denn wird er in die Flagge gehüllt sein und ein Kreuz tragen.
Sinclair Lewis (1835)
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Es entbehrt nicht einer gewissen unfreiwilligen Komik, dass die Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten von Amerika — also des Staates, der maßgeblich dafür Sorge trug und trägt, dass die Hanfpflanze wegen gewisser Inhaltstoffe weltweit kriminalisiert werde — ausgerechnet auf Hanfpapier geschrieben wurde.
Harold Hirsch ist der Name eines US-amerikanischen Anwaltes. Er war ab 1909 bei der Coca Cola Company verantwortlich für Rechtsangelegenheiten. Um die Marke für eine braune, zuckrige Brause durchzusetzen — das Wort “Coca Cola” war in der Umgangssprache der einfachen Menschen längst ein Gattungsbegriff für diese Art von alkoholfreier, mit Koffein und teils auch noch Kokain versetzter, anregender Limonade geworden — beauftragte und bezahlte er etliche Detektive, die in den damals populären Soda-Bars als Kunden auftraten und auf diese Weise Proben der dort unter der Bezeichnung “Coca Cola” ausgeschenkten Limonaden nahmen. Auf diese Weise ermittelte er, ob dort auch wirklich das Produkt der Coca Cola Company ausgeschenkt wurde, und jeden Verstoß ließ er gerichtlich verfolgen. Später optimierte er die Vorgehensweise, indem er im Jahre 1915 eine firmeneigene Abteilung für derartige Ermittlungen aufbaute. Die “Spione” waren Angestellte mit einem richtigen Vollzeit-Job geworden, externe Dienstleister wurden nicht mehr benötigt und nicht mehr beauftragt. Ferner strengte Hirsch Prozesse gegen jede Getränkefirma an, deren Produktnamen auch nur eine entfernte klangliche Ähnlichkeit zu “Coca-Cola” hatten, oder die ebenfalls rote Fässer verwendeten oder auch nur das rautenförmige Etikett der damaligen Flaschen mit Coca-Cola. Ferner versuchte er — in diesem einen Punkt erfolglos — die braune Farbe der Limonade als Bestandteil der Marke schützen zu lassen. Nach nicht einmal zwanzig Jahren hatte der Rechtsanwalt gut siebentausend Mitbewerber auf juristischem Wege “erledigt” und strengte weiterhin jede Woche eine Klage an, und zwar mit einem für die meisten Gegner existenzbedrohenden Streitwert.
So entstand eine Weltmarke, die heute so gern mit allerlei lustvollen Attributen wirbt und für viel zu viele Menschen, in deren Hirne leider jeden Tag die Allgegenwart der Reklame prasselt, zu einer künstlichen Ikone der Lust und der Freiheit geworden ist. Der “american dream” ist vor allem traumhaft für Besitzende mit einem Hang zur rücksichtslosen Durchsetzung ihrer Ansprüche. Alle anderen. Dürfen kaufen und trinken, was ihnen vorgesetzt wird, wenn sie das noch können.
In letzter Zeit, in der ich immer wieder über Abmahnungen gegen kleine, private Internetsites in der BRD lesen musste, musste ich oft an dieses kaum bekannte Detail der Geschichte der US-amerikanischen Popkultur denken.
Wenn die “nationale Sicherheit” der USA so sehr davon abhängt, dass auch ja kein Bildmaterial der jahrelang praktizierten Folter in den menschenverachtenden KZs der Bush-Ära an die Öffentlichkeit gelangt, denn spiegelt sich darin so ganz nebenbei wider, worauf dieser Staat USA und die ganz typische Lebensart seiner Bewohner und seiner Beherrscher beruht — nämlich darauf, dass Menschen ein Leben voller Quälerei und Todesangst durchstehen müssen. Und das. Nicht nur in Guantanamo.




