Schlagwort-Archiv: Pathologisierung


Psychiatrie

Die Psychiatrie ist die unheilige Inquisition des “aufgeklärten” Zeitalters.

“Der war irre”, sagt der Irrsinn

Nachdem — anders als es von der medialen Kriegspropaganda der täglich in die Hirne gestreuten Islamangst gewünscht war — völlig klar ist, dass der Mörder von Oslo und Utøya kein armer und leicht fanatisierbarer Moslem mit geringer individueller Lebensaussicht, sondern ein vermögender und offenbar gebildeter Christ mit extrem konservativer Weltsicht war, ist klar, was die nächste Strategie in der medialen Darstellung sein wird: Der Mörder wird wortreich zum Psychopathen erklärt werden, zum irren Einzeltäter, damit auch nicht ein Gedanke an den sozialen und politischen Kontext verschwendet werden muss, in dessen Schatten eine derartige Mordlust erblühen konnte. Denn das. Ist beinahe eine Konstante in der medialen “Aufbereitung” politischer Gewalt: Die Täter aus dem “linken” politischen Spektrum und seit zehn Jahren auch jene mit islamisch-religiösen Hintergrund sind organisierte und gefährliche Terroristen, denen gegenüber ein so gewaltiger und nach Möglichkeit auch gewaltsamer Präventivstaat aufgebaut werden muss, dass darunter bürgerliche Freiheitsrechte zu ersticken drohen; die anderen Täter hingegen, deren Tat sich als ein vergrößerendes Zerrbild des “konservativen” Wertekanons darstellt, sind irrsinnige Einzeltäter.

Übrigens: Der offene Rassist Thilo Sarrazin ist übrigens immer noch Mitglied der SPD und wird immer noch von einem Medienapparat umhätschelt, der ihm die Möglichkeit gewährt, sich und die von ihm offensiv vertretene Ideologie in Szene zu setzen — neuerdings sogar ausgerechnet aus der Opferrolle… dokumentiert und gesendet im Zweiten Deutschen Fern-Sähen.

Unkrank

Er sagte: “Nein, ich bin nicht depressiv. Mein Leben ist so scheiße.”

Wer schaut, ist geisteskrank!

Es ist jetzt schon einige Zeit her, dass ich von den Beamten einer vorbeifahrenden Polizeistreife ausführlich kontrolliert wurde und dabei auch einige Fragen zu hören bekam, deren Zweck einzig darin bestand, meinen Geisteszustand zu untersuchen: Fragen nach meinem Namen (bei anschließendem Vergleich des mitgeteilten Namens mit dem Personalienausweis* in der Hand), dem aktuellen Datum, der Tageszeit und auch nach dem Ort, an dem ich mich befand; ganz so, als sei ich nicht mehr bei Sinnen gewesen. Abgeschlossen wurde die spontane Befragung mit der Frage, ob ich gedächte, Selbstmord zu begehen. Der offensichtliche Verdacht der Polizisten, ich hätte ein gestörtes Verhältnis zu grundlegenden Aspekten der Realität, er wurde nicht etwa dadurch erweckt, dass ich wie ein Berserker brüllend durch die Straßen gegangen wäre, denn sonst müssten eine solche plumppsychologische “Untersuchung” bei jedem Volksfest und jedem Fußballspiel zehntausendfach durchgeführt werden. Nein, ich zeigte kein Zeichen von Aggression und war vollkommen ruhig. Meine für das langsam vorbeifahrende Auge so verdächtig aussehende “Tätigkeit” bestand darin, dass ich an einem Fluss stand und mehrere Minuten lang einen Reiher betrachtete, der reglos in die trüben Fluten schaute, so, wie Reiher dies zu tun pflegen. Dass einer herumsteht und abseits der Bedingungen eines gesellschaftlichen Prozesses, der unentwegte Hast und Tätigkeit von allen Menschen fordert, für einen kurzen Moment müßig innehält, um einen erfreulichen Aspekt seiner Welt zu betrachten, das reicht (mindestens) bei diesen beiden Uniformierten hin, um den Verdacht einer Geisteskrankheit zu erwecken, um einen innehaltenden Menschen offen und kalt zu pathologisieren, während man das Hoheitszeichen an Arm und Kopf trägt. Eine routinierte Geste, die ihre schnelle Wirkung nicht verfehlt, die aber erst mit etwas zeitlichem Abstand verstanden wird. Mögen die “Gesunden” noch viel Spaß beim Strampeln im Kühlschrank haben!

*Das in Plastik eingeschweißte Kärtchen weist meine Personalien aus, und nicht etwa mich als Personal.

Geistige Gesundheit

Allzu oft zeigt sich geistige Gesundheit in Zeiten des umfassenden gesellschaftlichen Zerfalls darin, dass der Gesunde von vielen Menschen — darunter auch Fachleute und Mediziner — allzu leicht und ohne besondere Mühe in der Diagnostik für krank erklärt wird.

Und nein, nicht jeder Idiot ist deshalb gleich geistig gesund…

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