Er sprach so scheinbar rational von der Wichtigkeit des Naturschutzes, dass es fast überzeugend klang. Doch mit “Naturschutz” meinte er, wann immer man das Wort vorsichtig nach seiner Bedeutung abklopfte, dass “die Natur vom Menschen getrennt” werden müsse, dass das zivilisatorische Agieren des Menschen also nicht ein Natürliches sei. In der scheinbaren Rationalität der Forderung nach dem Erhalt der natürlichen Lebensbedingungen verlarvte sich die Irrationalität des menschlichen Narzissmus, die scheinbar unausrottbare Auffassung, dass der Mensch über die gemeine Natur erhaben sei. Es war nur ein Spiegelbild des unbändigen und oft brutalen menschlichen Gestaltungsdranges, welcher der Welt seinen Stempel aufdrückte und aufdrückt; ein Spiegelbild, das sein Urbild anfeindete, aber dabei. Genau so unreflektiert wie dieses war.
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Vuvuzela (die, Substantiv) — Gedankenzerdröhung, Hirnstaubsauger, Lärmverdummung, Akustischer Präsentierteller für Reklame und Propaganda
Von der Vuvuzela — übrigens ein Wort, das bis vor einigen Tagen kaum jemand kannte, so dass wohl jeder diese wenig ansprechend gestalteten Objekte mit dem deutlich deutschen Namen “Tröte” bezeichnet hätte — wird gesprochen, als handele es sich dabei um ein unabdingbares afrikanisches Kulturgut. In Wirklichkeit. Handelt es sich um einen billig herzustellenden Fanartikel aus Plastik, der gewiss mit großen Gewinnmargen verkauft wird. Dass diese auf maximalen Lärm optimierten Tröten trotz der lärmbedingten Gesundheitsgefahren nicht wie andere gefährliche Gegenstände aus den Stadien verbannt werden, liegt nicht etwa an der afrikanischen Kultur, wie es so gern behauptet wird, sondern am Nutzen dieses Krachs für die fernsehgerechte Aufbereitung des großen vaterländischen Ablenkungstheaters der Geldmeisterschaft. Der Lärm erweist sich als unendlich nützlich, um die Stimme der Sportbrüllreporter schwer verständlich zu machen, und deshalb wird er auch mit erheblichem Pegel in den Hintergrund der Berichterstattung gelegt. In der Folge stellen Menschen ihre Empfangsgeräte schön laut, um doch noch etwas zu verstehen, und diese Lautstärke brüllt offenbar gewünschtermaßen jeden reflektierenden Gedanken nieder.
Wie absichtlich dieser Mechanismus eingesetzt wird, zeigt sich daran, dass in den Nachbetrachtungen des jeweiligen Gekickes, wenn sich Herr Netzer mit einem mit unbekannten Reporterdarsteller über das vergangene Spiel unterhält, ebenfalls dieser Lärm im erheblichen Pegel aufgeschaltet wird, obwohl er in diesem Studio wohl sehr gedämpft oder gar nicht hörbar sein wird. Der Zuschauer dieses Spektakels und Zuhörer dieses Angriffes auf Trommelfell und Denkmuskel kann dann voller Erstaunen erleben, wie gut auf einmal die Sprachverständlichkeit wird, wann immer zu einem Interview mit einem Fußballspieler direkt in einen Raum im Stadion geschaltet wird, ohne dass dieser Lärm dort dermaßen deutlich zu hören ist wie im gut isolierten Studio des bundesdeutschen Staatsfernsehens. Die Vergällung der aufgeführten Gespräche mit einem Krach, der es so sehr erschwert, dem “Inhalt” dieser Gespräche zu folgen, sie wird also absichtlich von den Tontechnikern des bundesrepublikanischen Staatsfernsehens vorgenommen. (Generell wird bei “Fernsehereignissen” dieser Größenordnung und dieses Preises nichts dem Zufall überlassen.)
Übrigens ist es ein Leichtes, die Sprachverständlichkeit zu verbessern. Ich habe eine Tonaufnahme von etwa einer halben Stunde Länge mit einem Notch-Filter für den Frequenzbereich zwischen 250 und 350 Hertz und einer leichten Anhebung der umgebenen Frequenzen behandelt und konnte auf diese Weise mit sehr geringem Aufwand eine erhebliche Verbesserung erzielen, ohne dass die “Atmosphäre” (was für ein Euphemismus, um infernalischen Krach damit zu bezeichnen!) zu sehr darunter gelitten hätte. Wenn ich so deutlich davon schreibe, dass es sich beim pegeltonartigen Gedröhn der Vuvuzelas um ein absichtsvoll den restlichen Ton so erdrückendes Element handelt, denn ist das nicht etwa eine in mir schlummernde Tendenz zur Verschwörungstheorie, sondern. Die hoffentlich auch für andere Menschen nachvollziehbare Annahme, dass einem professionellen Team von Tontechnikern und der Phalanx der ihnen verfügbaren Studioausstattung wohl etwas möglich sein muss, was ein Amateur wie ich mit freier Software (Audacity) und einem recht betagten Computer hinbekommen kann. Dass dies nicht geschieht, deutet auf Absicht hin. Welche erwünschte psychologische Funktion sich allerdings hinter dieser Absicht verbergen mag, das fällt ebenso in den Bereich des Spekulativen wie die Antwort auf die Frage, wessen Wunsch da erfüllt wird. (Die Reklame zwischen dem ganzen Krach hat natürlich eine exzellente akustische Verständlichkeit, und sie wird wohl auch oft recht laut gestellt sein.) Ohne explizit geäußerten Wunsch wird kein Tontechniker dieser Welt eine derart schlechte Arbeit leisten.
Danke K., für den Hinweis und für die Tonaufnahmen. Ich bin fassungslos, wie unerträglich das alles wirklich ist!
Alles Große, Erhebene, Wunderbare in der Geschichte der menschlichen Kultur entstand nur, weil gewisse Menschen aus reiner Lust an diesem Tun mehr getan haben, als sie in ihrer Lebenssituation hätten tun müssen. Aber alljenes, das nicht in erster Linie groß ist, aber aller Menschen Alltag erleichtert und ihnen mühsame Arbeit erspart, entstand aus der anderen, nur scheinbar entgegengesetzten psychischen Strebung heraus, aus der so oft verunglimpften und doch kulturell so fruchtbaren Faulheit. Die wirklich großen Menschen sind immer jene gewesen, die allzu genau um ihre eigenen Schranken wussten und sich nicht in süßen narzisstischen Tagträumen eingebildeter Allmacht verloren; die es — entgegen allem Unverständnis und aller Kritik ihrer Zeitgenossen — verstanden, bei den leidigen Tätigkeit kreativ faul zu sein, um aus ihrer Lust heraus kreativ tätig zu sein. Sie waren jene, die ihr Hirn nicht nur wie eine lächerliche Krone auf ihrer Evolution trugen, sondern es auch benutzten.
Wer noch weiß, was ein Gedicht ist, wird schwerlich eine gutbezahlte Stellung als Texter finden.
Theodor W. Adorno, Theorie der Halbbildung
Vermutlich ist die Lyrik die älteste Form künstlerischen sprachlichen Ausdruckes. Sie war keine nutzlose Kunst. Die formale Gestaltung, die Tendenz lyrischer Ausdrucksweise, Begriffe über den Gleichklang und das Metrum miteinader zu verbinden, weist in eine Zeit zurück, in der Menschen keine Schrift zur Verfügung hatten und sich dieser sinnlichen Qualitäten als ein Mittel bedienten, Text zum Erzählen (und zum Zaubern, denn ihre Weltanschauung war magisch) im Gedächtnis zu behalten. Tatsächlich ist solcher Nutzen der Form in der Triviallyrik der Volksweisheiten und Sprichwörter, obwohl im Verklingen begriffen, bis heute vernehmbar:
Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht,
so oft er auch die Wahrheit spricht.
Mit der zunehmenden persönlichen Nutzlosigkeit auswändig verfügbaren Wissens in einer vom Buchdruck und lichtschnellen Medien geprägten Gesellschaft ist der Untergang der Lyrik eine folgerichtige Erscheinung, und der einst vom Hören einer aus dem Alltag sprießenden Lyrik geschulte Feinsinn der Menschen unter den Bedingungen des über die Gesellschaft ablaufenden Prozesses folgt dieser Entwicklung, ohne dass etwas anderes entstanden wäre, den Sinn für sprachliche Harmonie zu schärfen. Was von der einst so bedeutenden Lyrik verblieben ist, das sind die Texte der industriell erstellten und lärmend gewordenen Populärmusik, deren Inhalte zumeist den allgemeinen Mangel an befriedigender Sexualität widerspiegeln. Und. Das als Show eines unterhaltsamen Wettbewerbes dargebotene Marktgeschreie auf so genannten “poetry slams”.
Das Museum ist ein humanistisches Bastardkind der Kirche, und es transportiert auch die gleiche Verachtung der Möglichkeiten des Lebens in sich. Die in jedem Museum sichtbare Geste des Götzendienstes, mit welcher die Leistungen der Elite einer vergangenen Zeit zur andächtigen Schau und zur Verehrung an die Wand gestellt werden, teils nur aus dem einen Grunde, weil sie eben alt sind, sie ist ein Spiegelbild der Angst vor der Zukunft und der Missachtung der gegenwärtigen Möglichkeiten. Und. Während sich in dieser gesellschaftlich angesehenen Haltung der Blick nach rückwärts windet, hat sich längst die Angst vor der Zukunft, die übrigens immer auch eine Angst vor der Gegenwart und der mit ihr verbundenen Verantwortung ist, in die Seelen der ach so andächtig Blickenden mit ihrem eingeübten Kulturwürdigungsgesicht gesenkt. Jene zweifellos lebenden Genies der Gegenwart, deren feines Fühlen ihnen verbietet, ihren Drang zum Schaffen in der Werbebranche oder einem anderen Zweig der Industriekultur vermarktbar zu machen, fallen unterdessen in das persönliche Elend und die gesellschaftliche Verachtung. Das Museum ist ein Friedhof der Kultur, und die in seinen scheinheiligen Hallen von den Anwesenden abverlangte Geste der Andächtigkeit entspricht der aufgesetzten Würde einer Bestattung. Sie ist auch oft. Genau so. Schamlos verlogen.
Die Raumsonden Pioneer 10 und Pioneer 11 sind die ersten von Menschen angefertigten Objekte, die das Sonnensystem verlassen. Deshalb wurde von den Konstrukteuren an die recht geringe Wahrscheinlichkeit gedacht, dass eine außerirdische Zivilisation in vielen Jahrmillionen einmal dieses technische Artefakt unserer Kultur finden könnte, wenn sich unterdessen die Menschheit schon längst in Wohlgefallen, Sternenstaub und Vergessen aufgelöst hat. Auf den Sonden ist eine außerordentlich haltbare, vergoldete Plakette aus Aluminium angebracht, die mit einer eingravierten Zeichnung von unserer Existenz berichten soll.

Vor einer schematischen Darstellung der Sonde — diese hat der “Empfänger” ja vor sich — ist ein nackter Mann und eine nackte Frau dargestellt. Unter dieser Darstellung befindet sich eine stark schematisierte Darstellung unseres Sonnensystemes und links von dieser Zeichnung eine Positionsangabe unserer Sonne, die mithilfe der Positionen von 14 Pulsaren und dem Abstand vom Zentrum der Galaxie mitgeteilt wird. Der dritte Planet im schematischen Sonnensystem ist hervorgehoben, von ihm aus geht die Sonde auf Reisen. Da zu den Pulsaren auch ihre gegenwärtige Frequenz angegeben wird und sich diese Frequenzen im Laufe der Zeit reduzieren, ist auch der ungefähre Zeitpunkt des Sondenstartes ermittelbar, wenn dieses Objekt einmal gefunden und die Botschaft verstanden wird. Die numerischen Angaben sind im Binärsystem gegeben, als Bezugsgröße dient der ebenfalls in Form einer Zeichnung dargestellte Hyperfeinstruktur-Übergang eines Wasserstoffatomes.
Es ist ein in seiner Verzweiflung und Hilflosigkeit geradezu rührender Versuch, etwas von der vergänglichen menschlichen Zivilisation in den kalten Kosmos hinein mitzuteilen. Dieser Versuch zeigt vor allem, dass die Menschen sich keine andere Lebensform als Menschen vorstellen können, deshalb wird in dieser Zweckgrafik eine Form der Wahrnehmung vorausgesetzt, die spezifisch menschlich ist. Ich würde keine hohe Wette darauf halten, dass eine gänzlich unirdische Intelligenz diese Zeichnung überhaupt als eine Form der Mitteilung erkennen kann, und ob die zweidimensionale Projektion der Wirklichkeit in Form einer Zeichnung verständlich ist, darf ebenfalls bezweifelt werden. (Schon die grundlegende Annahme, dass völlig anders entstandene Wesen in ihrer Wahrnehmung ähnlich stark visuell wie Menschen geprägt sein sollten, ist fragwürdig.) Wenn dieser Teil des Kommunikationskanales aber wider meiner Erwartung gut gewählt sein sollte, denn dürfte die im Menschenpaar dargestellte Zweigeschlechtlichkeit der Menschheit für einiges Rätselraten sorgen, und die erhobene Hand des Mannes wird gewiss nicht als ein Gruß erkannt werden, sondern eher Spekulationen um künstliche Gliedmaßen nähren. Die für uns so leicht verständliche Darstellung des Sonnensystemes wird ebenfalls ihre Rätsel aufgeben, vor allem werden sich die Empfänger fragen, wieso eigentlich alle dargestellten Objekte den gleichen Abstand voneinander haben und wieso eines dieser Objekte — es soll der Saturn mit seinem wunderschönen Ringsystem sein — in deutlicher Weise durchgestrichen ist, und ob das wohl darauf hindeute, dass wir dieses Objekt abgebaut oder vernichtet hätten. Und. Die verwendete Metapher des Pfeiles, um die Richtung der Sonde anzudeuten, ist ebenfalls ein Kandidat für schwere Missverständnisse. Was immer eine außerirdische Intelligenz in diese Grafik hineindeuten wird — das Objekt wird ja wenigstens sicher als künstlich erkannt, wenn es überhaupt im weiten Nichts gefunden wird, und es wird deshalb wohl auch untersucht werden und zu allerlei Spekulationen Anlass geben — es wird beinahe nichts mit dem zu tun haben, was wir damit sagen wollten. Die warme Hirnsucht der Wissenschaftler, die mit den Pioneer-Sonden das erste Mal richtige Raumfahrt betrieben haben, über diesen Kanal ein Zeichen für die Existenz der Menschheit zu setzen, läuft ins Leere. Die Menschheit wird unerkannt aussterben. Zum Glück wird das Aussterben auf diese Weise nicht noch schmerzlicher.
Wenn diese Platte überhaupt an jemanden etwas mitteilen kann, denn an die Menschen, die diese Platte in den Weltraum geschossen haben. Und. Das ist die Mitteilung, wie fremd wir wirklich im Raume sind, wie sehr wir nur zur vertrauten Erde gehören. Es wäre viel gewonnen, wenn dieser Teil der Botschaft bei allen Menschen ankäme und sie dazu brächte, ihre planetare Heimat nicht länger unter der hirntoten Ideologie eines unbegrenzten Wachstums bis zur Vernichtung auszubeuten. Aber. Auch diese Kommunikation scheint hoffnungslos. Allein schon deshalb. Hoffnungslos, weil die einzige und sehr hitzig geführte Diskussion, die damals in den USA am Thema dieser Platte entbrannte. Nur. Das eine Thema kannte, ob man die menschlichen Geschlechtsteile denn so unverhüllt den Außerirdischen zeigen könnte.
Damit etwas als bewegendes Bild im Fernsehen oder in einem Kinofilm gezeigt werden kann, muss es mit dem Vorgang äußerer, sichtbarer Bewegung verbunden sein. Das ist einiges. Aber. Vieles ist eben auch gar nicht in dieser Weise darstellbar. Zum Beispiel ist es unmöglich, den recht einsamen, stummen und optisch unattraktiven Vorgang einer sorgfältigen, nachdenklichen Erwägung eines beliebigen Themas in einem Medium bewegter Bilder darzustellen, ohne die Zuschauer damit zu langweilen, und deshalb gibt es solche Darstellungen eben auch nicht.
Im gleichen Maße, in dem die Medien Fernsehen und Film bedeutend für die Weltwahrnehmung der meisten Menschen geworden sind, tritt die Vorstellung der sorgfältigen Benutzung geistiger Fähigkeiten zurück. Der Schwerpunkt der Aufmerksamkeit verlagert sich auf die sichtbare Tat, nicht auf den dahinter stehenden mentalen Prozess. Gerade die lichtschnelle und stets Aktualität schreiende Darbietung des Fernsehens übt dabei ein Drängen auf Handelnde im öffentlichen Lichte aus, ihre Taten schnell und mit wenig Überlegung auszuführen — und diese medial dargebotene Vorlage der herrschenden Elite wird von den Beherrschten allzu leicht aufgenommen. Das Tun wird dabei zum reinen, eher reflexartigen Verhalten. Und. Es ist genau so leicht und billig zu beeinflussen wie ein reflexartiges, auf gedrängte Reaktion beschränktes Verhalten. Das Verdörren jeder höheren kulturellen und intellektuellen Leistungsfähigkeit im allgegenwärtigen Flackerschein der bildgebenden Volksempfänger ist ein zwangsläufiger Prozess.
Alle offiziellen Maßnahmen und Förderungen der Republik Irland können es nicht aufhalten, dass die — in meinen Ohren übrigens recht wohlklingende — irische Sprache vom endgültigen Verklingen bedroht ist. Es hilft nicht einmal, dass für die verbliebenen, vielleicht sechzig- bis achtzigtausend aktiven Sprecher des keltischen Idioms alle Ausschilderungen zweisprachig gehalten sind, dass das Irische zur offiziellen Amtssprache der Republik erhoben wurde, dass es im staatlichen Rundfunk verwendet wird und dass es an den regulären Schulen als Pflichtsprache gelehrt wird.
Wer in Irland “etwas werden will”, lernt Englisch und spricht es im Alltag so oft wie möglich, um darin eine große Geläufigkeit zu bekommen. Die englische Sprache ist der Schlüssel für den individuellen sozialen Aufstieg geworden. In der allgemeinen Wahrnehmung sind die Sprecher des Irischen vor allem zurückgebliebene, bäuerliche Menschen in schlechter sozialer Lage; niemand mag gern zu dieser Klasse gehören. Dass sich einige gewohnheitsmäßig gebrauchte Redensarten halten, kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass für die meisten Iren die gesprochene, geschriebene, gedachte und zum Handeln führende Sprache die englische geworden ist, während eine ganze Sprachkultur immer mehr auf eine folkloristische Dekoration reduziert wird.
Jede Sprache formt das Denken ihrer Sprecher. In der irischen Sprache gibt es eine bemerkenswerte grammatikalische Erscheinung bei den Zahlwörtern. Die meisten modernen Sprachen kennen den Unterschied zwischen Kardinalzahlen (eins, zwei, drei) und Ordinalzahlen (erster, zweiter, dritter). Diese beiden Kategorien sind auch im Irischen bekannt. Darüber hinaus gibt es im Irischen noch zwei weitere Kategorien von Kardinalzahlen, die verschiedene Formen bilden. Die eine Form wird verwendet, wenn Gegenstände gezählt werden (amháin, dhá, trí), die andere Form wird verwendet, wenn Personen gezählt werden (duine, beirt, triúr).
In dieser grammatikalischen Eigenheit der irischen Zahlwörter spiegelt sich ein großer Respekt vor der Person als solcher; ein Widerstreben. Menschen. Mit den gleichen begrifflichen Kategorien zu erfassen, die für materielle Werte und Gegenstände gebraucht werden. Wo in der Abstraktion der Zahl rechnerisch alles miteinander kommensurabel gemacht werden kann, baut diese Sprache ein (schwaches) begriffliches Hindernis auf und zeigt somit ein aus der Vergangenheit herüberhallendes Bewusstsein darüber, dass sich das Leben eines Menschen nicht beliebig verrechnen lässt.
Von daher ist es gar nicht überraschend, dass eine so denkende Sprache unter den Bedingungen des gegenwärtig über die Gesellschaften ablaufenden Prozesses verstummt — dieses Verstummen der einst europaweit gesprochenen keltischen Sprachen begann bereits im ausgedehnten imperium romanum, und es setzt sich bis heute fort.
Dank an I., der mich auf diese Eigenart des Irischen und ein paar Hintergründe aufmerksam gemacht hat, und: Viel Erfolg auf der Hannover-Messe! Ich hoffe, die Zahlwörter in einer mir vollständig unverständlichen Sprache sind richtig geschrieben…
Herzlichen Glückwunsch zum Erwerb der Mitgliedschaft in einer religiösen Organisation des Christentums. Sie haben sich für ein international anerkanntes Spitzenprodukt der späteren römischen Kultur mit einer 1600jährigen Tradition entschieden. Wir danken ihnen für ihr Vertrauen und für ihre Bereitschaft, einer guten Milliarde zufriedener Nutzer unseres Produktes beizutreten.
Damit sie eine lange und ungetrübte Freude mit diesem großartigen, kulturellen Produkt haben und auch seine verborgenen Möglichkeiten besser kennen und verstehen lernen, nehmen sie sich bitte die Zeit, die folgende Kurzanleitung sorgfältig zu studieren. Sollten sie dabei weiter gehende Fragen haben, wenden sie sich bitte an den für sie zuständigen Kundendienst — die Kontaktdaten erfahren sie in den Publikationen ihrer christlichen Gemeinschaft — oder auch direkt an Gott. Aber beharren sie dabei bitte nicht auf ihrem Verlangen nach einer zufrieden stellenden Antwort oder einem umfassenden und verbindlichen Benutzerhandbuch! Glauben sie uns einfach, wir wollen nur ihr Bestes!
Inbetriebnahme
Die Inbetriebnahme des Christentums ist sehr einfach. Sie bedürfen nur einer so genannten Taufe. Es handelt sich dabei um den Kontakt mit Wasser, der zusammen mit magischen Proklamationen ihre Mitgliedschaft unter den Christen sofort und ohne die Möglichkeit eines späteren Widerrufes in Kraft setzt. Danach sind sie ein so genannter “Christ”.
Wenn sie als Kind christliche Eltern oder einen christlichen Sorgeberechtigten hatten, wurde diese Inbetriebnahme in aller Regel schon im Säuglingsalter durchgeführt und ist vollgültig. Eine besondere Einwilligung oder Entscheidung ihrerseits ist eben so wenig erforderlich wie eine Wiederholung der Inbetriebnahme.
Nach der Inbetriebnahme
Nachdem sie das Christentum in Betrieb genommen haben, sind sie gegen eine Reihe schädlicher Eventualitäten wirksam geimpft. Die steht im Zusammenhang damit, dass alle Menschen nach ihrem Tod weiterleben und dass die Umstände ihres Weiterlebens der Entscheidungsgewalt Gottes obliegen. Gott sortiert die Menschen nach dem Kriterium der korrekten Inbetriebnahme durch eine Taufe, und wer sie aus irgendeinem, auch vernünftigen, Grund versäumt hat, wird von Gott automatisch in die Hölle geworfen. Dies ist eine Folterkammer, in der die Nichtgetauften für eine unendlich lange Zeit auf alle erdenkliche Arten gequält werden. Sie sehen gewiss die Notwendigkeit dieses Impfschutzes gegen die Hölle ein und haben auch Verständnis dafür, weshalb liebende Eltern ihre Kinder unmittelbar nach der Geburt gegen dieses Unheil schützen wollen.
Einige gefährliche christliche Sekten, die es unbedingt zu bekämpfen gilt — vor allem die Zeugen Jehovas — glauben nicht an die Hölle und sind der Auffassung, dass ein liebender und gnädiger Gott die Menschen nach fehlerhafter Inbetriebnahme nur vernichten und nicht endlos quälen würde. Diese an menschliche Maßstäbe von Güte und Gnade angelehnte Vorstellung ist nicht geeignet, die erforderliche Angst den erforderlichen Ernst gegenüber Gott sicher zu stellen und deshalb zu verwerfen. Meiden sie den Kontakt mit solchen Auffassungen nach ihrer Inbetriebnahme!
Funktionsweise
Die Funktionsweise der Inbetriebnahme des Christentums durch die Taufe ist recht komplex und erfordert die Darlegung so genannter “religiöser Wahrheiten”. Der folgende Abriss ist eine kurze Zusammenfassung. Wenn sie tiefer gehende Informationen benötigen, wenden sie sich an ihre Gemeinde und fragen sie dort einen qualifizierten Wartungsexperten für ihr Seelenheil. Sie können sich auch die Briefe von Paulus in der Bibel studieren oder die überall erhältlichen Traktate christlicher Gemeinschaften lesen — aber fallen sie dabei nicht auf das Schriftgut irrationaler und gefährlicher Sektierer herein! Im Zweifelsfall verzichten sie lieber darauf, denn die Funktion ist auch ohne ihr Wissen sicher gestellt.
Der liebende Gott hasst alle Menschen und muss sie deshalb vernichten. Dies steht im Zusammenhang mit Adam, dem ersten Menschen. Dieser wurde von Gott kurz nach Abschluss der Schöpfung in einen Garten gesetzt, in dem Gott auch einen Baum pflanzte, von dessen Früchten Adam nichts essen sollte. Adam hatte auch eine Frau namens Eva, und die Schlangen konnten damals noch sprechen. Die Schlange hat Eva aufgefordert, etwas Obst von diesem Baum zu essen, Eva fand den Anblick appetitlich und aß und Adam tat es ihr nach. Daraufhin mussten die beiden arbeiten, sterben und fern vom Garten leben. Gott hat den Menschen niemals diese Verfehlung verzeihen können und wegen des kleinen Genusses eine ewige Strafe über die ganze Menschheit verhängt.
Um dennoch seine göttliche Liebe zu zeigen, hat sich Gott einen Plan für die Menschen ausgedacht. Er suchte sich ein paar Menschen aus und gab ihnen eine Religion mit Auflagen, die diese Menschen gar nicht erfüllen konnten, das so genannte Judentum. Die Erfüllung dieser Auflagen sollte die Beziehung zu Gott heilen, aber der allwissende Gott wusste natürlich schon vorher, dass die Menschen daran scheitern würden. Sie sollten aber wenigstens einsehen, dass sie keine Chance haben, vor dem unendlichen Zorn des liebenden Gottes zu bestehen. Schließlich suchte sich Gott eine junge Frau aus und ließ sie unter nicht näher geklärten Umständen ein Kind gebären, das sein eigener und einziger Sohn ist: Jesus. Dieser Mensch, der Gott selbst zum Vater hatte, konnte die Gesamtheit der gegebenen Auflagen erfüllen und ließ sich dann wie ein Verbrecher hinrichten, um die von Gott verhängte Strafe des Todes und der Folterung stellvertretend für die gesamte Menschheit entgegen zu nehmen. Schließlich wachte sein Leichnam wieder auf und ging zu seinem Vater, zu Gott, zurück.
Wer sich taufen lässt, nimmt durch diesen faulen Zauber dieses Sakrament das stellvertretende Opfer Jesu an und muss deshalb keine Strafe Gottes mehr befürchten. Zur Verbesserung der Funktion ist es ratsam, aber nicht unbedingt erforderlich, daran fest zu glauben.
Wartung und Pflege
Einer der größten Vorteile des Christentumes gegenüber anderen Religionen ist der geringe Aufwand mit der täglichen Wartung. Es bedarf keines fünfmaligen Gebetes und keiner aufwändigen Denkanstrengung, um ein Christ zu sein, auch ist die sonstige Lebensführung weitgehend uneingeschränkt. Die wesentliche Tätigkeit ist bereits ohne eigenes Zutun geschehen, und so kann sich der Christ nach Gutdünken im Alltag bewegen. Einige Dinge sind aber dennoch zu beachten, sie seien hier kurz zusammen gefasst:
Gebet — Gott ist zwar allwissend und kennt alle Gedanken der Menschen, möchte aber dennoch immer wieder angesprochen, gelobt und schulterbeklopft werden. Hierzu wird das so genannte Gebet verwendet. Der Betende spricht und glaubt, dass Gott ihm zuhört. Wer nicht weiß, was er Gott sagen soll, findet jede Menge biblischer und liturgischer Vorgaben für seine Gesprächsversuche. Ständige Wiederholung einfacher Sätze im monotonen Singsang ist genau die richtige Haltung, ein allwissender Gott kann eh nicht mehr gut unterhalten werden.
Moral — Obwohl der Christ nicht durch eigenes Handeln zu Gott gelangt ist, muss er alles dafür tun, eine möglichst restriktive und angstvolle Moral für möglichst viele Menschen zur verbindlichen Norm zu machen. Besonders bewährt und geeignet zur Verstärkung eines solchen Anliegens sind Angstreden über die Schrecken des höllischen Feuers und göttlichen Zornes, Zuckerreden über die gewaltige Liebe Gottes und unverbindliche “Weisheiten” über den Wert des Lebens und des liebevollen menschlichen Miteinanders. Letztere kann man sogar als Schmuckkarte im KZ oder im christlichen Kinder- oder Pflegeheim aufhängen. Diese religiöse Anwendung ist der einzige Bereich, in dem die wenigen überlieferten Worte Jesu eine gewisse Rolle spielen können, ansonsten zählt für den Christen nur der stellvertretende Tod Jesu.
Gottesdienst — Regelmäßiges Anhören der vernünftigen christlichen Leere Lehre stärkt den Glauben daran. Also mindestens einmal pro Woche zum quasi-beamteten Wartungsexperten für die heilbringende Leere Lehre gehen, und bald schon werden sich alle Fragen in ein Weihrauchwölkchen auflösen. Das göttliche Geschenk des THC im Weihrauch hat sich als bestärkendes Mittel in diesem Prozess bewährt.
Abendmahl — Bei dieser Wartungsarbeit innerhalb des christlichen Gottesdienstes wird vom Wartungsexperten eine Oblate in den gegenwärtigen Körper Jesu und ein Becher Wein in das gegenwärtige Blut Jesu verwandelt. Die Christen erweisen dann Jesus ihre Liebe, indem sie Jesus gemeinsam aufessen und doch nicht daran satt werden. Katholiken sprechen auch von der “Eucharistie”, weil das geheimnisvoller klingt und den wirklichen Sinn der kannibalistischen Handlung besser verbirgt.
Beichte — Um sich immer darüber gegenwärtig zu sein, dass Gott die ethische Verderbtheit des Menschen hasst, sollte keineswegs nach ethischer Vervollkommung gestrebt werden. Stattdessen ist das regelmäßige Bekenntnis der eigenen Verderbtheit abzulegen, um sich aufs Neue und voller geheuchelter Dankbarkeit darüber klar zu werden, dass Jesus die Folgen der eigenen Verderbtheit in seinem Opfertod auf sich genommen hat. Man sagt dabei aber niemals, dass dieser Gnadenakt ja noch größer wird, wenn man noch verkommener lebt und handelt, denn solche Wahrheit ist ausgesprochen unerwünscht. Man lebt einfach so, ohne es deutlich auszusprechen. Aus dieser Haltung resultutiert das besondere ethische Gepräge christlicher Gesellschaften.
Sex — Geschlechtsverkehr darf es nur innerhalb einer Ehe geben, die vom christlichen Wartungsexperten abgenommen wurde und die dann bis zum Tod eines Partners bestehen bleibt. Der Geschlechtsverkehr dient zur Erzeugung von Kindern, Verhütungsmittel sind zu vermeiden. Diese weit gehende Restriktion des stärksten menschlichen Triebes und der größtmöglichen erfahrbaren Lustempfindung führt zu ständigem Scheitern, dass dann durch Beichte behandelt wird. Andere Verfehlungen sind, damit verglichen, unerheblich.
Kinder — Die beim Sex entstehenden Kinder sind immer zu taufen, um ebenfalls gegen die Hölle geimpft zu sein. Für Katholiken gibt es spezielle Löffel, mit denen die Kinder noch im Mutterleib getauft werden können, wenn eine Totgeburt droht. Die Eltern sind angehalten, die Kinder durchzuprügeln und ihnen Angst Respekt vor Gottes Zorn, Gottes Liebe und der unverdienten Gnade durch Jesu Opfer zu lehren. Dies wird im Zweifelsfall auch in christlichen Institutionen zur Vergewaltigung Betreuung von Kindern durchgeführt.
Geld, Besitz und Macht — Der Christ sollte Sorge dafür tragen, dass es zu einer Akkumulation von Machtmitteln bei christlichen Institutionen kommt. Er sollte Geld an christliche Organisationen spenden; frohen Mutes seine Kirchensteuer blechen; seine Kinder in christliche Kindergärten schicken, um noch mehr freie Arbeitskraft zu haben und diejenigen Parteien wählen, deren Kürzel mit einem “C” beginnt oder aber “PBC” lautet.
Auswirkungen des Christentums
Der Christ, der korrekt in Betrieb genommen wurde und den Vorschlägen für die Wartung und Pflege seines Christentumes gewissenhaft folgt, bekommt dafür ein ewiges Leben.
Da die Erfahrung der letzten 1600 Jahre gezeigt hat, dass auch Christen sterben, geht man schon seit längerer Zeit von einem Weiterleben nach dem Tode aus, wobei sich die verschiedenen christlichen Gemeinschaften noch nicht einig über die Einzelheiten geworden sind. In den meisten Fällen handelt es sich um eine Fortexistenz in einem fernen Wolkenkuckucksheim im Himmel, das alle Bedürfnisse abdeckt und für das widerstandslos geduldig ertragene, beschädigte Leben auf der Erde entlohnt. Für Zerstreuung ist dabei gesorgt, kann der Christ doch zusammen mit allen Päpsten, Herrschern, Kriegsherren und sonstigen christlichen Gewalttätern dabei zuschauen, wie alle ungetauften “Gutmenschen” eine Ewigkeit lang in der Hölle gefoltert werden.
Bei solcher Belohnung schickt es sich einfach nicht, nach irdischen Vorteilen zu fragen. Man freut sich einfach auf das Kommende, wenn doch eigentlich alles vergeht. Ansonsten hat man ja auch nichts zum Freuen, wenn man im kulturellen Kontext des Christentums leben muss.
Abschließendes
Sie sehen, das Christentum ist nicht umsonst eine so erfolgreiche Religion geworden. Wir wünschen ihnen viel Dummheit Freude, Gottes billig zuzusprechenden Segen und ein Leben voller sklavenhafter Passivität Hoffnung als Christ.






