Schlagwort-Archiv: Hirnfick


Frauen und Kinder

Wie gern die Journalisten mit ungelenker Hand das psychische Klavier spielen, indem sie davon sprechen, wie schrecklich im Kriege die “Frauen und Kinder” umkommen. Und. Wie wenig sich die gleichen Journalisten daran stören, dass in solcher Stanze mitschwingt, dass das Abschlachten von ausgewachsenen Männern ein weniger empörendes Unrecht ist… ja, wie gern die gemieteten Autoren des Rundfunks- und Presseverlagswesens im Blutton des Boulevards noch betonen, wie “unschuldig” doch diese “Frauen und Kinder” gewesen seien und damit subtil jedem männlichen Opfer zusprechen, es sei an seiner Ermordung selbst schuld.

Die Steuersünder

Wie häufig ich doch zurzeit sowohl in der bürgerlichen Journaille als auch in den sonst so reflexhaft geifernden Blutblättern des Boulevards das Wort “Steuersünder” lese! Wenn die Besitzenden betrügen, empfindet ihr Freund, der Presseverleger, es als unfein und allzu deutlich, den Betrug als “Betrug” zu bezeichnen und lässt seine Lohnschreiber lieber ein unpassend Wörtchen aus der kraftlos gewordenen Religion verwenden; ein Wort, das in der postreligiösen Zeit ansonsten nur noch zur Brandmarkung von leckeren Tortenstückchen und schaufelweise genaschten Schokocremes Verwendung findet. Solche Genüsse passen ja auch besser zur niemals beendeten Rast in jener “Oase”, in der dieser Betrug stattfindet. Dass die egoistische Bereicherung Weniger das Leben Vieler zur Wüste macht, schwingt in der Metapher der “Oase” wie eine freudsche Fehlleistung der Propaganda mit.

“Radfahrer” sind jetzt “Rad Fahrende”…

…und auch ansonsten wurde im Text der Straßenverkehrsordnung keine noch so unnatürlich wirkende politische Zungenstrafe im steten Streben nach politisch korrektem, geschlechtsneutralem Ausdrucke ausgelassen. Gut, dass so sehr auf “Neutralität” geachtet wird, und wenn das Ergebnis solcher Achtung auch noch so krampfgrammatisch wirkt!

Auch in der Vergangenheit gab es immer wieder Änderungen der Geschlechtlichkeit in der Straßenverkehrsordnung, etwa in der Gestaltung von Verkehrszeichen. Im folgenden Suchbild wird etwa das Zeichen “Fußweg” in der Version bis 1971 der gegenwärtig verwendeten Version dieses Zeichens gegenüber gestellt. Den kleinen Unterschied zu finden, sei dem Auge des Betrachters überlassen:

Eine Gegenüberstellung der Verkehrszeichen 'Fußweg' vor 1971 und seit 1971. In der älteren Version nimmt ein Mann das Kind an die Hand, in der gegenwärtig verwendeten Version nimmt eine Frau das Kind an die Hand.

Die feministisch erwünschte Entvaterung der Kinder — die aus solcher Sicht niemals an die Hand eines Mannes gehören — muss schließlich bis in solche Kleinigkeiten der allgegenwärtigen Piktografie durchgezogen werden, genau so, wie das Männliche bis in die offiziell verwendete Grammatik hinein ausgemerzt werden muss.

Surreal

Die Werbung, die sonstigen Mitteilungen von Wirtschaftsunternehmen, die Politik… alles ist eine Scheinrealität — also genauer: eine Wahnhaftigkeit — geworden, die den Massen durch ständig wiederholte, surreale Sprechakte vermittelt und ins Bewusstsein gehämmert werden soll. Die Formen gleichen sich dabei aneinander an, indem sie übertünchen sollen, dass sich in dieser Verpackung kein Inhalt befindet. Kaum noch jemand würde es ohne Hinweis bemerken, wenn unter einem dieser gephotoshoppten Personenwahlkampfplakate der Claim “Ein ganzer Kerl dank Chappi” stünde.

Hundert Prozent Geschmack

Der Vorübergehende sagte zu seinem Zeitgenossen, der sich gerade im Wir-lieben-Lebensmittel-Ramscher eine Tütensoße in den Einkaufswagen legte: “Der Werber, der auf diese Packung in kleinen, aber doch unübersehbar platzierten Buchstaben die stempelartige Zusicherung ‘Hundert Prozent Geschmack’ drucken ließ, kam vermutlich aus der gleichen Agentur, deren Werber damals auf die Idee gekommen sind, auf Komdompackungen die Zusicherung ‘gefühlsecht’ drucken zu lassen.”

Gut, dass ihr kontrolliert…

BIO - Hafer-Cookies - Kontrolliert ökologische Erzeugung

Gut, dass ihr bei Aldi kontrolliert, dass eure Junkfood-Kekse der markanten Marke “Bio” für die “Zielgruppe” der nicht ganz so zahlungskräftigen Ökoablasskäufer auch wirklich “ökologisch” erzeugt werden. Wenn ihr jetzt nur noch dazuschreiben könntet, wie diese Kontrolle aussieht und vor allem, was bei dieser Kontrolle eigentlich herausgekommen ist… :mrgreen:

Entdecker

Anders, als es in den meisten Geschichtsbüchern der Europäer steht, hat Christoph Kolumbus Amerika nicht “entdeckt”. Er war der Vorposten der räuberischen Invasion Amerikas.

Psychologie

Die vielen, meist gut bezahlten Volksverdummer, die so leichtschwätzig das Wort von der “Psychologie des Marktes” in ihrem Munde tragen, machen mit dieser Redensart deutlich, dass sie dabei nicht von der entseelten Dynamik eines Marktes, sondern von einer bestimmten Gruppe von Menschen sprechen — und in Fortführung zeigt sich regelmäßig genau so deutlich, dass die Psyche dieser Menschen von einer Haltung zernagt ist, die mit dem klaren Wort “Gier” am trefflichsten bezeichnet wird.

Der rechtsfreie Raum

Wenn das Internet wirklich ein rechtsfreier Raum wäre, dann könnte man auch in Deutschland jedes Video sehen. So, wie fast überall auf der Welt.

Wille zum Aufbau gab werkfrohen Händen den Segen der Arbeit

Inschrift des nationalsozialistischen Denkmales am Nordufer des hannöverschen Maschsees

Jeder, der das Geschwätz rezipiert, dass Lohnarbeit wichtig für die Selbstverwirklichung eines Menschen sei und dass ein Leben ohne Lohnarbeit deshalb gar kein richtiges Leben sei, braucht nur ein kleines, leicht durchzuführendes Experiment zu machen, um dieses Geschwätz an der Wirklichkeit zu korrigieren. Es reicht hin, montagmorgens zum Arbeitsbeginn in den Aufzug eines Bürogebäudes zu gehen und den anderen Menschen im Fahrstuhle zu sagen: “Ich wollte, es wäre Freitag und nicht Montag”, um ihre mindestens nickende Zustimmung wahrzunehmen. Das Ergebnis dieses Experimentes lässt sich durch einen zweiten Versuch besichern, indem man des Freitagsabends einen derartigen Aufzug betritt und “Ich wollte, es wäre Montag und nicht Freitag” sagt, um die verschiedenen Reaktionen des Unverständnisses zu sehen. Niemand, außer vielleicht einigen Mitmenschen mit einer Neurose wirklich niemand sieht in der Fremdbestimmung der Arbeit ausgerechnet ein Vehikel, das ihm die Selbstbestimmung ermöglicht, so sehr auch Menschen aus der classe politique, Wirtschaftsredner, Soziologen und sonstige Assimilationsarbeiter darum bemüht sind, diese Sichtweise immer wieder in die Gehirne zu stanzen. Menschen hängen einfach zu sehr an ihrem Leben, um eine derartig plumpe Verdrehung der Tatsachen so zu übernehmen, sie wissen einfach in wenigstens vorbewusster Weise zu genau, dass das richtige Leben in Abhängigkeit und Fremdbestimmung nicht möglich ist.

Keine Droge

Zitat stern.de

Am Nachmittag dann die offizielle Bestätigung: Die britische Soulsängerin, die vor drei Monaten tot in ihrer Wohnung aufgefunden wurde, stand bei ihrem Tod unter massivem Alkoholeinfluss. Den gerichtlichen Untersuchungen zufolge ist die fünffache Grammy-Gewinnerin an einer Alkoholvergiftung gestorben. Es wurden keine illegalen Substanzen in ihrem Körper gefunden. Winehouse hatte seit etwa Ende 2008 keine Drogen mehr genommen.

Es ist immer wieder faszinierend, wie selbst im Kontext einer Meldung, dass sich ein alkoholabhängiger Mensch buchstäblich zu Tode gesoffen hat noch darauf hingewiesen wird, dass dieser Mensch doch immerhin keine Droge genommen hat. Das beliebte Rauschgift für die sedierten Massen — ganz gleich, wie viele Beziehungen dieses Gift zerrüttet und wie viele Menschen es zerstört — es gehört ja nicht zu den “Drogen”, die seit 2008 nicht mehr genommen wurden.

Selbstverweis: Über alles wächst Gras

Durch Gott wirds gemacht…

Platte der Reichskrone mit der Abbildung von Jesus ChristusAls Claus Schmiedel, Fraktionsvorsitzender der SPD in Baden-Württemberg, auf der Demonstration für den politisch immer noch gewünschten Stuttgarter Bahnhofsumbau in das Mikrofon sprach, dass über Stuttgart 21 Gottes Segen liege, stellte er sich in eine lange Tradition der zum Herrschen nutzbar gemachten Religion, die schon immer als irrationales psychisches Vehikel der Propaganda vorweg gespannt wurde, wenn die herrschaftlichen Beglückungsideen dem Volke nicht mehr mit Vernunft verkauft werden konnten.

Schon auf der Reichskrone trug die Platte mit dem Abbild des von der Religion durch den Morast gezogenen Jesus aus Nazaret (oder Jesus dem Nazoräer, wenn man dem historisch in vielerlei Hinsicht fragwürdigen Evangelium nach Johannes seine interessante Abweichung von den Synoptikern glauben mag) eine diesem Jesus in den inzwischen — alle Herrschenden habens ihrem Gott klammheimlich gedankt — recht wehrlosen Mund gelegte Aufschrift: “Per me reges regnant” (Die Könige regieren durch mich).

Damals war es nicht zu erwarten, und auch heute ist es nicht zu erwarten, dass die Kirchen in die Hand beißen könnten, die sie füttert. Das pfäffische Pack, das seinen Gott hinter Mauern halten möchte, in denen sich das Licht der Sonne nur als Halbdunkel bemerkbar macht und an denen jedes Geräusch der Lebenden und jedes Lachen verhallt, es passt zu gut zum Reden eines lichtscheuen Gesindels, dass den “Segen Gottes” ausgerechnet dort aufzeigen möchte, wo ein Bauwerk in einer tiefen Kuhle unter die Erde verlegt wird.

Quelle des Bildes: Wikipedia

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