Kategorie: Technisches


#Drosselkom? Drossel, komm!

Piktogramm einer Schnecke mit Telekom-LogoIch ertappe mich dabei, dass mir eine gewisse Heiterkeit aufkommt, wenn ich mir vorstelle, dass die Deutsche Telekom in Kürze unter einem lächerlich großen Aufgebot verlogener und bewusst irreführender Reklame ihre verkappten Volumenverträge als Flatrate* verkaufen wird.

Ich ertappe mich dabei, dass ich mich darüber freue, dass für die Kunden eines großen Zugangsproviders in der Bundesrepublik Deutschland der Aufruf einer “qualitätsjournalistischen” Verlagswebseite zum Luxus wird, von dem viele nach ihrer ersten halbmonatigen Schneckentempo-Erfahrung Abstand nehmen werden. Wenn ich jetzt die Startseite der Süddeutsche (punkt) de aufrufe, werden in 61.767 Bytes HTML-Markup 126 Dateien mit einer Gesamtgröße von 1.378.157 Bytes eingebettet, so dass es für die Darstellung der Schlagzeilen und Anrisse eines einzigen “qualitätsjournalistischen” Produktes zur Übertragung von 1,37 MiB Daten kommt. Darin sind die bei mir vollständig blockierte Werbung und die ebenso vollständig blockierten JavaScript-Wüsten der angebundenen Facebook-, Twitter- und Fragmichnichtwelche-Sozialvermarkter noch gar nicht mitgerechnet. Ein Aufruf meiner personalisierten Google News (personalisiert, weil ich auf Sport und Boulevard lieber verzichte und stattdessen Forschung und Technik bevorzuge) überträgt hingegen nur 417 KiB Daten und gewährt mir einen brauchbaren Überblick über die Schlagzeilen der gesamten deutschsprachigen Presse, bis hin zu in einzelnen Themen interessanten Regionalblättern. Ich probiere das nicht mit jeder größeren Seite aus, aber ich schätze, dass das im Folgenden weiter belegte Missverhältnis bei allen nennenswerten Angeboten vergleichbar ist. Die Startseite von Spiegel Online überträgt 786 KiB, die Startseite der Frankfurter Allgemeinen überträgt 1,29 MiB, die Startseite der tageszeitung überträgt völlig unsozialistische 1,43 MiB und die Startseite von Zeit Online überträgt 605,3 KiB — alle diese Werte habe ich gestern mit blockierter Werbung, aber aktiviertem JavaScript ermittelt. Wer die von Google sehr brauchbar und gut personalisierbar aufbereitete “Pressevielfalt” gegenüber der redaktionellen Einfalt dieser hier kurz erwähnten Verlagswebsites bevorzugt, erhält sich damit also auch ein längeres Vergnügen mit ungedrosseltem Internet. Dass ich als Nutzer und Mitgestalter des deutschsprachigen Internet in meiner Gegnerschaft zum so genannten “Leistungsschutzrecht” ausgerechnet von der Deutschen Telekom eine gewisse indirekte Unterstützung in meiner Gegnerschaft erhalten würde, die in der Form gegeben wird, dass die Profiteure dieses Rechts indirekt abgestraft werden, hätte ich mir niemals träumen lassen.

Ich ertappe mich dabei, dass ich mich darüber freue, dass sich schon nach kurzer Zeit der technikverhindernden, künstlichen Traffic-Knappheit beinahe jeder davon betroffene Mensch fragen wird, ob er sein Datenkontingent wirklich von im Regelfall unerwünschter Werbung auffressen lassen will. Ich freue mich darüber, dass die Verwendung wirksamer Werbeblocker in der BRD zum Regelfall werden könnte und das zurzeit leider immer noch mögliche Geschäft mit Reklame im Internet in der Folge noch unattraktiver, vielleicht sogar unwirtschaftlich wird. Mich freut einfach alles, was Werbern, die nichts weiter als peststinkende professionelle Lügner und Psychomanipulateure sind, schadet. Vergleichbare Gedanken werden von vielen Menschen auch für unnötige Plugin-Inhalte gedacht werden, und auch die Eigenart “moderner” Websites, Aktualität und Dynamik durch ständiges Nachladen von Inhalten über JavaScript zu simulieren, wird viele Menschen zur Frage reizen, ob man so etwas nicht besser unterbindet. In einem Umfeld, in dem übertragene Datenmengen künstlich “verteuert” werden, wird schnell ein Großteil dessen, was das Web mies macht, zu einem Nachteil.

Ich ertappe mich dabei, dass ich breit grinse, wenn ich auf dem Hintergrund von Bandbreitenlimits und Schneckentempo-Internetzugängen nur an das Wort cloud denke. Dieser feuchte Traum der Allesvermarkter, der Computernutzung eine weitere künstliche Abhängigkeit mit der Möglichkeit späteren Geldabgriffs hinzuzufügen, dürfte sich für einen bedeutenden Anteil der Internetnutzer in der BRD erledigen. Mir als jemanden, der wirklich an häufig wechselnden Rechnern arbeitet, hat der besondere Vorzug der so genannten cloud noch nie so recht eingeleuchtet; der Transport einer Speicherkarte mit 8 GiB Kapazität hat mich nicht besonders belastet. Der gegenwärtige Unsinn von “im Browser laufenden Anwendungen” setzt ebenfalls voraus, dass aufgeblähte HTML-JavaScript-Strokeleien einen Datenverkehr im Internet verursachen, der in keinem guten Verhältnis zur Größe der damit bearbeiteten Dokumente steht.

Und. Ich ertappe mich dabei, wie ich die Mundwinkel nicht mehr nach unten bekomme, wenn ich daran denke, was das für die Akzeptanz von Sicherheitsupgrades des benutzten Betriebssystems und der sonstigen benutzten Software bedeuten wird. Im Falle von Oracles Java-Adware (der man unter Microsoft Windows bei jedem verdammten Update explizit mit einem Klick sagen muss, dass man die Ask-Toolbar nicht in seinem Browser haben will) wird vielleicht der eine oder andere feststellen, dass er gar kein Java braucht und sich die Downloads der zurzeit recht häufigen Flickschustereien Oracles sparen kann — wenn nur er erstmal versteht, dass dieses Java etwas anderes ist als das JavaScript, das im Browser ausgeführt wird. Das Verständnis kommt mit dem Leiden und der davon angestoßenen Kommunikation. Die Erfahrung eines unbenutzbaren Internet wird bei diesem Verständnis sehr helfen. Dass andere voluminöse Sicherheitsupdates ebenfalls unterlassen werden, dass also fortan in der BRD die Bots bei denjenigen Menschen konzentriert sind, die Kunden der Deutschen Telekom sind, ist ebenfalls eine große Erleichterung für jeden, der um Sicherheit in der Datenverarbeitung bemüht ist. Einfach die IP-Bereiche der Deutschen Telekom sperren, und schon ist viel gewonnen…

Außerdem ist das neue Flachraten-Modell der Deutschen Telekom ein hervorragendes weiteres Beispiel für die ganz besondere Herzlichkeit fast aller Menschen und Institutionen in der BRD gegenüber Familien mit Kindern. Ein aus dem CDU-Bilderbuch gehüpfter Haushalt, der aus Mann, Frau, und zwei Kindern im schulpflichten Alter besteht, bedeutet in der Praxis, dass sich vier Computer mit ihrem Bedarf in die Datenleitung drängeln — und bei den Schulkindern dürfte die Nutzung besonders stark sein. Gut, dass der Alleinstehende solche Probleme nicht hat, da bleibt mehr Datenkontingent für ein bisschen Spielen (beim modernen Gaming-Geschäft ist das ja nicht mehr ohne permanenten Netzverkehr möglich) und etwas Entspannung übrig. Das ehemalige Staatsunternehmen Deutsche Telekom steht damit in einer großen Kontinuität der gesamten BRD-Politik: Von Innovation faseln, aber Technik verhindern; von Familie faseln, aber Bedingungen schaffen, in denen ein verwirklichter Kinderwunsch wie eine Strafe ist.

Von daher ist auch von der Politik nichts gegen die Drossel-Ideen der Deutschen Telekom zu erwarten. Und wenn die Kunden der Deutschen Telekom so blöd sind, dass sie nach so einer Ansage nur eine Stunde länger Kunden der Deutschen Telekom bleiben, als dies unbedingt nötig ist, wenn sie nicht jetzt ihre Kündigung nach dem Ende des laufenden Vertrages aussprechen, dann werden andere Zugangsprovider nachziehen. Das ist so sicher wie das Amen in der Kirche.

Morgen im gleichen Theater auf allen Kanälen: Der Fachkräftemangel und die Forderung nach Innovation. Danach die Superhitparade des volkstümelnden Schlagers. In der Lederhose wird gejodelt, und im Oberstübchen geht das Licht aus. Gute Nacht!

*Flatrate… mit schwer lesbaren Einschränkungen, hellgrau auf magenta gedruckt, in denen Besitzer eines Vergrößerungsglases nachlesen könnten, dass die Datenübertragungsrate nach Ausschöpfung eines gewissen Übertragungsvolumens auf eine Geschwindigkeit gedrosselt wird, die im Bereich der erzielbaren Übertragungsrate eines analogen 56k-Modems liegt.

Microsoft BOB

Microsoft BOB aus dem Jahr 1995 ist ein interessanter (und völlig gescheiterter) Versuch, den Computer “benutzerfreundlicher” zu machen, indem eine Benutzerschnittstelle geschaffen wird, die alle Arbeiten trivialisiert. Es war dem Anwender möglich, Briefe zu schreiben (und natürlich auch zu drucken), E-Mail (über einen kostenpflichtigen Dienst, der nicht mehr existiert) zu versenden und zu empfangen, seine Termine, Finanzen und Haushaltsangelegenheiten zu verwalten und ein mitgeliefertes Geografie-Quiz zu spielen. Bei alledem musste er nichts vom Dateisystem oder dem darunterliegenden Computer verstehen.

BOB ist eine 16-Bit-Windowsanwendung, die als Standarddesktop anstelle von Windows 95 ode Windows 3.1 verwendet werden konnte. Auch technisch wurde bei der Gestaltung des Desktops Neuland betreten, denn die gesamte graphische Darstellung ist mit Vektorgrafiken realisiert und kann sich somit an jede Bildschirmauflösung anpassen.

Weil die Jüngeren gar nichts mehr davon zu wissen scheinen, habe ich ein Video einer BOB-Sitzung angefertigt. Von den BOB-Anwendungen zeige ich allerdings nur die Textverarbeitung, den Kalender, das Adressbuch und das Geografie-Quiz. Auf der anderen Seite lasse ich kaum eine der vielen “Spielereien” in BOB aus und zeige, wie man Assistenten und Räume wechselt oder die Einrichtung eines Raumes bearbeitet; zwei Dinge, die für die Anwendungen völlig unerheblich sind.

Auch, wenn heute rückblickend ein anderer Eindruck entsteht: BOB richtete sich nicht in erster Linie an Kinder oder Idioten. Bedient werden sollten damit Heimanwender, während sich die parallel laufende Entwicklung von Windows 95 an professionellere Anwender richtete. (Nein, das ist kein Witz, das ist Microsoft.) Die BOB-Anwendungen sind für einen exquisit häuslichen Kontext gemacht, und die gesamte Umgebung sollte offenbar eine gewisse “Gemütlichkeit” ausstrahlen.

Microsoft BOB wurde ein völliger Fehlschlag. Es wurde einfach nicht gekauft. Auch die Heimanwender bevorzugten das nahezu zeitgleich erscheinende “professionelle” Windows 95, das ihre Computernutzung nicht durch gnadenlose Trivialisierung einschränkte. Während die Menschen wegen Windows 95 Schlange vor den Fachgeschäften standen, blieb das Paket mit Microsoft BOB wie Blei in den Regalen liegen. Es gab meines Wissens nicht einmal eine deutsche Übersetzung, so grandios war die Ablehnung durch die Menschen, die es eigentlich kaufen sollten. Angesichts der Tatsache, dass der Entwicklungsaufwand für diese GUI monströs und auch recht teuer gewesen sein muss, war es vermutlich der bislang größte geschäftliche Fehlschlag für Microsoft — da half es auch nicht, dass einige Elemente aus BOB später etwas gezwungen und gewaltsam in anderen Microsoft-Anwendungen zweitverwertet wurden, etwa die Assistenten. Ganz im Gegenteil, auch Karl Klammer hat es nicht zu wirklicher Beliebtheit bei Computernutzern gebracht, und wer regelmäßig mit MS Office arbeiten musste, vermisste die Tötungssequenzen für das nervige, vorlaute Stück Draht, das so oft die Aufmerksamkeit von der eigentlichen Arbeit abzog.

Mir persönlich kommt Windows 8 wie das Microsoft BOB der Zehner Jahre vor. Auch hier wurde eine Benutzerschnittstelle geschaffen, die viele Tätigkeiten am Computer trivialisieren soll und Menschen mit einem Minimum an Erfahrung einfach nur nervt. Obwohl Microsoft zumindest aus dem BOB-Fehlschlag gelernt zu haben scheint und deshalb auch noch einen konventionelleren Desktop für “richtige” Anwendungen anbietet, scheint mir dieses Nebeneinander zweier semantisch inkompatibler Konzepte — einer einfachen Wisch-App-Schnittstelle und einem als App innerhalb dieser Schnittstelle realisierten Desktop — wegen seiner Missverständlichkeit und mentalen Schwergängigkeit zum Scheitern verurteilt. Dass das neue Verfahren zum Programmstart über die “Modern UI” ohne technische Not als alternativlos präsentiert wird (man beachte: Windows 95 kam noch mit dem alten Programmmanager neben dem neuen Startmenü!), fügt diesen Problemen noch einen Eindruck von Verachtung und mutwilliger Verärgerung der Nutzer hinzu. Ich prophezeihe als ganz schlechter Prophet, dass BOB spätestens im nächsten Jahr als das dann zweitgrößte Desaster aus dem Hause Microsoft feststehen wird…

Drei Gänge

Dass die Metapher der Desktop-Anwendung sich nicht sinnvoll auf eine Website übertragen lässt — was übrigens auch ein recht aufwändiges Ansinnen ist — das kann jeder WordPress-Blogger schon daran bemerken, dass er seinen Browser über ein Menü mit aufklappbaren Auswahlmöglichkeiten bedient, während in der dargestellten Website über die Adminbar noch ein weiteres Menü mit aufklappbaren Auswahlmöglichkeiten zur Bedienung des Blogs zur Verfügung steht, und wenn dieses Blog zu guter Letzt für die Leser Teile seiner Navigation ebenfalls in einem Menü mit aufklappbaren Auswahlmöglichkeiten präsentiert. Die Idee der “Anwendung im Browser”, die über interpretierte Skriptsprachen realisiert wird, ist fragwürdig — da hilft es aus Anwendersicht auch nicht, wenn aktuelle Versionen der populären Browser dieser fragwürdigen Entwicklung begegnen, indem sie die Bedienelemente ihrer eigenen Benutzerschnittstelle immer “besser” vorm Anwender verstecken, damit dieser sich leichter und unverwirrter auf die nach dem Vorbild der Desktop-GUIs nachgebauten Schnittstellen derartig entworfener Websites konzentrieren kann. Was da gerade gebaut wird, ist kein angemessener Weg, um dem Anwender die Möglichkeiten der Software in einer leicht durchschaubaren und bedienbaren Weise zur Verfügung zu stellen, damit diese ihm dienen. Ganz im Gegenteil. Ist es geeignet, Verwirrung zu stiften und die technischen Möglichkeiten zu einem eher zufälligen Fund des Anwenders zu machen.

Nicht kaputt…

Das Blog ist nicht kaputt (jedenfalls nicht kaputter als gewohnt), es hat nur ein anderes Farbschema und eine andere Titelgrafik bekommen.

Emanzipation

Frauen in Spielstätten: Endet die Emanzipation am Automaten? Repräsentative Umfragen haben zu dem erschütternden Ergebnis geführt, daß in Deutschlan das Spielpublikum zu 83 Prozent aus Männern besteht. Die Gründe sind rätselhaft. Eine Lösung dieses Rätsels könnte unserer Branche nützlich sein, um ein riesiges brachliegendes Marktsegment zu erschließen

Schön, dass ich noch einmal lerne, was das Wort “Emanzipation” für gewisse Zeitgenossen bedeutet: Einfach nur die “Erschließung eines weiteren Marktsegmentes”.

Quelle des Scans: Automatenmarkt, Das Fachmagazin für den erfolgreichen Automatenunternehmer, Jahrgang 1996

bbPress 1.0 “Bechet” in Deutsch

Meine deutsche Sprachdatei für bbPress 1.0 “Bechet” ist fertig und steht zum freien Download zur Verfügung.

Zwar gab es beim Upgrade der bbPress-Version einige zunächst rätselhafte Darstellungsfehler, aber dabei habe ich auch gleich die Lösung dieser Probleme gefunden — dies mag auch andere bbPress-Anwender interessieren.

Von diesem Problem abgesehen ist der Upgrade völlig problemlos und sehr empfehlenswert, denn Bechet ist großartig geworden. Wer für eines seiner Projekte noch ein kleines, aber feines Forum sucht und schon etwas Erfahrung mit der Gestaltung von WordPress-Themes hat, sollte sich bbPress unbedingt einmal anschauen.

bbPress in Deutsch

Nur ein kurzer Hinweis für alle, die danach suchen: Ab sofort hat meine deutsche Sprachdatei für das Webforumsystem bbPress eine neue Heimat im Internet.

bbPress 0.9.0.4 in Deutsch

Vor fast anderthalb Jahren hatte ich in meinem damals noch nicht umgezogenem Blog eine deutsche Sprachdatei für die damals aktuelle WordPress-Version 0.8.3.1 veröffentlicht. Obwohl diese Sprachdatei mittlerweie so veraltet ist, dass sie mit einer aktuellen bbPress-Version kaum brauchbar ist, wird sie immer noch recht häufig heruntergeladen. Deshalb habe ich beschlossen, diese Übersetzung für die gegenwärtig stabile Version zu überarbeiten und zum freien Download zur Verfügung zu stellen.

Download-Link: Deutsche Sprachdatei für bbPress 0.9.0.4,  Anrede in der “Sie”-Form.

Als Lizenz für diese Sprachdatei ist die Allgemeine Lizenz für Freie Musik sinngemäß anzuwenden. Diese Übersetzung darf also bearbeitet und beliebig verwendet werden, aber jede Weitergabe muss kostenlos, frei von begleitender Werbung und frei von jedem Zwang einer persönlichen Registrierung sind.

Installation

  • Im Verzeichnis bb-includes ein Unterverzeichnis languages anlegen, wenn dieses Unterverzeichnis noch nicht existiert. (Wer eine Alpha der kommenden Version 1er-Versionen verwendet, muss stattdessen das Verzeichnis my-languages im Installaitonsverzeichnis anlegen und verwenden.)
  • In dieses Unterverzeichnis languages die Datei de_DE.mo kopieren.
  • Wenn es sich um eine bereits laufende Installation von bbPress handelt, denn muss noch die Datei bb-config.php angepasst werden, indem die Zeile define ("BB_LANG", "de_DE"); hinzugefügt wird. Wird eine neue Installation mit dieser Sprachdatei vorgenommen, denn kann die deutsche Sprache im Installationsskript ausgewählt werden.

Sprachliche Entscheidungen

Obwohl ich die Sprache zum Teil erheblich überarbeitet habe, bin ich doch meinen alten Prinzipien treu geblieben und habe eine “Techsprache” verhindern wollen, so weit es geht.

Dies sind die wesentlichen Entscheidungen:

  • Die Anredeform “Sie” ist im deutschen Sprachraum universeller verwendbar, deshalb bin ich von der “Du”-Form abgerückt.
  • Ich habe deutsche Begriffe verwendet, wo immer dies ohne Verrenkungen möglich war. Die Website als Ganzes heißt “Forum”, die darin verfügbaren “Boards” sind “Bretter”, auf denen es “Themen” gibt, zu denen “Mitglieder” ihre “Beiträge” schreiben und “veröffentlichen”. Die “Administration” ist eine “Verwaltung”, der allmächtige Forenadmin ein schlicht tönender “Hausmeister” und die “Trolls” bleiben — und da spreche ich mir selbst aus der Seele — “Deppen”.
  • Einige etwas angestaubt wirkende Ausdrucksweisen wurden durch hoffentlich bessere Wörter ersetzt. Die “jüngsten” Beiträge sind jetzt die “aktuellsten” Beiträge geworden, und es gibt hierzu “frischeste” Antworten. Unglückliche Superlative wie “das Neueste” werden vermieden, da eine Steigerung von “neu” unsinnig ist.
  • Das englische Wort “Tag” übersetze ich nun nicht mehr als “Etikett”, sondern als “Schlagwort”, um die vertraute Ausdrucksweise von WordPress zu übernehmen. Schließlich werden die beiden System gern zusammen benutzt, da sollte auch die Sprache eine gewisse Nähe repräsentieren. An einer Stelle musste ich jedoch von der WordPress-Sprache abweichen, und das ist beim Worte “Themes”, dass mir zu nahe beim Wort “Thema” steht — deshalb sind die “Themes” zu “Designs” geworden. Der frühere Begriff “Erscheinungsbilder” ist von mir allerdings in die Mülltonne unbrauchbarer Begrifflichkeiten entsorgt worden.

Wer für sein Webprojekt noch ein kleines, zweckmäßiges und elegantes Forum ohne eine tonnenschwere “Community-Mache” benötigt, aber bislang von bbPress Abstand genommen hat, weil es eben kein bbPress in deutscher Sprache gab, der sollte sich jetzt einmal bbPress mit dieser Sprachdatei anschauen.

Und wer ein Bedürfnis spürt, sich für diese Übersetzung auch finanziell zu bedanken, der kann mir eine Spende für eines meiner Alben zukommen lassen. Wer ein solches Bedürfnis nicht spürt, der lasse es einfach bleiben und freue sich über eine alle bereichernde Kultur des freien Gebens und Nehmens, die in der BRD zurzeit mit sehr fadenscheinigen Begründungen unter Beschuss genommen wird.

Übers Bloggen (17): Twitter

Diutschin sprechin, Diutschin liute in Diutischemi lande.

Annolied, um 1090

Zumindest in Deutschland ist Twitter außerhalb eines relativ kleinen, technikaffinen und meist auch bloggenden Benutzerkreises völlig unbekannt. Es ist auch schwierig vorstellbar, dass ein “normaler” Mensch diesen kurzen, auf 140 Zeichen beschränkten Mitteilungsschnipseln etwas entnehmen könnte, das seinem Dasein Wert hinzuzufügen vermöchte. Unter den Bloggenden sieht man dies freilich ganz anders, hier wird Twitter durchaus wertgeschätzt. Tatsächlich lässt sich beobachten, dass ein Gutteil jener früheren Blogs, die durch nicht nach besonderer sprachlicher Eleganz strebende, kurze Mitteilungen oder durch eine Form des kurzen Sprachwitzes geprägt wurden, heute kaum noch zu finden ist — für diese spezielle Form erweist sich Twitter als ein adäquateres Medium. Vielleicht auch deshalb. Weil hier, unter den Bedingungen einer durch technische Entscheidung künstlich erzwungenen Kürze, niemand eine in ihrer sprachlichen Präsentation besonders “lesenswerte” Form erwarten würde.

In gewisser Weise ist diese Entwicklung ein Voranschreiten jenes Prozesses, der schon durch die strukturlose Leichtigkeit des Bloggens vorgezeichnet wurde. Nachdem die im Wesentlichen chronologische Präsentation eines Blogs das Veröffentlichen im Internet von übergeordneten, eher technischen, strukturellen Erwägungen befreite und damit auch jenen Menschen eine Stimme gab, die sich keine Gedanken über die leichte Navigierbarkeit ihrer Website machen wollten oder konnten, fällt mit einem Dienst wie Twitter ein weiteres Hemmnis für jedermanns Mitteilung im Netze in sich zusammen: Die Anforderung einer Fähigkeit zum eleganten oder doch wenigstens originellen und damit interessanten sprachlichen Ausdruck. An Stelle dieser Anforderung — die übrigens mit dem Maß der erworbenen Bildung und damit vor allem in Deutschland auch stark mit dem ökonomischen Hintergrund der persönlichen Herkunft korreliert ist — tritt die andere Forderung nach gedrängter, auf den Punkt kommender Kürze im Ausdruck. Andere sprachliche Anforderungen treten dahinter zurück, und ganz so, wie schon zuvor Menschen beim chatten, nehmen deutschsprachige Twitterer viel häufiger als deutsche Blogger auch oft die nächste, vielleicht drängendste Reform der deutschen Rechtschreibung vorweg, die Abschaffung der schwer beherrschbaren und für den Leser wenig hilfreichen (und damit eher sinnlosen) Großschreibung von Nomen.

Es ist interessant, zu beobachten, dass die technische Entscheidung einer beschränkten Textlänge dazu führt, dass Menschen den Mut zur Mitteilung finden — auch den Mut zu Mitteilungen, die sonst wohl niemand für mitteilenswert gehalten hätte. Aber die inhaltliche Qualität des in erdrückender Quantität Mitgeteilten lässt schnell das weitere Interesse erlahmen. Verglichen damit ist noch der dürfigste chat eine Quelle gedanklicher Anregung. Man muss wohl sehr an das überteuerte und karge Kommunikationsmedium SMS gewöhnt sein, um diesem Stil überhaupt etwas abgewinnen zu können.

Viel interessanter am “Phänomen Twitter” ist seine Überschätzung. Diese ist. Vor allem eine Überschätzung durch jene twitternden Blogger, die technische Möglichkeit an sich für etwas wertvolles zu halten scheinen. Auf der anderen Seite dieser Überschätzung steht die schlichte Tatsache, dass die Mehrzahl der Menschen (zurzeit noch) nicht einmal weiß, was “dieses Twitter” überhaupt sein soll. [Von 21 Menschen, die ich in einer etwas obskuren Stichprobe beim Betteln befragt habe, wussten es nur zwei. Aber jeder hatte eine Vorstellung davon, was eine Website ist.]

Maßgeblich für den Erfolg von Twitter wurde eine einfache API — eine leicht zu programmierende Schnittstelle, mit der andere Programme auf Twitter zugreifen können. Tatsächlich ist die API dermaßen einfach, dass ich ein schlichtes Shell-Skript (unter Benutzung von curl) zum Twittern geschrieben habe. Wegen der einfachen API gibt es relativ viel Software für Twitter, sowohl völlig eigenständige Programme speziell für Twitter als auch Plugins für einige IM-Clients, andere Internet-Software und für fast alle Blogsysteme. Damit fügt sich Twitter recht nahtlos in jene Umgebung ein, die einem eher technikaffinen Blogger schon aus seinem Internet-Alltag vertraut ist. Die Benutzung ist recht komfortabel — und die Möglichkeit, eine SMS zu twittern, ist auch eine Möglichkeit, sich in einer sonst ungekannten Unmittelbarkeit zu äußern und darin von seinen followers wahrgenommen zu werden.

Twitter ist somit mehr als nur ein eingeschränktes Blog. Twitter ist so etwas wie ein gehetztes Blog auf Amphetaminen.

Und. Wie auch nach der Einnahme von Amphetaminen, wird das Mitgeteilte oft ein wenig drängend, unzusammenhängend, wirr, egozentrisch, nichtig. Das “gedopte Bloggen” in Twitter ist oft keiner größeren Aufmerksamkeit wert, und wer schon einmal gesehen hat, wie jemand an seinem Rechner die ganze Zeit einen größeren Twitter-Client laufen lässt, ohne dem Strom der Tweets einen besonderen Blick zu schenken, der kann den Verdacht nicht mehr abschütteln, dass es sich hier um einen reinen Selbstzweck handelt. Es werden von vielen Menschen und technischen Quellen “Inhalte” produziert, die bei ihren Empfängern mit einer gewissen Wertlosigkeit ankommen. Die Kommunikation ist endlich von der Möglichkeit der Mitteilung emanzipiert; was Wunders, dass sich da nur noch selten eine Absicht der Mitteilung im Mitgeteilten kundtut!

Dennoch könnten die Programmierer von Blogsystemen viel von Twitter lernen, wenn sie sich dazu bereitfänden. Dies sind nur die wichtigsten Punkte:

Radikale Einfachheit — Sowohl die API als auch die Bedienung im Web-Frontend sind sehr einfach und beinahe sofort zu verstehen. Dies steht im starken Gegensatz zur jüngeren Entwicklung bei Blogsystemen, die den bloggenden Menschen immer mehr Komplexität aufbürden, auch um den Preis, dass eine mit AJAX realisierte “Anwendung im Browser” zuweilen recht schwerfällig wird. Technik ist nun einmal dafür da, den Menschen zu dienen, nicht umgekehrt — aber genau diese “Kleinigkeit” scheint Programmierern manchmal im Streben nach immer mehr features aus dem Sinn gefallen zu sein.

RSS-Feeds — Jedes Blogsystem bietet RSS-Feeds an und es gibt recht gute Software, um diese Feeds zu verwalten, zu archivieren und zu lesen. Dennoch entscheiden sich viele Blogger dazu, ihre neuesten Postings automatisch (mit einem Plugin) oder händisch zu twittern. Dies spiegelt die Tatsache wider, dass viele Menschen mit der technischen Möglichkeit eines RSS-Feed eher überfordert sind und deshalb gar nicht auf die Idee kommen, einen Feed zu abonnieren. Twitter bietet sich hier als eine einfache, aber gewiss nicht optimale Alternative an, um solche potenziellen Leser wenigstens auf den neuesten Post aufmerksam zu machen. In der Folge existiert eine beachtliche Anzahl von Twitter-Kanälen, deren Inhalte nur aus Überschriften und Links auf Blog-Postings bestehen, dies natürlich unter Verlust jeglicher Meta-Auszeichnung (Kategorien, Tags). Hier sollte eine bessere Möglichkeit geschaffen werden können, die sich auch von technisch unerfahrenen Menschen einfach benutzen lässt.

Blog-Follow — Eine weitere Eigenart von Twitter, die gewiss für die Beliebtheit Twitters wichtig wurde, ist die Einfachheit, mit der jeder Nutzer einem Twitter-Kanal “folgen” kann. Es spricht aber nichts dagegen, eine entsprechende Funktionalität in ein Blogsystem einzubauen, hierfür bedürfte es nur eines im Blog fest eingebauten RSS-Aggregators. Dieser würde bei jedem Zugriff im Hintergrund aktiv werden und holte in regelmäßigen Abständen die Feeds der “verfolgten” Blogs ab, um sie für den Blogger (oder auch auf einer Seite im Blog) chronologisch darzustellen. Der Vorgang des Hinzufügens eines Feeds könnte sehr einfach gestaltet werden, wenn nur die Meta-Informationen im HTML-Quelltext ausgewertet würden, denn dort finden sich in der Regel auch die Feed-Adressen.

Raum für Kurzes — Ein gewöhnliches Blogsystem ist zurzeit bemerkenswert ungeeignet, kurze Mitteilungen zu transportieren, wenn es neben diesen kleinen Abrieben des Daseins auch größere, gut ausgearbeitete Texte enthalten soll. Schon der Editor für normale Blogpostings ist zu überfrachtet, um mal “eben schnell” eine kurze Nachricht zu verfassen, desweiteren würden die langen Texte des Blogs in einer Flut des Belanglosen untergehen. Besser wäre es, wenn eine Möglichkeit vorgesehen wäre, etwas wie eine “kurze Statusmeldung” in einem einfachen Texteingabefeld zu verfassen, den aktuellen Status getrennt von den normalen Blogpostings darzustellen und die Möglichkeit zur Anzeige eines chronologischen Status-Archives zu implementieren. Auf diese Weise könnte so etwas wie ein “Blog im Blog” realisiert werden, und zwei sehr verschiedene Formen der persönlichen Mitteilung erhielten eine jeweils angemessene technische Schnittstelle unter einer gemeinsamen Software. Die Tatsache, dass Blogger etwa solche Nichtigkeiten twittern, dass sie jetzt in die Badewanne gehen, spiegelt wider, dass sie so etwas zwar mitteilen wollen, aber in ihrem Blog keinen geeigneten Raum dafür sehen.

Die alfabetische Sortierung

Wir müssen den alten Römern ja wirklich dankbar für ihr Alfabet sein. Diese zweihalb Handvoll Symbole, die einfach in eine bestimmte, recht willkürliche Reihenfolge gebracht wurden, ermöglichen uns heute eine einfache Anordnung des gesamten Vokabulares in einer eindeutigen Reihenfolge. Man möchte gar nicht darüber nachdenken, wie umständlich die Benutzung eines Telefonbuches oder eines anderen Nachschlagewerkes in China sein wird und wieviel Übung und Mühe das Nachschlagen wohl dort erfordert, wo das logographische Schriftsystem nicht mit diesem kleinen, uns im Alltag wohlvertrauten Vorzug ausgestattet ist.

Aber die alten Römer sprachen leider eine Sprache, die nur wenig verschiedene vokalische Phoneme kannte, und deshalb genügten ihnen beim Schreiben fünf Vokalzeichen: “A”, “E”, “I”, “O” und “U”. Dort, wo man als späte Nachwirkung der militärischen, wirtschaftlichen und kulturellen Vorherrschaft des imperium romanum das lateinische Alfabet auch für die lokalen Sprachen übernahm, reichte dieser Zeichenvorrat für Vokale oft nicht hin. Die Engländer haben sich beholfen, indem sie unter ausschließlicher Benutzung dieser fünf Zeichen eine irreguläre Orthografie entwickelten, die für jeden Lernenden eine Qual ist (an der niederländischen Sprache kann man übrigens ein Beispiel dafür sehen, dass sich dieses Problem in besserer Weise lösen lässt), die meisten anderen Sprachräume in Europa haben einen Wust von Sonderzeichen entwickelt, um den lokalen Vokalreichtum auf die lateinische Schrift abzubilden.

So auch die Schreiber des Deutschen mit ihren fröhlichen Pünktchen über den Vokalen, den Umlauten.

Für die Verarbeitung textueller Information mit Computern waren diese Sonderzeichen schon immer ein Albtraum. In der Anfangszeit waren solche Zeichen gar nicht im ASCII-Zeichensatz vorgesehen, und beim Schreiben loeste man dieses Problem durch Aufloesung der spezifisch deutschen Zeichen in jene Diphthonge, die urspruenglich einmal zu den heutigen Zeichen gefuehrt haben — ja, das ist lange her. Später wurde zum Glück alles besser, zwar nicht in der deutschen Rechtschreibung, wohl aber in der Verarbeitung deutschen Textes mit einem Computer.

Inzwischen ist beinahe jedes Rechnersystem Unicode-fähig, so dass sich der Zeichenvorrat beinahe sämtlicher Sprachen dieser Welt damit erfassen lässt. Aber etwas vom alten Chaos schimmert immer wieder durch, zum Beispiel auch, wenn WordPress die Links in der Blogroll alfabetisch sortiert und dabei auf die nicht recht nachvollziehbare Idee kommt…

Ein Ü liegt also alphabetisch zwischen A und B...

…dass der deutsche Umlaut “Ü” weder einem “U” noch der Entsprechung “UE” gleichzusetzen ist, sondern in der Reihenfolge zwischen dem “A” und dem “B” erscheint.

Ach ja, willkommen in der Blogroll, überlebt! ;-)

Übers Bloggen (16): Umzug

Der Umzug von einem privat gehosteten Blog nach WordPress.com ist ein schmerzhafter Umzug. Dies gilt auch denn, wenn die technische Seite eines solchen Umzuges relativ problemlos war. Diese besteht einfach darin, die Beiträge des alten Blogs zu exportieren, das neue Blog bei WordPress.com anzumelden und die Exportdatei dort wieder zu importieren. Der Vorgang braucht zwar angesichts der immensen Textmenge, die sich über zweieinhalb Jahre angesammelt hat, recht viel Zeit, aber er funktioniert trotz der verschiedenen WordPress-Versionen völlig fehlerfrei. Ich hätte Schlimmeres befürchtet. (Erfahrung ist eben die Summe von Misserfolgen.)

Damit sind zwar die alten Texte “gerettet”, haben ihre Stimme im Netz behalten, aber die Freiheiten, die ich in den letzten Jahren zu schätzen gelernt habe, sie sind verloren gegangen. Das fängt bereits in der Präsentation an, ohne sich darauf zu beschränken, denn ich kann jetzt nicht mehr mein eigenes Theme verwenden, sondern muss mit den hier angebotenen Themes vorlieb nehmen. Diese passen nicht gut zu meinem bisherigen Stil eines “hellen dunklen” Erscheinungsbildes, und ich entschied mich deshalb lieber für einen Bruch, für schlichtes Schwarz auf Weiß. Es sieht für mich kalt und kahl aus, erinnert mich an jene Zeiten, in denen ich noch wohnhaft war und nach einem Umzug vor einer leeren Wohnung voller Kartons saß, um in den weißgetünschten Wänden zu ersticken. Nur, dass das hier ein Dauerzustand bleiben wird. Immerhin konnte ich ein eigenes Bild im Kopfbereich des Blogs setzen, und da entschied ich mich nach längerem Nachdenken für ein Motiv, das mir im letzten Jahr vor das Objektiv geriet: Die Fassade einer Mietskasene im warmen Abendlicht, Balkon an Balkon gleichförmig in Reih und Glied, und ein Bewohner meinte in diesem Umfeld, die Vorzüge seines Deutsch-Seins dadurch zeigen zu müssen, dass er ein kleines Fähnchen im stinkenden Wind wehen ließ. Es ist ein deprimierendes Bild, wie aus einer Emigration, nur, dass hier nicht das Land verlassen wurde. Ebenfalls deprimierend ist es, dass so viele Menschen in der BR Deutschland auf den persönlichen Schaden in ihrem Leben reagieren, indem sie in Symbole flüchten, die ein gesellschaftliches Gefüge repräsentieren, dass ihrem Leben eben diesen Schaden zugefügt hat.

Die umgezogenen Texte sind übrigens ebenfalls beschädigt. Alle internen Links verweisen auf die alten Adressen und funktionieren hier nicht mehr.

Auch ist mir jede Freiheit in den verwendeten Plugins genommen. Hatte ich zuvor eine “dynamische Blogroll”, die auf einen als Plugin eingebetteten RSS-Aggregator aufbaute und zeigte, an welchen Stellen etwas aktuell veröffentlicht wurde, so bleibt mir jetzt nur die Blogroll in Form einer schlichten, alphabetisch sortierten Linkliste. Auch für jene Handvoll Leser, die gern und regelmäßig durch den Aggregator gestöbert hat, ist das schade. Hier kann ich nichts vergleichbares machen, und einen technisch minderwertigen Ersatz will ich gar nicht erst versuchen.

Dass ich jetzt nicht mehr über einen Shell-Zugang auf dem Server verfüge, der meine Texte in das Netz trägt, ist für mich ebenfalls ein Problem. Ich bin es gewohnt, einen regelmäßigen Backup zu automatisieren, um im Falle schwerer Pannen das Schlimmste verhindern zu können, und diese Gewohnheit hat mir schon einmal den Hals gerettet, als ein Cracker mit einem Angriff auf ein harmloses und wenig gelesenes Blog erfolgreich war.

Darüber hinaus fühle ich mich etwas unwohl, weil das Blog nun in fremden Händen liegt. Ich weiß nicht, was die Zukunft aus WordPress.com machen wird, und es kann sein, dass dieses Angebot irgendwann einmal für mich unzumutbare Auflagen haben wird oder mir Kosten verursachen wird, die ich als obdachloser Bettler nicht mehr tragen kann. Immerhin sind Blogs bei WordPress.com schon seit einer erheblichen Zeit werbefrei geblieben, es scheint also so zu sein, dass sich WordPress.com mit seinen kostenpflichten Erweiterungen für kostenlose Blogs gut selbst trägt. Dennoch: Auch hier kann der allgemeine Zusammenbruch der Wirtschaft zum Tragen kommen, und der erste Umzug könnte für mich schnell der Beginn eines virtuellen Nomadenlebens werden, das sich dann endlich an mein nicht-virtuelles Leben angepasst hätte. Das ist keine beruhigende Vorstellung. Aber es ist — wenn es so kommt — nicht zu ändern. Ich habe mich längst daran gewöhnt, als ein Vorübergehender zu leben. Sobald hier das erste gelayerte Werbebanner aufscheint, bin ich weg.

Das Schlimmste nach dem Umzug ist wohl aber, dass es nun Monate dauern wird, bis alte Links auf anderen Websites korrigiert sind. Die Tatsache, dass diese frisch belegte Wohnung in einem Ausland, in dem die Freiheit des mitgeteilten Wortes noch einen Wert hat, bei Google und Konsorten noch nicht bekannt ist, verschlimmert diese Situation zusätzlich, denn die umgezogenen Texte können für eine längere Zeit nicht einfach aufgefunden werden. Diese Situation wird sich wenigstens im Laufe der nächsten Wochen verbessern.

Neben diesen bedrückenden Dingen gibt es da noch die kleinen Ärgernisse. Ich kann keinen Einfluss auf die hier verwendete WordPress-Version nehmen, und natürlich ist es die aktuellste. Diese ist leider — anders als meine von Hand gepflegte, uralte Version im vorherigen Blog — eine Bloatware, eine mit Unmengen von JavaScript realisierte Anwendung, die im Browser laufen soll, die aber auf den schmalbrüstigen und alten Geräten, auf die ich in der Regel zurückgeworfen bin, nur noch zäh zu bedienen ist. Das bedeutet, dass ich mich nur noch sporadisch einloggen werde und meine Veröffentlichungen in der Regel mit einem Blogclient verfasse. Deshalb kann es immer wieder einmal vorkommen, dass ein nicht erkannter Spamkommentar hier für längere Zeit stehen bleibt oder ein falsch erkannter echter Kommentar eines “richtigen” Lesers im Nichts verschwindet. Beides habe ich früher vermeiden können, es ist mir jetzt nicht mehr möglich.

Um die Kommentare in dieser Situation überschaubar zu halten, ist das Blog im Moment so konfiguriert, dass nur Kommentare zu Texten möglich sind, die nicht älter als 60 Tage sind. Auf der anderen Seite ist die Kommentarfunktion jetzt verbessert. Die Kommentare sind in Threads organisiert, so dass eine direkte Antwort auf einen anderen Kommentar möglich ist. Meine alte Bastelei im Kommentarbereich ist damit unnötig geworden, weil sie durch etwas Besseres ersetzt wurde.

Bleibt nur zu hoffen, dass ich so schnell nicht wieder umziehen werde… ;-)

Des Bloggers neue Kleider

Es handelt sich hier nicht um ein Defacement, sondern um ein neues Theme. “Graumond” ist ein eher experimentelles Theme, das ich aber im momentanen Zustand schon für ausgereift genug halte, um es hier zu verwenden. Dennoch kann es noch an der einen oder anderen Ecke ein kleines Problem geben… ;-)

Endlich nutze ich auch wieder die ganze Breite des Bildschirmes. Die Beschränkung auf einen kleinen Anzeigebereich im zuvor verwendeten Theme hat ja wirklich nicht jedem gefallen, und die kleinen Schriftarten musste ich erst einige Male auf einem unscharfen Monitor sehen, um sie selbst nicht mehr zu mögen.

Es handelt sich um das nunmehr dritte Theme, das ich hier verwende — ich wechsele nicht so gern, weil ich das Design auch für einen wichtigen visuellen Schlüssel halte, an dem das Blog auf dem ersten Blick wiedererkannt wird. Aber irgendwann werde auch ich unzufrieden und versuche dann, es etwas besser zu machen.

Das aktuelle Theme »Graumond«
Das aktuelle Theme

Das vorherige Theme »Simplicity Dark«
Das vorherige Theme

Das erste Theme »Lichternacht«
Das erste Theme für dieses Blog

Ich sehe es durchaus als eine Verbesserung an…

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