Der Vorübergehende sagte zu seiner Zeitgenossin auf dem Fahrrad: “Stell dir nur vor, in Sachen Straßenverkehr würden die gleichen politischen Prinzipien angewendet wie in der Wirtschaftspolitik. Stell dir nur vor, der Staat würde sich aus dem Treiben der Straße heraushalten, würde davon ausgehen, dass der möglichst weitgehend unreglementierte Egoismus jedes Verkehrsteilnehmers sich nur frei entfalten muss, damit eine ‘unsichtbare Hand’ für alle den bestmöglichen Verkehr hervorbringt. In der Folge dieser Idee würde nach und nach jede Verkehrsregel abgeschafft, um die freie Entfaltung des Straßenverkehrs nicht zu behindern. Ausnahmen von der immer weiter vorangetriebenen Deregulierung machte der Staat nur, wenn einmal ein besonders PS-starker Verkehrsteilnehmer einen schweren Unfall baute, um die Folgen für ihn abzumildern; ansonsten wäre jeder auf sich gestellt. Da säßest du aber nicht mehr so gern auf deinem Fahrrad”.
Kategorie: Satire
Ich ertappe mich dabei, dass mir eine gewisse Heiterkeit aufkommt, wenn ich mir vorstelle, dass die Deutsche Telekom in Kürze unter einem lächerlich großen Aufgebot verlogener und bewusst irreführender Reklame ihre verkappten Volumenverträge als Flatrate* verkaufen wird.
Ich ertappe mich dabei, dass ich mich darüber freue, dass für die Kunden eines großen Zugangsproviders in der Bundesrepublik Deutschland der Aufruf einer “qualitätsjournalistischen” Verlagswebseite zum Luxus wird, von dem viele nach ihrer ersten halbmonatigen Schneckentempo-Erfahrung Abstand nehmen werden. Wenn ich jetzt die Startseite der Süddeutsche (punkt) de aufrufe, werden in 61.767 Bytes HTML-Markup 126 Dateien mit einer Gesamtgröße von 1.378.157 Bytes eingebettet, so dass es für die Darstellung der Schlagzeilen und Anrisse eines einzigen “qualitätsjournalistischen” Produktes zur Übertragung von 1,37 MiB Daten kommt. Darin sind die bei mir vollständig blockierte Werbung und die ebenso vollständig blockierten JavaScript-Wüsten der angebundenen Facebook-, Twitter- und Fragmichnichtwelche-Sozialvermarkter noch gar nicht mitgerechnet. Ein Aufruf meiner personalisierten Google News (personalisiert, weil ich auf Sport und Boulevard lieber verzichte und stattdessen Forschung und Technik bevorzuge) überträgt hingegen nur 417 KiB Daten und gewährt mir einen brauchbaren Überblick über die Schlagzeilen der gesamten deutschsprachigen Presse, bis hin zu in einzelnen Themen interessanten Regionalblättern. Ich probiere das nicht mit jeder größeren Seite aus, aber ich schätze, dass das im Folgenden weiter belegte Missverhältnis bei allen nennenswerten Angeboten vergleichbar ist. Die Startseite von Spiegel Online überträgt 786 KiB, die Startseite der Frankfurter Allgemeinen überträgt 1,29 MiB, die Startseite der tageszeitung überträgt völlig unsozialistische 1,43 MiB und die Startseite von Zeit Online überträgt 605,3 KiB — alle diese Werte habe ich gestern mit blockierter Werbung, aber aktiviertem JavaScript ermittelt. Wer die von Google sehr brauchbar und gut personalisierbar aufbereitete “Pressevielfalt” gegenüber der redaktionellen Einfalt dieser hier kurz erwähnten Verlagswebsites bevorzugt, erhält sich damit also auch ein längeres Vergnügen mit ungedrosseltem Internet. Dass ich als Nutzer und Mitgestalter des deutschsprachigen Internet in meiner Gegnerschaft zum so genannten “Leistungsschutzrecht” ausgerechnet von der Deutschen Telekom eine gewisse indirekte Unterstützung in meiner Gegnerschaft erhalten würde, die in der Form gegeben wird, dass die Profiteure dieses Rechts indirekt abgestraft werden, hätte ich mir niemals träumen lassen.
Ich ertappe mich dabei, dass ich mich darüber freue, dass sich schon nach kurzer Zeit der technikverhindernden, künstlichen Traffic-Knappheit beinahe jeder davon betroffene Mensch fragen wird, ob er sein Datenkontingent wirklich von im Regelfall unerwünschter Werbung auffressen lassen will. Ich freue mich darüber, dass die Verwendung wirksamer Werbeblocker in der BRD zum Regelfall werden könnte und das zurzeit leider immer noch mögliche Geschäft mit Reklame im Internet in der Folge noch unattraktiver, vielleicht sogar unwirtschaftlich wird. Mich freut einfach alles, was Werbern, die nichts weiter als peststinkende professionelle Lügner und Psychomanipulateure sind, schadet. Vergleichbare Gedanken werden von vielen Menschen auch für unnötige Plugin-Inhalte gedacht werden, und auch die Eigenart “moderner” Websites, Aktualität und Dynamik durch ständiges Nachladen von Inhalten über JavaScript zu simulieren, wird viele Menschen zur Frage reizen, ob man so etwas nicht besser unterbindet. In einem Umfeld, in dem übertragene Datenmengen künstlich “verteuert” werden, wird schnell ein Großteil dessen, was das Web mies macht, zu einem Nachteil.
Ich ertappe mich dabei, dass ich breit grinse, wenn ich auf dem Hintergrund von Bandbreitenlimits und Schneckentempo-Internetzugängen nur an das Wort cloud denke. Dieser feuchte Traum der Allesvermarkter, der Computernutzung eine weitere künstliche Abhängigkeit mit der Möglichkeit späteren Geldabgriffs hinzuzufügen, dürfte sich für einen bedeutenden Anteil der Internetnutzer in der BRD erledigen. Mir als jemanden, der wirklich an häufig wechselnden Rechnern arbeitet, hat der besondere Vorzug der so genannten cloud noch nie so recht eingeleuchtet; der Transport einer Speicherkarte mit 8 GiB Kapazität hat mich nicht besonders belastet. Der gegenwärtige Unsinn von “im Browser laufenden Anwendungen” setzt ebenfalls voraus, dass aufgeblähte HTML-JavaScript-Strokeleien einen Datenverkehr im Internet verursachen, der in keinem guten Verhältnis zur Größe der damit bearbeiteten Dokumente steht.
Und. Ich ertappe mich dabei, wie ich die Mundwinkel nicht mehr nach unten bekomme, wenn ich daran denke, was das für die Akzeptanz von Sicherheitsupgrades des benutzten Betriebssystems und der sonstigen benutzten Software bedeuten wird. Im Falle von Oracles Java-Adware (der man unter Microsoft Windows bei jedem verdammten Update explizit mit einem Klick sagen muss, dass man die Ask-Toolbar nicht in seinem Browser haben will) wird vielleicht der eine oder andere feststellen, dass er gar kein Java braucht und sich die Downloads der zurzeit recht häufigen Flickschustereien Oracles sparen kann — wenn nur er erstmal versteht, dass dieses Java etwas anderes ist als das JavaScript, das im Browser ausgeführt wird. Das Verständnis kommt mit dem Leiden und der davon angestoßenen Kommunikation. Die Erfahrung eines unbenutzbaren Internet wird bei diesem Verständnis sehr helfen. Dass andere voluminöse Sicherheitsupdates ebenfalls unterlassen werden, dass also fortan in der BRD die Bots bei denjenigen Menschen konzentriert sind, die Kunden der Deutschen Telekom sind, ist ebenfalls eine große Erleichterung für jeden, der um Sicherheit in der Datenverarbeitung bemüht ist. Einfach die IP-Bereiche der Deutschen Telekom sperren, und schon ist viel gewonnen…
Außerdem ist das neue Flachraten-Modell der Deutschen Telekom ein hervorragendes weiteres Beispiel für die ganz besondere Herzlichkeit fast aller Menschen und Institutionen in der BRD gegenüber Familien mit Kindern. Ein aus dem CDU-Bilderbuch gehüpfter Haushalt, der aus Mann, Frau, und zwei Kindern im schulpflichten Alter besteht, bedeutet in der Praxis, dass sich vier Computer mit ihrem Bedarf in die Datenleitung drängeln — und bei den Schulkindern dürfte die Nutzung besonders stark sein. Gut, dass der Alleinstehende solche Probleme nicht hat, da bleibt mehr Datenkontingent für ein bisschen Spielen (beim modernen Gaming-Geschäft ist das ja nicht mehr ohne permanenten Netzverkehr möglich) und etwas Entspannung übrig. Das ehemalige Staatsunternehmen Deutsche Telekom steht damit in einer großen Kontinuität der gesamten BRD-Politik: Von Innovation faseln, aber Technik verhindern; von Familie faseln, aber Bedingungen schaffen, in denen ein verwirklichter Kinderwunsch wie eine Strafe ist.
Von daher ist auch von der Politik nichts gegen die Drossel-Ideen der Deutschen Telekom zu erwarten. Und wenn die Kunden der Deutschen Telekom so blöd sind, dass sie nach so einer Ansage nur eine Stunde länger Kunden der Deutschen Telekom bleiben, als dies unbedingt nötig ist, wenn sie nicht jetzt ihre Kündigung nach dem Ende des laufenden Vertrages aussprechen, dann werden andere Zugangsprovider nachziehen. Das ist so sicher wie das Amen in der Kirche.
Morgen im gleichen Theater auf allen Kanälen: Der Fachkräftemangel und die Forderung nach Innovation. Danach die Superhitparade des volkstümelnden Schlagers. In der Lederhose wird gejodelt, und im Oberstübchen geht das Licht aus. Gute Nacht!
*Flatrate… mit schwer lesbaren Einschränkungen, hellgrau auf magenta gedruckt, in denen Besitzer eines Vergrößerungsglases nachlesen könnten, dass die Datenübertragungsrate nach Ausschöpfung eines gewissen Übertragungsvolumens auf eine Geschwindigkeit gedrosselt wird, die im Bereich der erzielbaren Übertragungsrate eines analogen 56k-Modems liegt.
Diese Veranstaltungen, auf denen Menschen auf einer großen Bühne technikverstärkt und manipulativ auf Menschen in einem Raum einreden, damit nach vielen Stunden endlich auch der Letzte noch das gewünschte Verhalten zeige, diese widerspruchslose Geschlossenheit hinter dem, was andere sagen; diese Veranstaltungen, die von ihren Veranstaltern und von Presse und Glotze als “Parteitag” bezeichnet und als wichtiges politisches Ereignis verkauft werden; sie haben allesamt das intellektuelle Niveau einer Heizdecken-Kaffeefahrt.
Der Vorübergehende sagte zu seinem jungen, studierenden Zeitgenossen: “Du hast eine Zukunftsaussicht vor dir, und du lebst in einer Zeit, in der alles Miteinander unter dem asozialen Imperativ der Ökonomie betrieben wird. Das eröffnet dir Möglichkeiten. Ich kann dir nur empfehlen, dich sterilisieren zu lassen, aber niemals einer Frau davon zu erzählen. Wie sehr die Frauen beim Verführen und beim Sex zur Hochform auflaufen werden, wenn sie nur die Aussicht auf ungeschützten Geschlechtsverkehr mit einem Mann im Wohlstand haben, den sie mit der flutschen Bärenfalle ihrer Vulva in die Unterhaltsknechtschaft zwingen können, wirst du dann erleben. Und. Du wirst jede Menge Spaß haben. Kinder gibt es genug, wenn du Kinder willst, kannst du ja jederzeit eines adoptieren.”
Wenn ein größerer Anteil der Menschen nichts zu essen hat, während ein anderer Teil der Menschen wegen seiner Überernährung krank wird, dann wird der Hunger logischerweise besiegt werden, indem alle, die jetzt schon viel zu viel essen, damit beginnen, noch mehr zu essen.
Wenn es um Arbeit geht, wird uns das schließlich auch immer so erzählt.
Früher habe ich oft gespottet, wie wohl unsere Häuser aussähen, wenn sie ähnlich gebaut würden wie Software; habe von Türen im zweiten Stockwerk gesprochen und davon, dass nicht einmal eine sichere Treppe dahin gebaut werden könne, weil die Bewohner sich so sehr an die wacklige und unzuverlässige Leiter gewöhnt hätten, dass sie sich gar nicht mehr vorstellen könnten, ohne dieses Hilfsmittel in einen Raum zu kommen; habe von Hochhäusern gesprochen, die nach und nach, Schicht für Schicht, auf dem Fundament einer Holzhütte errichtet würden, bei denen man die inzwischen luxuriös ausgebaute, wenn auch leider vom Holzwurm stark angegriffene Hütte auch durchaus noch besuchen könne und von nachträglich angebrachten absurden, hässlichen und aufwändigen Stützkonstruktionen, die den Einsturz dieses Gebäudes verhinderten; habe davon gesprochen, dass mit dem Bau begonnen würde, bevor auch nur ein grober Plan fertiggezeichnet worden wäre und dass sich hinterher alle wunderten, wieso der Keller in der dritten Etage gebaut sei, während der nachträglich auf hochbezahltem Kundenwunsch implementierte Wintergarten unbrauchbar einen Meter unter der Straßenebene läge; habe von Maurern erzählt, die schon nach zwei Tagen wüssten, dass die Durchführung des Baus gar nicht möglich wäre, aber darüber schwiegen, weil sie sonst als unfähige Negativdenker beschimpft worden wären oder gar ihren Job verloren hätten; habe von Büchern phantasiert, aus denen jeder in kurzer Zeit das Bauen lernen könne, mit absurden Titeln wie “Brückenbau in dreißig Tagen” und “Hausbau für Hirnlose, die es versäumt haben, gleich nach der Befruchtung abzusterben” und dergleichen mehr, was ich direkt aus Titeln wie “C++ in dreißig Tagen” und “Programmieren für Dummies” abgeleitet habe, die sich wirklich für unverschämt viel Geld käuflich erwerben lassen… ach ja, die Konsequenzen solchen Bauens waren ein hübsches Bild, um den Menschen an einem vorsätzlich absurden Beispiel deutlich zu machen, was in der Softwareentwicklung grundsätzlich im Argen liegt und warum es so schlimm ist wie es ist. Heute kann ich diese müde gewordene Metapher vergessen, ihre Absurdität lockte keinen Hund mehr hinterm Ofen hervor; heute ist jedem Menschen mindestens ein großer Bau bekannt, der scheinbar genau so geplant und ausgeführt wurde, wie ich es bei Software schon immer gewohnt bin: BER, der Flughafen Berlin-Brandenburg.
Wenn du entdeckst, dass du ein totes Pferd reitest, steig ab? Aber mitnichten, da gibt es noch viele Möglichkeiten!

Gruß an T. — nimms nicht so schwer und sei froh, dass du die Idioten nicht jeden Tag um dich hast! So gut, dass solche Schmerzen aufgewogen werden, können die gar nicht zahlen…
Wenn du merkst, dass du ein totes Pferd reitest, dann steig ab und mach eine Lasagne draus. (Neuere Indianerweisheit)
Ich übernehme die volle politische Verantwortung und mache weiter wie immer.
Das Umworbenwerden der Wahlberechtigten vor einer Wahl durch die classe politique hat viel von einem schrägen erotischen Spiel, bei dem sich die Umworbenen fühlen, als hauchte ihnen jemand in Verzückung seinen heißen, lebendigen Atem in den Nacken. Sobald sie sich diese Vorstellung aber nicht mehr einfach gefallen lassen und sich umwenden, um einen genaueren Blick auf die Quelle dieses warmen Windes zu erheischen, blicken die Wahlberechtigten in einen großen, nackten Arsch.
Eine juristische Idee der Marke: “Wenn ich den Täter einer Untat nicht dingfest machen kann, dann nehme ich halt jemanden anders, der diese Tat theoretisch irgendwie hätte verhindern können, zum Beispiel den Betreiber eines Webforums oder eines offenen WLANs, das bei der Tat eine Rolle spielte. Denn bei meinem Begriff von “Gerechtigkeit” ist es im Grunde egal, wer da bestraft wird, und es ist wichtig, dass überhaupt jemand bestraft wird — denn das Recht, wie ich es an meinem CDU-Stammtisch verstehe, besteht ausschließlich in der Lust an der Rache, denn nur die konsequent ausgeführte Rache kann das Unheil des Unrechtes heilen. Ich glaube auch fest daran, dass Jesus Christus völlig unschuldig für die Taten anderer Menschen hingemordet wurde und dass das eine vollwertige und heilsame Sühnung war, auch für mich. Und wenn mein Denken noch einen kleinen Tick magischer und irrationaler wäre, dann würde ich im gleichen Glauben auch Hexen verbrennen — und dafür sorgen, dass diese Vorgehensweise in heiligen Gesetzbüchern festgeschrieben wäre; schließlich muss doch alles seine Ordnung und sein Maß haben.”



