Einträge markiert als ‘Nachtlyrik’

5. Dezember 2009

Realistisches Adventslied

Zu singen zur Melodie eines allgemein bekannten, deutschen Adventsliedes und zum weihnachtlichen und politischen Geschwätz in den Medien.
Es kommt ein Schiff geladen Bis an sein’ höchsten Rand, Die Schulden sind Billiarden, Und nirgends sieht man Land.
Das Schiff treibt schief im Meere, Es trägt ein üble Last. Statt Segel gibts nur Leere, Zerbrochen ist der Mast.
Kein [...]

18. August 2009

Soldatenfriedhof

Grasfrech welkt der blinde Hügel;
Tausendstab und weiß die Kreuze
Steht der Tod in Reih und Glied,
Der Meister jedes Krieges.
Nochimmer das Vergessen.

27. Juni 2009

Bei den zensierten Bloggern

Um zu sehen
Was noch kommen wird
Nahm er eine Zeitmaschine
Zu reisen dorthin
Da sich die zensierten Blogger treffen.
Eine weite Reise
In die Zukunft
War es nicht.
Kaum stieg er aus
Da war er überrascht
Ob des hellen bunten Ortes
Da sie beisammen saßen.
Und. Auch des
Heitren Miteinanders
Im Exil.
Sie saßen lautstark beieinander:
Ein jeder twitterte und bloggte;
Man machte weiter wie gehabt.
Doch bald schon wurde er bemerkt,
Der [...]

11. Mai 2009

Geist in Zelten

In meiner dochnochwarmen Brust
Weilt ein trieber Geist in Zelten;
Ein Sturmhauch nur
Der wandern will. Und wandern.
Als zur Kleinzeit keiner war
Mich zu ziehen, zog er ein.
Jetzt ziehe ich;
Immernach dem Geist in Zelten.
Das Knastwarm jeder Mauer
Lässt meine Brust erbibbern,
Nichts und niemand
Gibt mir Ruhe. Vor mirselbst.
Hinter mir brennt die Asche,
Vor mir gähnt das Schwarz.
Fern vom Hirn, unter pumpelndem Herzen
Treibt [...]

18. April 2009

Elektrisches Auge

Aus aktuellem Anlass und mit nasskaltem Gruß an ZensUrsula von der Leyen heute wieder einmal ein flugs übersetzter Songtext aus meiner Jugend, in der es selbst in der populäreren Musik noch etwas gab, was im gegenwärtigen Auswurf der Contentindustrie gar nicht mehr vernehmbar ist: Mit wirklichem Mitteilungswillen verbundene und zitierfähige Texte.

Elektrisches Auge
Hier oben im Raum
Schaue [...]

1. April 2009

Vom zunehmenden und abnehmenden Wissen

Wer denkt, der wird ein Zweifler.
Wer zweifelt, der stellt Fragen.
Wer Fragen beantwortet, der macht Fortschritte.
Wer Antworten prüft, der macht Entdeckungen. Und.
Wer alles das nicht tut, der liest Zeitung.

30. Juli 2008

Nacht Lid

Mond Krähe
Mond Taube
Mond Pinguin
Nordpol Loch.
Schwarze Grab Brötchen
…eine Speise für die Toten.
Grüne Grab Brötchen
…eine Speise für den Schimmel.
Mond Schwalbe
Mond Amsel
Mond Nachtigall
Südpol kalt.

25. Juli 2008

Richtung und Garheit (13)

Es macht dich nicht schon frei
Wenn du der Ketten spottest –
Dein Spaß geht schnell vorbei
Wenn lebend du verrottest.
Stabilisierende Lachlust — Der Witz ist eine lustvolle soziale Tätigkeit, er wird von einem Menschen erzählt, um einen anderen Menschen damit zum Lachen zu reizen, damit dieses Lachen auf den Erzähler rückwirkt, ihn ansteckt, ihm die Lust am [...]

23. Juni 2008

Beton

Rührt Beton an,
Mehr
Beton!
Wir gießen Behausungen
Für die städtischen Nomaden.
Für die stummen flitzen Nirgendse
Die überall sein müssen.
Eine Garage
Ist das beste Fundament
Für unsre Häuser. Wir
Nennen es. Zeitgemäßes Wohnen
Im keck gestreuten Grün
Mit Verkehrsanbindung
Und Einkaufsmöglichkeiten und
Alternativ energetisch shengfui
Ist es natürlich auch (für
die Sozialpäderasten
auf ihrer bücken Pirsch nach Jobs,
denn die zahlen höher Miete).
Gerendert sieht es gut aus.
Der Grafiker versteht sein Handwerk.
Betonmischer
Kommt [...]

26. Mai 2008

Mein Testament

Spart euch das blende Gefasel vom „Leben“, wenn ihr nur noch einen Madensack vor euch seht! Es kommt Jahrtausende zu spät. Wenn dem Menschen schon das Leben nicht mehr gelassen wird, denn lasst ihm wenigstens seinen Tod.
Spart euch die träntriefe Heuchelei eurer Trauer! Sie hilft keinem Toten. Und. Noch weniger den Lebenden. Formt Wut [...]

16. Juli 2007

Realistisches Abendlied

Des Nachtwächters realistisches Abendlied, zu singen nach der volkstümlich überlieferten Melodie des Abendliedes von Matthias Claudius
Der Mond ist aufgegangen
die Leuchtreklamen fangen
die leeren Blicke auf.
Die Menschen gehn nach Hause
sie suchen ihre Pause
vom fremd gewordnen Weltenlauf.
In jedem zweiten Fenster
erahnt man die Gespenster:
die Glotze flackert blau.
Das dauert so drei Stunden
und dann wolln sie gesunden
in wirrer Träume warmer Schau.

6. Mai 2007

en passant

zwischen zwei blicken
hast du verschämt
nach unten geschaut.
im ersten blick
sahst du mich.
auf dem asfalt,
im müll und
im staub
zwischen den rissen,
sahst du mich
immernoch.
im zweiten blick erst
begann dein wegschauen.
dein beschleunigter schritt,
dein angespannter körper,
dein auge an der wand:
dein gelungenes vorüber.
in der gosse sprießt
der löwenzahn.
pusteblume,
pusteblume.