Das Richtige wird nicht dadurch falsch, dass die Falschen dafür sind. Und. Das Falsche wird nicht dadurch richtig, dass die Falschen dagegen sind.
Kategorie: Allgemein
Erzürntes Abrechnen mit der in zahlreichen Einzelaspekten versagenden FAZ hat Klaus Graf soeben in die Form eines Offenen Briefes an die Herausgeber der FAZ gegossen und zur Weiterverbreitung empfohlen. Angesichts der weit über den Tag hinausreichenden Bedeutung dieses Textes ist nur eine vollständige Wiedergabe des Originals angemessen:
Sehr geehrte Herren,
die Frankfurter Allgemeine Zeitung fordert mich mit Schreiben vom 8. März 2013 auf, eine strafbewehrte Unterlassungserklärung abzugeben
Der Vorübergehende sagte zu seinem Zeitgenossen: “Wer heute im Internet freiwillig Geld für den Zugriff auf Musik bezahlt, der steht auch in einer kalten, nieselregnenden Nacht, wenn weit und breit kein Verkehr zu sehen ist fröstelnd und geduldig am Fußgängerüberweg und wartet darauf, dass die Ampel grün wird — nicht, weil es sinnvoll ist, sondern weil er sich den Polizeibeamten verinnerlicht hat und ihm aus sinnloser Angst zuvorkommt. Sämtliche Agitation der Contentindustrie ist bislang nur immer und immer wieder der Versuch gewesen, den Psychen der Menschen solche Angst und einen inneren Polizeibeamten zu implementieren, und das trotz der Dummheit dieses Versuches mit beachtlichem Erfolg.”
…übrigens ist Tradition kein Ersatz für ein Geschäftsmodell. Aber wenns um den wirtschaftlichen Erfolg geht, ist ein Geschäftsmodell sehr viel wichtiger als jede Tradition.
Nur, falls ihr es in eurer Parallelgesellschaft immer noch nicht gemerkt habt.

Joseph Grünpeck: Das Christuskind straft die Menschheit mit Syphillis, Holzstich, 15. Jahrhundert
Der Vorübergehende sagte zu seinem beunruhigten Begleiter: Der DAX ist auch nichts anderes als der Totalisator bei einem Buchmacher. Nur, dass um die Quoten bei Sportwetten noch nicht so viel Aufhebens gemacht wird, dass sie zu täglichen Reportagen im news business führen.
Der Vorübergehende sah einen beschmutzten, aber immer noch bunten Reklameprospekt auf dem Boden liegen, Kleidung, an Frauen gerichtet, die eine Kreditkarte geheiratet haben. Auf der aufgeschlagenen Seite las er, noch bevor ihm ein gnädiger Wind die Lügen aus den Augen pustete, die anpreisenden Worte “Lederimitat. Der Stoff, aus dem der Trend gemacht wird” und dachte sich noch im Lesen, dass das ein wahres Wort ist. Vor allem. Wenn das “Leder” daraus entfernt wird.
Wenn jedes führende Mitglied einer Kirche mit persönlichem Versagen so umginge, wie es Frau Käßmann getan hat, denn wären viele meiner Texte über die christliche Religion mit weniger Galle gewürzt. Zumindest von der röm.-kath. Kirchenfront hört man leider regelmäßig ganz andere Töne.
Wenn der Faschismus nach Amerika kommt, denn wird er in die Flagge gehüllt sein und ein Kreuz tragen.
Sinclair Lewis (1835)
Und jetzt bitte zum Godless Blogger klicken…
Liebe Leserinnen, Leser, Interessierte,
heute morgen habe ich beim Überfliegen meiner eigenen, täglichen Bloglektüre im Gentrification Blog lesen müssen, dass die Blogs bei WordPress.com jetzt zumindest teilweise mit Werbung über Google Adsense “angereichert” werden.
Hierzu gebe ich — für jeden, den es interessiert — die folgende persönliche Erklärung ab:
- Ein Aufscheinen von irgendeiner Form der Reklame in diesem Blog ist von mir nicht erwünscht und entspricht auch keiner von mir vorgenommenen Konfiguration. Es handelt sich um eine neue oder mir zumindest bislang noch nicht aufgefallene Maßnahme von Automattic, dem Betreiber von WordPress.com, das Schreiben der Menschen hier zu Geld zu machen. Tatsächlich wird dieses Blog mit seinem sehr speziellen Themenkreis durch die Einblendung von Werbung in jeder nur denkbaren Form entwertet, was jeder Leser leicht durch ein wenig Blättern überprüfen kann. Die Umgestaltung jeder zwischenmenschlichen Kommunikation in einen sozial optimierten Geschäftsvorgang ist Teil jener industriell produzierten, seelischen Kälte, die hier immer wieder benannt, hoffentlich fühlbar gemacht und als etwas von allen Menschen jeden Tag zu Überwindendes angemahnt wird. Hierzu sind die richtigen Fragen zu stellen, damit auch die richtigen Antworten gefunden werden.
- Als ich vor dreieinhalb Jahren mit diesem größtenteils harmlosen Blog “Lumières dans la nuit” begann, war es meine stets erklärte Absicht, für immer werbefrei zu bleiben. Deshalb wurde das Blog anfangs in der BR Deutschland unter der Domain tamagothi.de gehostet und von mir mit einer eigenen Installation der Blogsoftware WordPress betrieben. Unter der Last ständiger juristischer Anfeindungen — die übrigens durchgehend von geschäftstreibenden Personen aus der unmittelbaren räumlichen Nähe des Ihmezentrums zu Hannover ausgingen, was in mir nach und nach ein klares Bild der wirtschaftlichen Methodik eines recht mafioid erscheinenden Heuschrecken-Konzerns Carlyle entstehen ließ, der es für sein in Hannover-Linden geplantes und mittlerweile gescheitertes Geschäft wohl als nachteilhaft empfand, wenn die gnadenlose tristesse dieses Menschenschließfaches im Stil des Brutalismus an vorderster Stelle in Google-Suchergebnissen sichtbar wird* — unter der psychischen Last, die es für einen krebskranken Freund bedeutete, auf dessen Server ich dieses Blog ursprünglich betrieb, mit der widerlichen Wucht deartiger Anfeindungen konfrontiert zu sein; aus meiner wachsenden Unlust heraus, unter diesen Umständen auch nur noch einen einzigen Tag weiterzumachen, schloss ich das ursprüngliche, in Deutschland gehostete Blog. Das hier vorliegende, bei
WordPress.comgehostete Blog ist bereits eine emigrierte Version, ein schwer beschädigtes Bloggen auf der Flucht, das ich wenigstens durch Verlagerung in die USA — wo trotz vieler anderer Missstände die Freiheit der Meinungsäußerung nicht nur wie in der Bananenrepublik Deutschland eine unverbindliche Prosa in der Verfassung, sondern eine verbriefte Rechtswirklichkeit für die Menschen ist — vor der eisgierigen Abmahnwillkür und juristischen Stocherei der Besitzenden in der politisch vollkommen gewünschten Rechtsunsicherheit und Kriminalisierung des Internet in der BR Deutschland bewahren wollte. - Mein Lebensstil — ich bin obdachlos und lebe von dem, was mir kampflos gegeben wird, um mich mit ganzer Hingabe auf das zu konzentrieren, was mir nach allen meinen Einsichten wichtig und bedeutsam erscheint, und wenn es mich mein verfluchtes Leben kostet — ermöglicht es mir zurzeit nicht, dieses Blog auf einen anderen Server im Internet zu hosten. Auch wird dieses schon flüchtende, emigrierte Blog keinen weiteren Umzug überstehen und deshalb auch keinen machen. Wenn hier in der kommenden Zeit bei
WordPress.comBedingungen geschaffen werden, die mir den Weiterbetrieb dieses Blogs unmöglich machen, denn wird dieses Blog ersatzlos verschwinden. Es reiht sich dann ein in eine Reihe weiterer Projekte von mir, die sich als für mich undurchführbar erwiesen haben. Meine Kraft ist beschränkt, Geld ist kaum vorhanden, und mein Name ist nicht Sisyphos. Es gibt noch genügend andere, vielleicht weniger sichtbare und nicht primär im Internet beheimatete, von mir betriebene Projekte, welche die freiwerdende schöpferische Kraft völlig aufsaugen werden, bis mir jede Kraft geschwunden ist. - Von seinem ersten Tag an sind die Inhalte dieses Blogs unter Piratenlizenz lizenziert worden, weil es mir eben auf die Kommunikation von Inhalten (das Gegenteil vom leicht verschiebbaren und vermarktbaren content) ankommt und nicht auf die Kontrolle meiner Leser oder eine absurde technische Selbstbestätigung im dummen Selbstzweck der Zugriffsstatistik. Diese Entscheidung hat zur Folge, dass es eine Reihe mehr oder weniger aktueller und vollständiger Mirrors des gesamten Blogs gibt, die sich aus den RSS-Feeds dieses Blogs gespeist haben. Solange die RSS-Feeds bei
WordPress.comwerbefrei bleiben, werden auch diese Mirrors werbefreie Versionen meiner Texte enthalten. Ich bitte meine Leser, einfach dort weiterzulesen. Eine Suchmaschine kann eine echte Hilfe sein, auch wenn man dem Wahnsinn der totalitären Verwirtschaftung entkommen will. So lange hier “nur” Google-Ads (und keine überrumpelnde Gewaltreklame) im Blog eingebunden werden, werde ich noch weitermachen; sobald die erste Reklame im RSS-Feed auftaucht, wird dieses Blog gelöscht. - Die Entscheidung Automattics für Google-Ads zur mechanischen Vergällung der Texte mit Reklame empfinde ich angesichts der intransparenten Sammelwut der Datenkrake Google einfach nur als schrecklich falsch. Ich habe nicht das geringste Interesse daran, dass hier Informationen über recht empfindliche, gesellschaftlich marginalisierte und politisch verfolgte menschliche Netzwerke in die Hände eines Unternehmens fallen, dass sich gegenüber mörderischen Regimes wie etwa dem chinesischen immer wieder als sehr kooperativ in der Auslieferung von Menschen erwiesen hat, wenn nur die Kasse stimmt. Von dieser Entscheidung Automattics sind etliche politische und gesellschaftskritische Blogs aus der Bananenrepublik Deutschland betroffen, die hier eigentlich Schutz vor Verfolgung und Unterdrückung gesucht haben, und die jetzt der unkalkulierbaren geschäftlichen Willkür eines wertneutral um Reibach bemühten Unternehmens ohne jeglichen ethischen Anspruch in seinen Kooperationen mit Unterdrückungsbehörden fragwürdiger und totalitärer Staatsführungen ausgeliefert sind. Dies wirft einen schwarzen Schatten auf die geschäftliche Ethik Automattics, der auch auf andere Angebote dieses Unternehmens fällt, und es ist leicht möglich, dass diese Entscheidung Automattics einige hier bei
WordPress.combloggende Menschen aus der VR China demnächst das Leben kosten wird. Es mag sein, dass Geld nicht stinkt, aber Automattic beginnt sehr unangenehm zu riechen.
Nein, das Jahr 2010 fängt nicht sehr hoffnungsvoll an.
Euer Elias, der Nachtwächter
Nachtrag 13. Januar 2010: Inzwischen hat auch Google Probleme mit der zensierenden Zusammenarbeit mit der VR China, das sei hier als Ergänzung angemerkt. Ob das lediglich wirtschaftlich motiviert ist und keine weiteren Konsequenzen haben wird, oder ob es eine wirkliche Wende ist, das wird die Zukunft zeigen.
*Natürlich lässt sich diese Aussage nicht so hart belegen, dass sich die Indizien zu klaren Beweisen formen würden, so klar auch das aus der Erfahrung entstehende Bild ist, deshalb hier der Konjunktiv.
Wer noch weiß, was ein Gedicht ist, wird schwerlich eine gutbezahlte Stellung als Texter finden.
Theodor W. Adorno, Theorie der Halbbildung
Vermutlich ist die Lyrik die älteste Form künstlerischen sprachlichen Ausdruckes. Sie war keine nutzlose Kunst. Die formale Gestaltung, die Tendenz lyrischer Ausdrucksweise, Begriffe über den Gleichklang und das Metrum miteinader zu verbinden, weist in eine Zeit zurück, in der Menschen keine Schrift zur Verfügung hatten und sich dieser sinnlichen Qualitäten als ein Mittel bedienten, Text zum Erzählen (und zum Zaubern, denn ihre Weltanschauung war magisch) im Gedächtnis zu behalten. Tatsächlich ist solcher Nutzen der Form in der Triviallyrik der Volksweisheiten und Sprichwörter, obwohl im Verklingen begriffen, bis heute vernehmbar:
Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht,
so oft er auch die Wahrheit spricht.
Mit der zunehmenden persönlichen Nutzlosigkeit auswändig verfügbaren Wissens in einer vom Buchdruck und lichtschnellen Medien geprägten Gesellschaft ist der Untergang der Lyrik eine folgerichtige Erscheinung, und der einst vom Hören einer aus dem Alltag sprießenden Lyrik geschulte Feinsinn der Menschen unter den Bedingungen des über die Gesellschaft ablaufenden Prozesses folgt dieser Entwicklung, ohne dass etwas anderes entstanden wäre, den Sinn für sprachliche Harmonie zu schärfen. Was von der einst so bedeutenden Lyrik verblieben ist, das sind die Texte der industriell erstellten und lärmend gewordenen Populärmusik, deren Inhalte zumeist den allgemeinen Mangel an befriedigender Sexualität widerspiegeln. Und. Das als Show eines unterhaltsamen Wettbewerbes dargebotene Marktgeschreie auf so genannten “poetry slams”.
Er sagte zu mir: “Ein Außerirdischer, der unser Fernsehprogramm empfängt und sonst nichts über unsere Kultur weiß, der sich also sein ganzes Bild von unserer Kultur aus dem regulären Programm und aus der Werbung zusammenreimen müsste, müsste doch denken, dass das wichtigste äußere Merkmal des sozialen Status eines Menschen die Haare sind. Alle in relevanter Position sichtbaren Personen, alle Nachrichtensprecher und alle Hauptdarsteller der Filme, Fernsehserien und Werbeclips präsentieren sich stets perfekt und oft aufwändig frisiert.”
Ich konnte ihm zur zustimmen. Und ich verstand. Warum unter diesen Umständen dem Inneren des Kopfes so viel weniger Aufmerksamkeit zuteil wird als dem Äußeren des Kopfes.



