Straßenschild: Hannah-Arendt-Weg in Hannover

Der Vorübergehende kann sich in seiner auf etlichen Erfahrungen mit der hannöverschen Stadtverwaltung erblühenden Heiterkeit so richtig vorstellen, was wohl dortens im Rathause vor sich ging, wo man den Straßen Namen gibt, um Menschen zu ehren. Da fiel dann einem der vielen Aktenfresser und Stempelpresser auf, dass es doch noch eine Hannoveranerin — eigentlich nicht einmal das so richtig, denn sie kam ja aus Linden und wurde direkt am Lindener Marktplatz geboren — namens Hannah Arendt gegeben hat, die doch eine für einen Menschen aus Hannover eher seltene weltweite Bekanntheit dadurch erlangte, dass sie sich gnadenlos nüchtern mit den Strukturen eines totalitären Herrschaftsapparates und seiner Ursprünge auseinandersetzte und desweiteren eine beachtliche, wenn auch leider viel zu wenig rezipierte Reflexion zum Thema des schaffenden und handelnden Menschen verfasste. Nach der muss ja doch unbedingt eine Straße benannt werden, denn Hannover muss ja seine wenigen etwas bekannteren Menschen irgendwie “ehren” — aber doch bitte keine zu große Straße. Lieber ein kleiner, unscheinbarer Weg, den kaum ein Durchschlendernder als eine Straße empfindet, einen dieser Pfade am trüben Wasser der Leine, dort, wo niemand wohnt und wo es keine Postanschriften gibt. Nicht, dass noch jemand beim Suchen einer Anschrift auf einen nach Hannah Arendt benannten Weg stößt und sich erinnert! Und so einen unscheinbaren Weg haben sie dann auch genommen, die Entscheider im Rathaus.

Es wäre ja auch zu schlimm gewesen, wenn Hannah Arendt in der alltäglichen Gegenwart und Wahrnehmung eines Straßennamens auch nur auf der Ebene eines als erfolgreicher Selbstmörder auf die Schienen gehüpften Fußball-Torwartes gestanden hätte, der gut dreißig Kilometer außerhalb von Hannover lebte. Da gibt man lieber der Frau Arendt ihren kleinen, unbedeutenden und weitgehend unbekannten Weg, und das Problem ist weg…

About these ads