8. November 2009...02:10

Leibniz

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Alas! what was once hailed as a monoment to monotheism ended in the bowels of a robot.

Thomas Dantzig: Number, the Language of Science

Nach Gottfried Wilhelm von Leibniz ist nicht nur ein bekannter Butterkeks des hannöverschen Unternehmens Bahlsen benannt, sondern auch die Universität zu Hannover — weil der Universalgelehrte hier einen großen Teil seiner Zeit mit den eher öden Aufgaben eines Bibliothekars im Dienste der lokalen Fürsten verbrachte, weitgehend abgeschnitten vom Austausch der anderen großen Geister seiner Zeit. Für Astronomie, Mathematik und Philosophie konnten sich diese Fürsten nicht erwärmen, aber sie ließen Leibniz im Großen Garten zu Herrenhausen eine große Fontäne entwerfen, auf das der Ruf der welfischen Inzucht zwischen den verstümmelten Buchsbäumchen zum Himmel spritze. Es war und ist eben Hannover.

Zum Glück für die Menschheit konnte sich Leibniz „nebenbei“ seinen Studien widmen. Dabei entdeckte (oder, wenn dieses Wort besser in die Weltauffassung des Lesers passt: beschrieb) er unabhängig von Isaac Newton den Hauptsatz der Analysis und — als Philosoph immer um eine gute Form bemüht — schuf eine wesentlich vernünftigere mathematische Notation als Newton, die im großen und ganzen dem heutigen Standard entspricht.

Auch das elegante und gefürchtete Integralzeichen stammt von Leibniz. Ebenso, wie die heute noch als brauchbar betrachtete Hypothese über die Entstehung des Sonnensystemes und seiner Planeten aus einer kollabierenden Staubwolke.

Leibniz war es auch, der das Binärsystem entdeckte (oder, wenn dieses Wort besser in die Weltauffassung des Lesers passt: beschrieb); die Grundlage der gesamten heutigen Digitaltechnik. Das ist wohl noch am ehesten der Grund, weshalb eine Universität nach ihm benannt wurde.

Für ihn lag in der Möglichkeit zur binären Darstellung alles zahlenmäßig Fassbaren eine tiefe metaphysische Wahrheit, so viel Schwärmerei hat er sich angesichts seiner Entdeckung (oder, wenn dieses Wort besser in die Weltauffassung des Leser passt: seiner Beschreibung) hinreißen lassen. Er sah in der Null ein Zeichen für die Nichtexistenz, er sah in der Eins ein Zeichen für die Substanz, und beides war nötig für den Schöpfergott, den sich Leibniz vorstellte. Denn ein Universum, überall mit Substanz angefüllt, es wäre in den Augen eines Leibniz nicht von einem leeren Universum zu unterscheiden gewesen. Die mathematische Struktur des Kosmos, die sich leicht im binären Zahlensystem ausdrücken lässt, sie war für Leibniz eine direkte Konsequenz der anfänglich von Gott durchgeführten Trennung zwischen der Substanz und dem Nichts.

Zwei Dinge freilich kannte dieser fröhliche Denker freilich nicht: Die Bachelorstudiengänge, die heute als akademisch getarnter Ersatz für Bildung an einer nach ihm benannten Universität veranstaltet werden, damit diese auch recht zu einer höheren Berufsschule werde. Und. Die ganzen technischen Anwendungen, die der gegenwärtige „Hedonismus“ für das Binärsystem fand, von Twitter über den DVD-Player über den Lächelfilter in der Digitalkamera zu YouPorn.

Ja, in gewisser Weise ist Hannover überall… ;-)

Mit Gruß an Mira

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