Das schrecklichste Wort der deutschen Sprache ist — und jeder, der mit gebrochenen Menschen ernsthaft spricht, kann dies mit Leichtigkeit prüfen — das Wort „Mutter“. Mit keinem anderen Wort verbindet sich für die Sprecheneden so viel Ausgeliefert-Sein, so viel hilflos ertragene Demütigung, so viel erlebte Gleichgültigkeit, so viel schamlos zugesprochene Lüge, so viel leichtherziger Verrat und so viel Unfähigkeit, für die erlittene Misshandlung wenigstens einen wirksamen Hass zu empfinden. Alles andere Getue um dieses Wort, alles staatliche Schützen und Fordern von Ansehen und Vergötzen von Mutteridealen, es dient nur der kollektiven Verdrängung — und der lebenslangen Fortsetzung des individuellen Zerbruchs, der wahren Wurzel des Staates.
R., ich wollte, ich könnte so sprechen, dass du fühlst!



1 Kommentar
15. Juli 2009 um 15:15
Ein treffender Kommentar. Ich kenne kaum Menschen, die ein unbelastetes Verhältnis zu ihrer Mutter haben. Manche waren nicht erwünscht, andere das schwarze Schaf, nachdem ein weiteres Kind geboren wurde, wieder andere hatten unter den psychischen Störungen ihrer Mütter und deren ambivalente Kommunikationsmuster zu leiden. Moderner sind hingegen die Probleme, wenn die alleinerziehende Mami nach der Scheidung zum spätpubertierenden Menhunter mutiert und die Kinder vernachlässigt. Depressionen, manisch-depressive Ekrankungen und diverse Persönlichkeitsstörungen können die Mutter ebenfalls zum Objekt anwachsender Gewaötfantasien machen. Deshalb gehört die pseudo-heilige Mutterkonstruktion schnellstmöglich auf den Schrotthaufen der Geschichte.
Gruß
Alex