Beiträge vom Februar 2009

27. Februar 2009

Vom Leben im Loch

Zeitgenosse: „Wie, du liest keine Zeitung? Warum denn nicht?“
Nachtwächter: „Auch, weil ich die Botschaft verstehe, die vom geometrischen Ausmaß der Zeitung ausgeht. Wie dick eine Zeitung ist, hängt nicht davon ab, wieviel Berichtenswertes auf der Welt geschieht, sondern nur davon, an welchem Wochentag die Zeitung erscheint. Die geforderte Dicke der Zeitung zeigt sich damit als [...]

27. Februar 2009

Kein Frieden

Die Begegnung mit der Gewalt lässt einem Menschen, der nicht neben sich stehen will, um zuzuschauen, wie er als Opfer der Gewalt agiert und sich dabei selbst fremd wird, nur zwei Möglichkeiten: Kampf oder Flucht. Es gibt keinen Frieden mit der Gewalt.

26. Februar 2009

Die Bedeutung

Die Bedeutung eines Buches steckt nicht im Papier und nicht in den Buchstaben; die Bedeutung eines Filmes steckt nicht in der Folge von Bildern, Szenen, Dialogen und Filmmusiken; die Bedeutung eines Musikstückes steckt nicht in den Akkorden, Klängen und Melodien. Die Bedeutung all dieser Erscheinungen entsteht im Bewusstsein während des Prozesses der Wahrnehmung und inneren [...]

25. Februar 2009

Die Stagnation des Denkens

Max Planck beklagte sich im Jahre 1949 über die konservative Ablehung neuer Ideen durch einen bedeutenden Teil der etablierten Wissenschaft mit den Worten: „Eine neue wissenschaftliche Wahrheit siegt nicht, indem sie ihre Gegner überzeugt und zum Licht führt, sondern eher weil ihre Gegner sterben und eine neue Generation heranwächst, der sie vertraut ist.“ Die beachtlichste [...]

24. Februar 2009

Der trockene Rausch

Jede wirksame Droge ist eine Substanz, die chemisch auf das Gehirn einwirkt und auf diese Weise das Bewusstsein verändert. Das ist der Rausch, der von einer Droge verursacht wird; und jedem dürfte klar sein, dass Räusche in aller Regel nicht vernünftiger machen. Aber keine Droge könnte wirken, wenn dieser Rausch nicht schon im Hirne als [...]

23. Februar 2009

Traum und kollektiver Wahn

So lange nur einer träumt, bleibt es ein Traum. Jeder weiß um die „Substanz“ eines Traumes, der dann entstehen kann, wenn sich die Aufmerksamkeit eines Menschen von der Außenwelt entkoppelt und den inneren, psychischen Quellen zuwendet — auch die so genannten „Tagträume“ fügen sich in dieses Muster. Niemand misst einer solchen, vom Narzissmus hervorgebrachten Halluzination [...]

22. Februar 2009

Schau zweimal

Gegen die „Liebe auf dem ersten Blick“ gibt es ein wirksames, aber viel zu selten angewendetes Mittel: Den zweiten Blick.

21. Februar 2009

Das Ungeheuer des Universums

Das Universum hat vier Eigenschaften, die dem Menschen nicht geheuer sind. Dieses Ungeheure am Universum führt zu einem psychischen Widerstand im Denken, der sich lähmend auf die Einsicht auswirkt und der angesichts der jetzigen und in Kürze kommenden Aufgaben der Menschheit von jedem einzelnen Menschen überwunden werden muss.
Zunächst ist das Universum homogen. Überall im Universum [...]

20. Februar 2009

Die Toten und die Lüge

Wenn man eine Zeitung aufschlägt und die Familienanzeigen betrachtet, einen Blick darüber schweifen lässt, wer alles so gestorben ist und was diesen Toten wie eine verwelkte Blume als kleiner Nachruf in substanzlosen, zur kalten Formelhaftigkeit erstarrten Phrasen hinterher geworfen wird, denn liest man darin nur von fürsorglichen Müttern, lieben Vätern, geschätzten und zuverlässigen Kollegen, die [...]

19. Februar 2009

Du darbst!

Seid ihr denn auch so unverständig? Merket ihr nicht, daß alles, was von außen in den Menschen eingeht, ihn nicht unrein machen kann? Denn es geht nicht in sein Herz, sondern in den Bauch, und geht aus durch den natürlichen Gang.
Jesus aus Nazaret zugeschrieben, Mk, 7, 18-19

Die nährstoffreduzierten Nahrungsmittel, die bis hin zur Halbfettbutter und [...]

18. Februar 2009

Vom simulierten Tun und vom Keller

Sie hatte lange Zeit in der Verwaltung einer größeren Stadt gearbeitet, und sie blickt auf diese Zeit zurück. Sie erzählt, wie man sich dort am Arbeitsplatz verhielt, und wie absurd ihr das schon damals vorkam. Sie spricht davon, dass alle Kollegen und Kolleginnen am Rechner saßen und versuchten, den Eindruck zu erwecken, sie seien schwer [...]

17. Februar 2009

Der Optimist

Zeitgenosse: „Glaubst du an die Wiedergeburt?“
Nachtwächter: „Nein, denn ich bin in meinem Innersten ein wahrer Optimist.“