Beiträge vom Juni 2008

30. Juni 2008

Tschlandvorbei

Ich habe das Wochenende mit dem Finale der EM außerhalb der hupenden und brüllenden Stadt verlebt, und es war eine Wohltat. Als ich zurückkehrte, erfuhr ich auch gleich das Ergebnis, indem ich meine Augen offenhielt. Auf dem Fahrrad fuhr ich an einem offenen Müllcontainer vorbei, und darin befand sich ein recht großes Stück Tuch in [...]

27. Juni 2008

Vom Werbefeldzug

Oft macht die Sprache sehr deutlich, welches Denken hinter ihr steht — sie ist zuweilen so konkret, dass ihre kalte Verwendung Schauern macht. Wenn der Denkende im Zusammenhang der Werbung etwa das Wort von der „Zielgruppe“ hört, dann sieht er eine Gruppe von Menschen, auf die von den Werbern gezielt wird, in einem Fadenkreuz stehen.

26. Juni 2008

Die Blindheit der Ausblendung

Die bewusste Wahrnehmung eines Menschen ríchtet sich unwillkürlich nur auf das Regelwidrige und Außergewöhnliche in der Umwelt aus; das Konstante und Regelmäßige wird hingegen ausgeblendet und erfordert eine willentliche Anstrengung , eine besondere Hinwendung der Aufmerksamkeit, um überhaupt bewusstseinsfähig zu werden. Man sagt dann, es sei „monoton“ und „langweilig“ und klassifiziert es damit schnell und [...]

26. Juni 2008

Mutters Brust

Werbung ist eine sehr teure und ernste Angelegenheit. Mit Werbung wird nicht gespielt, und in der Werbung wird nichts dem Zufall überlassen. So schlicht die Gestaltung eines Firmenlogos auch sein mag, hinter dieser Gestaltung stehen Marktforscher und Psychologen, deren ganzes hoch bezahltes Trachten darauf gerichtet ist, die Konsum- und Kaufwünsche der Menschen möglichst affektiv und [...]

26. Juni 2008

Gebt her eure Finger!

Der folgende Scan ist ein Ausschnitt aus dem offiziellen Prospekt für die zehnte lange Nacht der Museen am 28. Juni in Hannover. Der handgeschriebene Kommentar „Das ist ja bürgerfreundlich“ wurde von C. angebracht, die mich heute auf diese Ankündigung hingewiesen und mir dieses kleine Dokument der Zeitgeschichte zugesteckt hat.

Was hier angekündigt wird, ist die Sonderausstellung [...]

25. Juni 2008

»Politik« und Politik

Ich. Schreibe keine im heute üblichen und von den Massenmedien transportieren Sinne dieses Wortes „politischen“ Texte. Denn. Ich bin. Ein viel zu politischer Mensch dafür.

25. Juni 2008

Mordwirtschaft

Es ist ja nicht so, dass eine unregulierte, sich in verantwortungsloser Dynamik entfaltende Marktwirtschaft nicht ihre Stärken hätte. Oh nein, sie kann Großes hervorbringen. Sogar. Spitzenleistungen. Und der zur Ideologie gehörige Wettbewerb — wie sehr dieses Wort doch nach harmloser Wettlust klingt, wo es einen Kampf eines jeden Menschen gegen jeden Menschen ums Überleben meint [...]

24. Juni 2008

Die fehlenden schönen Bilder

Zeitgenosse: „Du hast jetzt drei Tage hintereinander hässliche und deprimierende Fotos zu deinen Texten gestellt. Machst du eigentlich keine schönen Bilder?“
Nachtwächter: „Natürlich habe ich in den letzen Tagen schönere Motive gefunden, Bruder: Wilde Lilien, Ponys, Kühe und Gänseküken. Aber das beschädigte Leben der Menschen um mich herum ist nicht von wilden Lilien, Ponys, Kühen und [...]

23. Juni 2008

Richtung und Garheit (12)

Die Glotze — Die jüngere Evolution brachte es mit sich, dass die meisten Sinnesleistungen des Menschen in der Rückbildung begriffen oder schon verkümmert sind. Was dem Menschen verblieb und was noch zu einer bachtlichen Leistung fähig ist, das ist das Gehör und das Sehvermögen. Und genau diese beiden Sinne werden vom populärsten Medium der heutigen [...]

23. Juni 2008

Senioren Service Zentrum

Ein treffendes Bild. Die kalte Fassade einer Betonburg aus den frühen Siebziger Jahren, die in ihrer Monströsität representiert, welche Unmenschlichkeiten in jener Zeit unter dem Wort „Fortschritt“ verstanden wurden. An dieser Fassade etwas hingekachelte Dekoration, sehr stilsicher im „Geschmack“ dieses Zeitalters. Diese Burg ist nur noch eine Baustelle, sie soll mit viel Stahl und Glas [...]

23. Juni 2008

Beton

Rührt Beton an,
Mehr
Beton!
Wir gießen Behausungen
Für die städtischen Nomaden.
Für die stummen flitzen Nirgendse
Die überall sein müssen.
Eine Garage
Ist das beste Fundament
Für unsre Häuser. Wir
Nennen es. Zeitgemäßes Wohnen
Im keck gestreuten Grün
Mit Verkehrsanbindung
Und Einkaufsmöglichkeiten und
Alternativ energetisch shengfui
Ist es natürlich auch (für
die Sozialpäderasten
auf ihrer bücken Pirsch nach Jobs,
denn die zahlen höher Miete).
Gerendert sieht es gut aus.
Der Grafiker versteht sein Handwerk.
Betonmischer
Kommt [...]

22. Juni 2008

Das Schulgebäude

Wenn man durch die Straßen deutscher Ortschaften geht, fällt es niemals schwer, ein Schulgebäude auf dem ersten Blick als solches zu erkennen. Denn. Es trägt den ganzen Ungeist des Schulwesens in Deutschland offen vor das Auge. Der gesamte Bau ist nach den gleichen „ästhetischen“ Maßgaben gestaltet, unter denen zu seiner Bauzeit Fabriken errichtet wurden. Und. [...]