Ich bin immer wieder einmal darüber erschrocken, im welchem Ausmaß manche Blogger süchtig nach Statistiken zu sein scheinen. Und. Was für statistische Auswertungen ihnen so angeboten werden.

Zunächst einmal: Auch ich selbst mache statistische Auswertungen über die Zugriffe auf meine Sites. Vor allem interessiere ich mich dafür, welche Texte besonders häufig gelesen werden, woher meine Leser kommen (denn wer mich verlinkt, ist oft auch für mich selbst lesenswert und interessant; und nicht jede Website erzeugt wie ein Blog ein Trackback dabei) und mit welchen Begriffen die Texte von den Suchmaschinen gefunden werden.

Dabei verwende ich zwei verschiedene Wege, um leicht deutbare Statistiken zu erstellen. Wenn ein Mann mit einer Uhr immer zu wissen glaubt, wie spät es gerade ist; denn kann sich ein Mann mit zwei Uhren niemals besonders sicher sein — und tatsächlich sind die Unterschiede in der Zählung so groß, dass allein diese Tatsache jeden Glauben an jede Statistik erschüttern sollte. Zum einen lasse ich meine Seitenzugriffe von wordpress.com mit einem WordPress-Plugin zählen, ergänzend verwende ich hier noch einen PPhlogger. An manchen Tagen könnte man bei den Ergebnissen wirklich glauben, dass zwei verschiedene Websites gezählt wurden.

Aber die Information, die ich erhalte, gibt mir dennoch einen rohen Eindruck von der Sitenutzung durch meine Leser. Die Aufbereitung der gezählten Zugriffe zu einer Statistik schaue ich mir so alle sieben Tage an, manchmal auch häufiger, und manchmal auch einen Monat lang gar nicht.

Früher habe ich auch aufwändigere Dienste zur Erstellung von derartigen Statistiken verwendet, unter anderem Google Analytics. Jedoch bin ich nach einigen Monaten davon abgerückt, weil es mir einfach absurd erschien, hier einerseits die Mail- und IP-Adressen der Kommentatoren aus der Datenbank zu löschen, auf der anderen Seite aber bei Google eine kommerziell genutzte Datensammlung über alle meine Besucher entstehen zu lassen. Zumal der Einblick in Googles Erklärungen zum Datenschutz für mich alles andere als beruhigend war. Außerdem gingen mir die statistischen Auswertungen bei Google zu weit; einzig die ermittelte Aufenthaltsdauer auf den Seiten war für mich noch interessant, um an diesem Kriterium echte Leser von solchen Menschen zu unterscheiden, die wohl nicht das Gewünschte fanden. Das war für mich aber nicht so wichtig; und inzwischen verwende ich Google Analytics gar nicht mehr, ohne dass ich etwas vermisse.

Auf der anderen Seite scheint einigen aber gar nicht zu reichen, was Google Analytics oder andere eher klassicher Zugriffsauswerter zur Verfügung stellen. Kommen wir also mal zum Angebot. Da mir die “Weblog Tools Collection” ein Programm names “Woopra” als ganz besonders “cool” gerade für WordPress anpreist, sei hier einmal kurz und nur fragmentarisch ins Deutsche übertragen, was daran so wahnsinnig “cool” sein soll. [Die folgende, teilweise Übelsetzung des Textes ist von mir. Die Kürzungen sind nicht sinnentstellend. Alle Hervorhebungen sind von mir. Meine Ergänzungen zum besseren Verständnis stehen in eckigen Klammern. Auf diesen Text bin ich nicht gestoßen, weil ich ihn gesucht hätte, sondern weil mir und jedem anderen WordPress-Blogger der RSS-Feed der "Weblog Tools Collection" in das WordPress-Dashboard gebracht wird. Es handelt sich hier also um einen Lesestoff, der Millionen von WordPress-Bloggern direkt und an privilegierter Stelle angepriesen wurde.]

Wenn du Woopra und das WordPress-Plugin für Woopra verwendest, kannst du alle registrieren Benutzer und alle Kommentatoren [live] beobachten. Das scheint kein besonderes Feature zu sein, aber deine Auffassung davon wird sich verändern, wenn du erst einmal das Plugin in deinem WordPress-Blog installiert hast und eine Ereignisbenachrichtung in der Woopra-Anwendung erzeugt hast. [...] Nun wirst du jedes Mal benachrichtigt, wenn ein angemeldeter Benutzer oder ein Leser, der schon einmal kommentiert hat, auf dein Blog zugreift. Das wird sogar noch cooler, wenn du erst einmal feststellst, dass sogar der Gravatar dieser Leser sichtbar wird und dass du jetzt in der Lage bist, die Spur zu verfolgen, die diese bekannten Leser in deinem Blog hinterlassen. [...]

Ein anderes cooles Werkzeug, das ich heute entdeckt habe, ist die kleine Weltkarte auf der oberen, linken Ecke des “Live”-Reiters. Gut, ich hatte schon immer registriert, dass dort eine Karte ist, aber ich habe sie bislang nicht weiter beachtet. Halt mal Ausschau nach dem kleinen Pfeil in der Ecke oben rechts! Wenn du darauf klickst, wird die Karte [auf deinem Desktop] im Vollbildmodus dargestellt und du kannst mit dem Scrollrad deiner Maus beliebige Ausschnitte der Karte vergrößern und mit dem Mauspfeil deine Leser identifizieren. Wenn auf dem Blog viel los ist, könnte ich Stunden damit verbringen.

Nun, es gibt gerade für Blogger Angebote für das Führen von Statistiken, die wohl auch einem paranoiden Innenminister gut gefallen würden. Und es gibt offenbar Blogger, die damit Stunden verbringen könnten und die dann auch noch darüber bloggen, dass sie mit so einem Spitzelwahn Stunden verbringen könnten.

So etwas ist ein ideales Produkt für jeden, der volles Verstädnis für Schäubles Wunsch nach völliger Überwachung und Kontrolle hat. Wer sich beim Gedanken unwohl fühlt, dass er seine Leser nicht vollständig unter Kontrolle hat, der wird mit 1984 Woopra ein ganz neues Wohlbefinden erleben. Eine richtige Orwellness.

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