Der uralte Mythos von einem Paradies als Ort unbesorgter Glückseligkeit hat nichts von seiner psychischen Kraft verloren, was wohl auch daran liegt, dass er in der vorbewussten menschlichen Erfahrung des umsorgten und geborgenen Daseins im Mutterleib wurzelt. Nur die überkommenen Religionen, die diesen Mythos gleichermaßen zum Trost für die Entbehrungen des konkreten Daseins bedienten wie sie ihn zum Ausbau ihrer institutionalisierten Macht monopolisierten, haben für das seelische Leben der meisten Menschen kein wirkmächtiges Mana mehr. Was. Angesichts der angerichteten Hölle unter dem Banner des versprochenen Paradieses auch kein Schaden für die Menschen ist.

Dies jedoch. Hält jene nicht ab, die nun in den Fußstapfen der Religion wandeln und sich zur wirksameren Beeinflussung der Menschen weidlich an den gleichen psychischen Mustern bedienen: Die Werber. Die Heilsversprechungen dieser käuflichen Falschprofeten sind voll von paradiesischen Bildern, mit denen gemeinschaftliches Glück, entzückende Ekstasen des Genusses und immerwährende sexuelle Aktivität und Attraktivität an die kostenpflichtige Benutzung der angepriesenen Produkte und Dienstleistungen gebunden werden, um das phylogenetische Sehnen der Menschen in ausbeutbare Bahnen zu lenken. Und genau. Wie die religiöse Verwendung dieses psychischen Motives absurd war in ihrem Streben, noch in der größtdenkbaren Trübsal Vorstellungen unerreichbaren und doch vorbewusst vertrauten Glückes zu tragen. So. Gerät auch das Streben der Werber beim Einspannen des Paradies-Motives immer wieder ins Dumme, Absurde, Realsatirische und zeigt dabei mit deutlichem Finger auf das Zynische und Menschenverachtende der Werbung.

Das folgende Bild soll ein “Paradies” inmitten einer Burg aus Beton bewerben. In diesem “Paradies” werden den Menschen hypnotische “Spiele” an Münzautomaten angeboten, die große Gewinne versprechen, aber in Wirklichkeit Energie und freie Aufmerksamkeit der “Spieler” vernichten, während das Geld der “Spieler” in die Taschen der Betreiber dieses synthetischen Himmelreiches wandert. Denn das ist das Geschäft der Menschen, die solche “Paradiese” anbieten und der Industrie, welche die technischen Möglichkeiten für solche Angebote schafft und immer perfidere Geldspielgeräte baut. Dass. Verdummte “Spieler” den mechanischen, mit hohem psychologischen und technischem Aufwand dargebotenen Versprechungen glauben und möglichst viel von ihrem Leben, ihrer Kraft und ihrem Gelde für das verlogene Angebot opfern. Und allein darin. Spiegelt sich. Die Kontinuität des Paradiesbegriffes. Dem man gar nicht mit genug Aufklärung entgegen treten kann.

Das Spielparadies in einer Betonwüste

Das Bild wurde im Ihme-Zentrum in Linden bei Hannover aufgenommen. Und nein, diese monströse Burg aus Beton ist immer noch kein Lindenpark, auch wenn irgendwelche Werber sie so nennen, um das psychische Material vom Paradies bedienen zu können.

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