Jeder Denkende, der die gegenwärtigen politischen Reflexhandlungen um das Wort “Unterschicht” miterleben muss, fragt sich unwillkürlich, ob darin nicht eine dumpfe und wohl begründete Angst der gesamten Parallelgesellschaft der politischen Kaste vor dem Entstehen eines Klassenbewusstseins sichtbar wird.

Und dann hört er säuselnd und schleimig den monotonen Chor aus tausenden gieriger, politischer Münder durch die Nacht singen. Am Abend der kapitalistischen Gesellschaft klingt das Wiegenlied für die Unterschicht; und natürlich auch für jene Menschen, die noch nicht zu ihr gehören:

Es gibt hier keine Unterschichten,
nein, arme Menschen gibt’s mitnichten.
Und was sie in den Städten sehen,
die Rentner, die den Müll durchgehen,
die Penner auf dem Bett aus Pappe —
Halten sie die Klappe!

Wirtschaft. Wachstum. Arbeit. Wohlstand.
Börse. Leistung. Vorwärts Deutschland!

Die müssen sich nur integrieren
denn brauchen sie nicht mehr zu frieren.
Die kriegen von uns große Worte.
Das ist doch fast die ganze Torte!
Die Armut ist nur Propaganda —
Blah blah blah blahblablah…

Wirtschaft. Wachstum. Arbeit. Wohlstand.
Börse. Leistung. Unser Deutschland!

Es gibt hier keine Unterschichten:
Nein! Arme Menschen sind zu richten:
Sie zeigen nicht den rechten Willen,
sie schauen nicht durch uns’re Brillen.
Richtig ist nur uns’re Predigt —
Und das Problem erledigt!

Wirtschaft. Wachstum. Arbeit. Wohlstand.
Schlaf bloß weiter, armes Deutschland!

Liebe Bürger (und Bürgerinnen), gute Nacht!
Auf das ihr nicht so bald erwacht.

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