Wenn ich tagsüber unterwegs bin und meinen Begleiter auf das Geräusch einer Grille oder eines Vogels aufmerksam mache, werde ich oft verständnislos angeschaut. Dieses Geräusch wird wirklich nicht gehört, obwohl es laut und sehr gegenwärtig ist. Mein Begleiter sagt, dass er es nicht hören kann, weil es in der Stadt so laut ist.

Ich kann das Gehör meines Begleiters leicht testen, indem ich eine Münze herunterfallen lasse. Dieses Geräusch wird auch im größten Lärm noch vernommen. Es zieht auch sofort die Aufmerksamkeit auf sich, ohne dass es eines Hinweises bedürfe. Dabei ist es leiser als die meisten Vögel und geht ebenfalls im motorischen Lärm der Modernität unter.

Es kommt zu diesem bemerkenswerten Unterschied, weil Menschen sich in der ständigen Überflutung ihrer Sinne behelfen müssen, um nicht wahnsinnig zu werden. Schon vor dem Bewusstsein wird aus der rezeptierten Welt alles ausgefiltert, was als unwichtig erlernt wurde. Dieser Vorgang führt zur so genannten “Wahrnehmung”. Es wird ein Ausschnitt der rezipierten Welt für “wahr” genommen, der Rest der rezipierten Wirklichkeit dringt nicht zum Bewusstsein. Dass diese Wahrnehmung eine “Falschnehmung” sein könnte, ist für viele Menschen ein undenkbarer Gedanke. Diese würden auch sagen, dass sie nur das glauben, was sie sehen können.

Viele entgegnen mir, dass sie nicht wahrnehmen können, wovon ich spreche, gar nicht wenige Zeitgenossen halten mich sogar für geisteskrank. Diese sollten einmal ruhig und gewissenhaft ihre Filterung vor der Wahrnehmung untersuchen, bevor sie das vorschnelle Urteil “pathologisch” fällen.

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