Das Glas ist weder halb leer noch ist es halb voll. Das Glas existiert nicht. Und auch sein Inhalt nicht. Da wo eines Menschen Selbst, sein Ich sein sollte, da ist ein Nichts. Das ist die wirkliche Finsternis, nicht nur die Abwesenheit des Hellen. Das ist der Zustand der allermeisten Menschen.

Wo Licht ist, versichert der unreflektierte Volksmund der bebeinten Leere, da soll auch Schatten sein. Diese Redensart hat sich als Denkmal einer vergangenen Zeit in das Jetzt erhalten, sie steht unter Denkmalsschutz. Das zeigt sich bereits in der formelhaften Aussprache dieser Worte, die verrät, dass hinter ihr keine Erfahrung steht. Es ist nicht Licht, es ist nicht Schatten, es ist Finsternis und Leere.

Und zwar eine Finsternis und Leere, die sich mit beliebigen Inhalten füllen will. So entsteht aus atemlosen Versuchen, die Leere zu füttern der Prozess, der zurzeit über der Gesellschaft abläuft. Er kann noch die hellste Seele verfinstern, wenn er ernst genommen wird.

Oh Gott, bevor die Armee von Feiglingen den letzten glimmenden Docht erstickt, schenk noch einmal Licht, gleißend helles Licht!

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