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Bitte hier entwerten

Man kann jede Forderung und jede Idee der Gestaltung des Miteinanders — und sei sie auch noch so erwägenswert, gut und notwendig — ganz einfach dadurch entwerten, dass man den Namen einer politischen Partei dahinter schreibt.

In den auf Quoten, Leserzahlen und damit letztlich auf Einnahmen durch Reklame ausgerichteten Medien der Contentindustrie findet der Demagoge mit seinem sprachlichen Gepolter und dem gezielten Erwecken leicht erhitzbarer Affekte noch die beste Plattform, denn er ist eingängiger, skandalträchtiger, unterhaltsamer und damit verkaufbarer als das langsame, stille, verantwortungsvolle Denken und Abwägen eines Menschen, der nicht gleich schießen will. Sein Geschrei folgt den leeren Worten der Marktschreier und Quacksalber; seine Phrasen sind auch für tumbere Geister als etwas zu erkennen, was den slogans der Werber ähnlich ist; seine Verachtung der Intelligenz ist direktes Spiegelbild des mechanischen Menschenbildes jener, die mit Tricks, hypnotischen Verfahren und leicht erzeugbaren Affektketten aus einem vernunftfähigen Wesen einen dummen Konsumenten machen wollen, der Bestandteil einer leicht steuerbaren Masse ist. Von der Werbung als “Grund” für das Verbreiten jeglicher Kommunikation, von dem zur geschäftlichen Routine werdenden Gedanken jedes Medienschaffenden, mit welchen Mitteln, Personen und Themen jene Massen erreicht werden, die gegenüber den professionellen Lügnern der Werbebranche schließlich als Preis abgerechnet werden sollen, hin zum totalitären Staat voll von entpolitisierten und fügsamen Menschen ist es ein gerader und geradezu zwangsläufiger Weg.

Gruß an Mathias Döpfner

Der Armutsverneiner

“Seltsam”, sagte der Vorübergehende zum Christen, der neben ihm ging, “du kannst sagen, das Reichtum ja gar keine Sache des Geldes, sondern des Herzens ist, ja, dass so viele Reiche in Wirklichkeit arm und so viele Arme in Wirklichkeit reich sind, ohne dass du von dieser Verneinung des Offensichtlichen Hirnkrämpfe bekommst. Aber wenn du sagen wolltest, dass die Sehkraft gar nichts mit den Augen zu tun habe, ja, dass so mancher Mensch mit geschlossenen Augen besser sehen könne als mit geöffneten, dann würdest du doch hoffentlich noch etwas bemerken”…

Vorerst

Wenn Mitglieder und Mitmösen der gegenwärtigen Bundesregierung verlautbaren, dass es nach dem jüngsten Urteil des Europäischen Gerichtshofes vorerst kein neues Gesetz zur dieser zur Verharmlosung als “Vorratsdatenspeicherung” bezeichneten anlasslosen Totalüberwachung der Kommunikation aller Menschen in der Bundesrepublik Deutschland geben wird, dann schwingt im “vorerst” mit, dass diese darauf warten, dass die so genannten “Grundrechte” noch relativer und unbedeutender werden, ja, dass diese Freunde eines totalitären Staates bei sich bietender Gelegenheit vielleicht sogar aktiv darauf hinarbeiten werden, dass Grund- und Menschenrechte weiter relativiert und ausgehöhlt werden.

Die Ware Liebe

Vertrauen in die Demokratie

Journalisten schreiben über die Machenschaften der classe politique ganz so, als ob man irgendein ominöses “Vertrauen in die Demokratie” noch verlieren könnte und sind damit bei aller zum Schein eingenommener kritischer Haltung die zuverlässigsten und verachtenswertesten Komplizen derer, die sich im Puppentheater des Reichstags als Volksvertreter aufführen und dabei so tun, als wäre ihnen etwas anvertraut. Wer im Angesicht aller obszön sichtbaren Korruption, Grundrechtsverachtung, Menschenrechtsverachtung, Überwachung, Willkür, Vetternwirtschaft, gezielten Verdrängung der geheimdienstlichen Überwachung, Selbstverherrlichung, Personenkulte, Vernunftverweigerung, Scheindebattenkultur, Erkenntnis- und Wissenschaftsverneinung und rein emotionalen Manipulation der Wahlberechtigten noch sagt, und sei es auch nur in der indirektesten Weise, er vertraue in die Demokratie, belegt damit, dass er ein Ausmaß der Blindgläubigkeit erreicht hat, die jedes ernsthafte Wort so sinnlos macht wie den Versuch, einem Denkgestörten seine fixen Ideen auszureden. Dieses “Vertrauen”, das in Wirklichkeit eine Mischung aus irrationalem Fürwahrhalten, Angst und Bequemlichkeit ist, muss nicht postuliert werden, es muss zerschlagen werden!

Die Hannoveraner (Symbolfoto)

Skulptur eines Mannes und einer Frau, voneinander abgewandt, entschlossen ins Nichts starrend, missmutig und mit eingesunkener Körperhaltung eine Zigarette rauchend, vorm Regionshaus in Hannover. Eine treffliche Illustration für die Welthauptstadt der Depression

Sicherung

“Seltsam”, sagte der Vorübergehende zu seiner Begleiterin, “dass sich so viele Menschen widerspruchslos erzählen lassen, dass man den ‘Frieden’ mit der vermehrten Herstellung von Waffen und der Aufstellung von Armeen sichern könne, dass aber kaum jemand zu glauben bereit ist, dass man die Liebe mit der Erhöhung und sorgfältigen Pflege des Hasses sichern könne”.

Der EuGH, wie lächerlich!

“Stell dir nur mal vor”, sagte der Vorübergehende, “der Europäische Gerichtshof verwarf nach fast einem Jahrzehnt — jeder hätte es in fünf Minuten bemerken müssen — die EU-Richtlinie über eine Vorratsdatenspeicherung sämtlicher Kommunikationsdaten aller Menschen in der Europäischen Union, weil diese Überwachung gegen die Grundrechte verstößt, aber das ist für die politisch gewünschte totale Überwachung aller Menschen gar kein Problem, weil sich die Inlandsgeheimdienste der Staaten die Daten einfach durch Zusammenarbeit mit den britischen und US-amerikanischen Geheimdiensten verschaffen. Im Land der Geheimdienste ist das Recht eine Illusion, klaffender und lächerlicher noch als dort, wo es jeden verdammten Tag im Schein von Macht und Ansehen oder durch das Gewicht des Geldes gebeugt wird. Der ‘Rechtsfreie Raum’. Ist nicht das Internet”.

Leider verloren

Wenn man darüber nachdenkt, wieviel Kunst- und Kulturförderung aus den Einnahmen des staatlichen Zahlenlottos und der staatlichen Lotterien finanziert werden, ist es gar kein Wunder mehr, dass so viele Menschen in Deutschland kulturell und künstlerisch betrachtet immer und immer wieder die Niete ziehen…

Vorzug

Ich bevorzuge es, für das gehasst zu werden, was ich bin, statt für das geliebt zu werden, was ich nicht bin

Kurt Cobain, ᛣ 5. April 1994

Längs der Leine

Der Hannah-Arendt-Weg (Hannover) im zarten Grün an einem schönen Frühlingstag

Wer in Hannover längs der Leine auf dem Hannah-Arendt-Weg von der Innenstadt zum Maschsee geht, könnte beinahe vergessen, in einer Stadt zu sein, wäre nicht der rasende Lärm der Straßen in den Ohren. Die Stadt, jede Stadt, wird stets am erträglichsten dort, wo ihre kalte Monstrosität nicht mehr so sichtbar ist.

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